Verfolger des Amokläufers in Texas "Er sah mich, und ich sah ihn"

Stephen Willeford gilt als der Mann, der barfuß den texanischen Amokläufer Devin Patrick Kelley stoppte. Jetzt sprach Willeford über die Verfolgungsjagd - und erklärte, warum er sich nicht als Held sieht.


Stephen Willeford war zu Hause, als seine Tochter ihn rief, dass in der Baptistenkirche von Sutherland Springs geschossen werde. Kurz darauf eröffnete der 55-Jährige das Feuer auf den Amokläufer Devin Patrick Kelley. Jetzt wird der ehemalige "National-Rifle-Association"-Ausbilder von texanischen Behörden und Politikern als Held gefeiert.

Er selbst sieht das anders. "Ich bin kein Held", sagte er in einem Interview mit dem US-Sender "40/29 News TV". Er sei Gott dankbar, dass er ihn geschützt und ihm die Fähigkeiten gegeben habe zu tun, was notwendig gewesen sei. Er habe keine Zeit gehabt, um nachzudenken, weil er andauernd die schnell aufeinanderfolgenden Schüsse gehört habe: "Ich wusste bei jedem einzelnen Schuss, dass er jemandem galt." Deshalb habe er sich seine Waffe gegriffen, das Magazin geladen und versucht, einen Überblick über die Situation zu gewinnen.

Die Tat löste nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten erneut eine Debatte über die US-Waffengesetzgebung aus. Präsident Donald Trump sieht vorerst weiter keine Veranlassung, über eine Änderung nachzudenken. Trump sagte am Dienstag bei seinem Besuch in Seoul, wäre der Schütze nicht von einem anderen Bewaffneten aufgehalten worden, wäre es noch viel schlimmer gekommen. Trump liegt damit auf der Argumentationslinie der mächtigen US-Waffenlobby.

Eine ganz andere Erfahrung schilderte kürzlich der Country-Musiker Caleb Keeter, der das Shooting in Las Vegas überlebte, sich trotz seiner bewaffneten Crew-Mitglieder völlig hilflos fühlte und inzwischen seine Meinung zum Waffenrecht in den USA geändert hat.

Stephen Willeford erzählte nun, er sei nach den ersten Schüssen barfuß auf die Straße gelaufen und habe den Amokläufer entdeckt. "Er sah mich, und ich sah ihn", sagte er. Die beiden Männer schossen aufeinander, Willeford traf den Attentäter nach eigenen Angaben, bevor dieser mit seinem Auto flüchtete.

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Texas: Schüsse während der Andacht

Willeford sei dann zu einem Pick-up, der auf einer Kreuzung angehalten habe, gerannt und habe dem Fahrer Johnnie Langendorff gesagt: "Dieser Typ hat in der Baptistenkirche herumgeschossen. Wir müssen ihn stoppen." Gemeinsam hätten die Männer dann die Verfolgung aufgenommen. Während der Fahrt hätten sie die Polizei gerufen: "Ich hatte Angst um mich, ich hatte Angst um alle, ich hatte Angst um meine eigene Familie", sagte Willeford dem TV-Sender.

Laut Willeford ist Kelley schließlich gegen ein Verkehrszeichen gefahren, sein Auto landete in einem Straßengraben. Der Amokläufer wurde mit drei Schusswunden tot in dem Wagen aufgefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass er an einem Kopfschuss starb, den er sich selbst zufügte.

bbr/dpa

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