Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version dieses Artikels hatte die Überschrift "Tim K. kündigte Tat im Internet an". Der Artikel stützte sich auf die Darstellung des baden-württembergischen Innenministers Heribert Rech bei der Pressekonferenz am Donnerstagmittag - tatsächlich wurde inzwischen von der Polizei dementiert, dass die Spuren in einem Internet-Forum tatsächlich auf K. zurückzuführen sind. Es handelt sich vermutlich um eine Fälschung.
SPIEGEL ONLINE hat diesen Artikel korrigiert und den Vorgang in einem eigenen Text thematisiert (mehr...).
Am Mittwoch um 9.30 Uhr startete der 17-jährige Tim K. seinen Amoklauf. In schwarzer Kampfkleidung betrat er die Albertville-Realschule in Winnenden. Schoss auf Schüler, Lehrer, unterbrach seinen tödlichen Feldzug, als er im Treppenhaus auf Polizisten traf. Bei der Flucht brachte der Teenager einen Autofahrer in seine Gewalt - der nach einer Irrfahrt von rund 40 Kilometern bei Wendlingen am Neckar entkam. Nachdem Tim K. zwei Menschen in einem Autohaus umgebracht hatte, tötete er sich nach einer Schießerei mit der Polizei selbst.
Jetzt stellt die Polizei ihre Erkenntnisse vor:
Tim K. war ein geübter Schütze, bei der Tat verwendete er eine Waffe seines Vaters. Die Tatwaffe entnahm er aus dem Schlafzimmer der Eltern, erklärte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU). Andere Waffen und Munition seien in zwei Waffenschränken verwahrt und mit einem achtstelligen Zahlencode gesichert gewesen. Vermutlich sei der Sohn an die Zahlenkombination gelangt. Der Täter war Gastschütze im Verein des Vaters. Ob er selbst Mitglied war, sei noch nicht klar, sagte Rech. K. betrieb Kraftsport und spielte aktiv Tischtennis, häufig in Begleitung seines Vaters.
Ein Pressesprecher der Polizei sagte, 60 Schuss wurden in der Schule abgefeuert, neun vor dem Krankenhaus. In Wendlingen am Neckar gab er 13 Schüsse ab. Der Täter hatte dem Sprecher zufolge 130 Schuss übrig, als er sich selbst tötete.
Nach den Angaben der Polizei befand sich Tim K. seit 2008 wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung, zunächst stationär in Raum Heilbronn. Er wollte den Angaben zufolge die Therapie im Krankenhaus von Winnenden fortsetzen - hat dies aber offensichtlich versäumt. Eines seiner Opfer erschoss K. auf dem Gelände dieser Klinik.
K. habe sechs Jahre lang die Realschule besucht und im Sommer 2008 den Abschluss mit durchschnittlichen Leistungen erlangt. Danach besuchte er ein zweijähriges Berufskolleg an einer Privatschule in Waiblingen, um einen kaufmännischer Beruf zu lernen. Er galt als zurückhaltender, stiller Mensch, als etwas verschlossen, aber freundlich, sagte der Polizeisprecher.
K. sei interessiert an einem Mädchen aus der Nachbarschaft gewesen, habe aber keine Beziehung mit ihr gehabt. Auf dem Computer des Täters seien Pornobilder und Gewaltspiele sichergestellt worden, sagte der Sprecher. Es gebe keine weitergehende Erklärung dafür, dass Tim K. überwiegend auf Mädchen - acht Schülerinnen und drei Lehrerinnen - geschossen hat. Ob sich, wie einige Medien berichtet hatten, zwei Lehrerinnen dem Täter in den Weg stellten, könne nicht abschließend beantwortet werden, sagte der Polizeisprecher, das könne man nur annehmen.
Der Leiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Mahler, ist zuständig für die Ermittlungen. Er erklärte, es werde keine Obduktion der Opfer geben, um die Angehörigen vor weiteren Verletzungen zu schützen. Die überwiegende Zahl der Leichen sei bereits freigegeben. Lediglich der Täter werde obduziert werden.
Die Dienststellen seien gebeten worden, aktiv bei der Aufarbeitung des Geschehenen in den Schulen mitzuwirken. Die Beamten seien angewiesen, verstärkt an Schulen Präsenz zu zeigen. Derzeit werde die Tatortarbeit fortgeführt.
