Blutbad an US-Grundschule: Schütze tötet 20 Kinder, 5 Erwachsene und seine Mutter

Kleine Kinder, Lehrerinnen und Lehrer - in einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut hat ein bewaffneter Mann 26 Menschen erschossen. Unter den Opfern ist auch seine Mutter, die an der Schule gearbeitet hat. Es ist eines der schlimmsten Massaker der US-Geschichte.

Nur 27.000 Menschen leben in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut, der Landkreis gilt als einer der wohlhabendsten in den USA. An diesem Freitag erleben die Menschen einen Alptraum. Ein Blutbad an der Sandy-Hook-Grundschule. Ein junger Mann hat 26 Menschen erschossen - 20 Kinder und 6 Erwachsene. Auch die Leiche des Täters wurde im Inneren des Schulgebäudes gefunden. Ein Mensch wurde verletzt.

Gegen 9.30 Uhr (Ortszeit) ging bei der Polizei unter der Nummer 911 der Notruf ein. "Wir hörten viele Schüsse und Schreie", berichtete ein Junge, der zum Zeitpunkt der Bluttat in der Sporthalle war, dem TV-Sender CNN. "Wir setzten uns an eine Wand, dann kam ein Polizist rein und rief: 'Ist er hier?'", so der Junge. Die Kinder versteckten sich in einem Schrank der Sporthalle, bis weitere Polizisten kamen und sie nach draußen in Sicherheit brachten. Später habe die Polizei zwei Erwachsene entdeckt, die in einem Schrank Schutz vor dem Amokschützen gesucht hatten, berichtet CNN.

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Schießerei in Connecticut: Bluttat an der Sandy-Hook-Grundschule
Der Täter trug eine schusssichere Weste, war komplett schwarz gekleidet, berichten Augenzeugen. Laut Polizei wurden mittlerweile drei Waffen gefunden: eine Glock und eine Sig Sauer, beides Pistolen, sowie ein Gewehr. Die Pistolen wurden in der Schule entdeckt, das Gewehr im Auto, mit dem der Amokläufer zu der Schule gefahren war. Mindestens hundert Schüsse soll er abgegeben haben. Der Mann ist tot. Er soll sich selbst erschossen haben.

Zu Beginn des Jahres hatten die Eltern einen Brief der Schule erhalten: Die Direktorin informierte sie darüber, dass auch an ihrer Schule die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden sollten. Während der Unterrichtszeiten sollten alle Türen verriegelt werden, Besucher sollten sich anmelden. Kein Unbefugter sollte Zutritt zu dem Gebäude bekommen, in dem rund 700 Kinder unterrichtet werden - ab dem Kindergartenalter bis zu zehn Jahren.

Wie verschaffte sich der Mann also Zugang zu der Schule? Nach Informationen der "New York Times" ist die Mutter des Schützen unter den Opfern, sie war an der Grundschule angestellt. Sein jüngerer Bruder soll von der Polizei verhört werden. Weiter hieß es, die Freundin des Schützen und ein weiterer Freund würden in New Jersey vermisst.

An einem weiteren Tatort in Newtown hat die Polizei inzwischen eine weitere Leiche entdeckt, gab ein Sprecher bekannt. Gouverneur Dannel Malloy erklärte, bei dem Toten handele es sich um eine Person, die mit dem Schützen zusammengelebt habe.

Schreie über das Lautsprechersystem

Eine Augenzeugin berichtete auf CNN, sie habe mit sechs Kollegen an einer Besprechung teilgenommen, als die ersten Schüsse fielen. Sie habe die Polizei gerufen, drei Kollegen seien auf den Flur gegangen. Nur einer sei zurückgekommen, nicht aber die Direktorin und der Schulpsychologe. Möglicherweise wurden sie von Schüssen getroffen und sogar getötet. Die Vize-Direktorin wurde verletzt.

Eine Mutter schilderte dem Sender WCBS unter Tränen, wie sie mit anderen Eltern angsterfüllt vor der Schule um die Kinder bangte. Die Polizei habe sie nicht in das Gebäude gelassen. "Viele Eltern warteten vor der Schule, alle hofften, dass ihre Kinder noch am Leben sind. Und dann wurde ihnen gesagt, dass ihre Kinder tot sind."

Der 17-jährige Mergim Bajralium, der in der Nachbarschaft lebt, erzählte Einzelheiten der Tat. Er habe zu Hause Schüsse gehört und sei losgelaufen, um nach seiner neun Jahre alten Schwester zu sehen. Seine Schwester habe Schreie über das Lautsprechersystem gehört, Lehrer hätten gezittert und geweint. "Jeder war traumatisiert", sagte er. Die Schwester wurde nicht verletzt.

US-Präsident Obama hält emotionale Rede

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Schießereien an Schulen und an Universitäten. Tatort des ersten Massakers, das sich live im TV vor den Augen der entsetzen US-Öffentlichkeit abspielte, war die Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado. Am 20. April 1999 erschossen dort Eric Harris, 18, und Dylan Klebold, 17, zwölf Mitschüler sowie einen Lehrer. 23 Jugendliche wurden damals verletzt. Seit Columbine hat es etliche weitere Fälle gegeben weltweit, die Waffengesetze wurden in den USA bislang nicht verschärft.

US-Präsident Barack Obama hielt am Abend eine sehr emotionale Rede im Weißen Haus. "Unsere Herzen sind heute gebrochen", sagte Obama. Mehrmals unterbrach er seine kurze Ansprache, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. "Die Mehrheit der Todesopfer waren Kinder, wunderbare Kinder zwischen fünf und zehn Jahren alt." Wieder musste er sich unterbrechen, sammeln. "Sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich: Geburtstage, Schulabschlüsse, Hochzeiten, eigene Kinder." Seine Frau Michelle und er würden ihre beiden Töchter an diesem Abend besonders fest in die Arme nehmen.

Obama ordnete an, dass zur Trauer an allen öffentlichen Gebäuden bis Dienstag die Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Zudem kündigte er politische Konsequenzen an. "Wir haben das zu oft erlebt", sagte der Präsident und zählte die Massaker der vergangenen Jahre auf. "Diese Nachbarschaften sind unsere Nachbarschaften. Diese Kinder sind unsere Kinder. Wir müssen Maßnahmen ergreifen."

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27. März 2002: Nanterre, Frankreich
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20. April 1999: Littleton/Colorado, USA
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine Highschool in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen. Mehr auf der Themenseite...
24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA
Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in Jonesboro im US-Staat Arkansas falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.