Detailliert ging der Polizeisprecher auf den Schusswechsel im Industriegebiet ein: Zu Fuß sei der Täter dorthin gelangt, habe gezielt das Autohaus betreten, wo er die Herausgabe eines Fahrzeugs forderte. Dem sei nicht nachgekommen worden, woraufhin K. auf zwei Menschen, einen Verkäufer und einen Kunden, das Feuer eröffnete. Er schoss mindestens 13-mal.
Nach einem Magazinwechsel gelang zwei anderen Menschen im Verkaufsraum die Flucht durch einen Hinterausgang. Der Täter selbst flüchtete durch den Vordereingang, erkannte einen herannahenden Polizeibeamten und eröffnete das Feuer auf ihn. Die Beamten erwiderten das Feuer und trafen den Täter zweimal in die Beine.
Tim K. sei dann ins Autohaus zurückgekehrt, habe durch die Glasscheibe auf herannahenden Streifenwagen geschossen. Auf den Firmenhof sei es dann zur finalen Schießerei gekommen: Er habe zwei Beamte schwer verletzt, auf Mitarbeiter einer angrenzenden Firma geschossen und dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Dafür gebe es Augenzeugen.
Die 41-jährige männliche Geisel, die Tim K. nahm, konnte sich aus eigener Kraft retten. Der Mann habe sich in permanenter Todesangst befunden. Der 17-Jährige habe den Mann auf einem Parkplatz in seine Gewalt gebracht, wo dieser in seinem Auto wartete. Er habe sich auf die Rückbank gesetzt, dem Fahrer die Waffe an den Kopf gehalten, ihn gezwungen loszufahren. Als sich auf der Autobahn 81 der Verkehr verdichtete, die Fahrt ins Stocken geriet, habe der Amokläufer ihn gefragt, ob er einige der anderen Verkehrsteilnehmer "abknallen" solle. Als der Autofahrer dann an der Autobahnauffahrt Wendlingen einen Streifenwagen sah, habe er das als letzte Chance gedeutet, lebend aus dem Fahrzeug zu kommen. Der Mann habe Gas gegeben, sei aus dem noch fahrenden Fahrzeug gesprungen. Der Täter habe während der gesamten Zeit im Auto hinten gesessen, die Geisel mit der Waffe bedroht.
"Wir haben ein größeres Blutbad an der Realschule verhindert", sagte Landespolizeipräsident Hetger. An der Schule seien enorme Schäden entstanden. Noch immer seien Blutlachen auf dem Boden und überall zerschossene Scheiben. "Es ist in nächster Zeit an einen Unterricht in diesen Räumen gar nicht zu denken", sagte Polizeisprecher Mittelfelder. Die Erfahrung zeige, dass Amokläufer erst dann von ihrem Tun ablassen, wenn die Munition verfeuert sei, sie außer Gefecht gesetzt oder getötet werden.
Die verheerendsten Amokläufe
Der Begriff Amok kommt von dem malaysischen Wort "amuk" und bedeutet so viel wie "wütend" oder "rasend".
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In einem Kino in
Aurora
im US-Bundesstaat Colorado eröffnet ein Mann während der Premiere des neues "Batman"-Films das Feuer. Zwölf Menschen sterben, 58 weitere werden verletzt. Der Amokläufer wird festgenommen.
Ein 43-Jähriger tötet am christlichen
College von Oikos
in Oakland, Kalifornien, sieben Menschen und verletzt drei weitere. Anschließend stellt er sich der Polizei. Die Opfer mussten sich in einer Reihe vor einer Mauer aufstellen, bevor sie hingerichtet wurden.
Im kalifornischen Badeort
Seal Beach
schießt ein Mann wegen eines Sorgerechtsstreits mit seiner Ex-Frau in einem Friseurladen um sich. Er tötet acht Menschen, darunter die Mutter seines Kindes.
Ein Militärpsychiater eröffnet in der
US-Militärbasis Ford Hood
in Texas das Feuer und löst die bislang größte Schießerei auf amerikanischem Armeegelände aus. Der Mann tötet 13 Menschen und verletzt 42 weitere, bevor er überwältigt werden kann.
Der Abiturient Georg R. verletzt bei einem Anschlag am humanistischen
Gymnasium Carolinum
in
Ansbach
acht Mitschüler und einen Lehrer. Die Tat wurde offenbar lange im Voraus geplant.
Einer Schülerin fügt er eine lebensgefährliche Kopfverletzung zu, eine andere erleidet schwere Brandwunden. Der 18-Jährige selbst wird bei seiner Festnahme durch mehrere Schüsse schwer verletzt.
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Jiverly Wong
, ein 41-jähriger Immigrant aus Vietnam erschießt in einem Zentrum für Einwanderer 13 Menschen und begeht anschließend Selbstmord.
Der 17-jährige
Tim K.
ermordet in der Albertville-Realschule im schwäbischen Winnenden 15 Menschen. Danach erschießt sich der Täter selbst.
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Ein Amokläufer im US-Bundesstaat Alabama
tötet mindestens neun Menschen und erschießt sich dann selbst. Das Blutbad ereignet sich in Geneva County im Südosten Alabamas nahe der Grenze zu Florida.
Ein 20-jähriger Belgier ersticht in einer Kindertagesstätte im ostflämischen
Dendermonde
zwei Kleinkinder und eine Betreuerin. Zehn weitere Kleinkinder und zwei weitere Betreuerinnen werden zum Teil schwer verletzt.
Der 22-jährige Berufsschüler
Matti-Juhani Saari
tötet in der westfinnischen Kleinstadt
Kauhajoki
zehn Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
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Der 18-jährige Schüler
Pekka-Eric Auvinen
tötet insgesamt acht Menschen in einem Schulzentrum in
Jokela
.
An der Technischen Universität von
Virginia
erschießt ein Student 32 Menschen und verletzt 15 weitere.
Das Massaker an der Virginia Tech
gilt als eines der folgenschwersten an einer Bildungseinrichtung in den USA.
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Mindestens zehn Menschen sterben bei zwei Amokläufen in
Salt Lake City
und
Philadelphia (USA)
. Ein Täter eröffnet in einem Einkaufszentrum in Salt Lake City das Feuer und tötet fünf Menschen. Ein Polizist erschießt den Amokläufer.
In Philadelphia werden drei Teilnehmer einer geschäftlichen Konferenz Opfer eines Amokläufers. Er nimmt sich anschließend das Leben.
Der
18-jährige Sebastian B.
schießt in seiner ehemaligen Schule im westfälischen
Emsdetten
um sich. Elf Menschen werden verletzt.
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In
Lancaster County
im US-Bundesstaat
Pennsylvania
tötet ein Amokläufer an einer
Amish
-Schule fünf Mädchen. Dann nimmt er sich das Leben.
In
Red Lake
im US-Bundesstaat
Minnesota
erschießt ein 16-Jähriger eine Lehrerin und fünf Schüler. Zuvor hatte er schon einen Schulwärter, seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin getötet. Im Internet outet sich der Täter als Anhänger
nationalsozialistischer Rassenlehren
.
Bei einem
Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium
in
Erfurt
tötet der 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. Steinhäuser war ein Jahr vor der Tat von der Schule verwiesen worden.
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Im Pariser Vorort
Nanterre
erschießt ein
Amokläufer
acht Menschen. Anschließend springt er aus dem vierten Stock eines Polizeigebäudes in den Tod.
Ein Amokläufer
dringt in das
Kantonsparlament
im schweizerischen
Zug
ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.
Ein 37-jähriger Japaner
ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt
Osaka
acht Kinder und verletzt 20 weitere zum Teil schwer.
Beim Schulmassaker von Littleton
stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die
Columbine Highschool
in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen.
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Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in
Jonesboro
im US-Staat
Arkansas
falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
Im Nordosten
Brasiliens
bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche
Homosexualität
.
35 Menschen fallen dem
Amokläufer Martin Bryant
auf der australischen Insel
Tasmanien
zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen
Dunblane
16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen
Toulon
insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
Im
texanischen Killeen
tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
An der Polytechnischen Hochschule von
Montréal
kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige
Marc Lépine
erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
In einem Schnellrestaurant in
San Diego
erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
An der Universität von
Texas
schießt
der Amokläufer Charles Whitman
mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
Beim
Attentat von Volkhoven bei Köln
stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.