Amoklauf von Ansbach Georg R. stürmte Schule mit fünf Molotow-Cocktails

Der Amokläufer von Ansbach führte mehr Waffen mit sich als anfangs bekannt: neben einem Beil und vier Messern sogar fünf Brandsätze. Sein jetzt gefundenes Testament hatte er mit dem Datum 9/11 versehen. Die bei der Tat schwerverletzte Schülerin ist inzwischen außer Lebensgefahr.


Ansbach - Sein Beil maß 40 Zentimeter, er hatte fünf Molotow-Cocktails bei sich, drei feststehende Messer, ein Butterfly-Messer: Der Abiturient, der am Donnerstag sein Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach stürmte und mehrere Menschen verletzte, war im Besitz von mehr Waffen als bislang vermutet. Das gab Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger auf einer Pressekonferenz bekannt.

Zehn Menschen wurden bei der Amoktat verletzt, zwei 15-jährige Schülerinnen schwer. Beide sind mittlerweile außer Lebensgefahr. Dies teilte das Klinikum Nürnberg am Freitag mit. Die Zehntklässlerin, die der Täter Georg R. mit dem Beil schwer am Kopf verletzt hatte, wurde sieben Stunden lang operiert. Eine weitere, ebenfalls 15 Jahre alte Schülerin hatte schwerste Brandwunden erlitten. Beide befänden sich mittlerweile auf dem Wege der Besserung.

"Die behandelnden Ärzte sind mit dem Gesundheitszustand ihrer jungen Patientinnen sehr zufrieden", teilte das Klinikum mit. Die Eltern hätten ihre Kinder mittlerweile besuchen können.

Eine Sonderkommission, bestehend aus 25 Ermittlern, soll nun klären, was Georg R., 18 Jahre alt und im dritten Semester des Abiturjahrgang des Carolinums, zu der Tat getrieben hat.

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Ansbach: Amoklauf am Carolinum

"Er galt als introvertierter Schüler", sagte der Direktor des Gymnasiums, Franz Stark. Georg R. habe als ersten Leistungskurs Deutsch belegt, sei "mitgeschwommen" in der Schar der 600 Schüler und nie auffällig gewesen. Mitschüler beschrieben Georg R. als ruhigen und verschlossenen Außenseiter. Sein Verhalten sei "komisch" und "zurückhaltend" gewesen, hieß es. Er soll wegen seines Aussehens von Mädchen gehänselt worden sein. Eine Mitschülerin sprach sogar von Mobbing.

Im Haus der Familie stellten Ermittler inzwischen den Computer des 18-Jährigen sicher. Die Auswertung, so die Oberstaatsanwältin, laufe noch, Erkenntnisse lägen bislang nicht vor.

Ein erster Anhaltspunkt, aus dem sich zumindest schließen lässt, dass die Tat seit längerer Zeit geplant war, sind Schriftstücke, die die Ermittler im Zimmer von Georg R. fanden. Auf einem Kalenderblatt war unter dem Datum 17. September "Apocalypse Today" eingetragen, zudem habe Georg R. ein Testament gemacht, das mit 9/11, dem Datum der Terroranschlage in New York, gekennzeichnet war.

Spekulationen, dass sich der Amoklauf gezielt gegen eine der Schülerinnen gerichtet habe, konnte Oberstaatsanwältin Lehnberger nicht bestätigten. Darüber lägen keine Erkenntnisse vor. Es habe, soweit bekannt, keine Drohungen gegen konkrete Personen von R.s Seite aus gegeben.

Die Eltern Georg R.s, ein geschiedenes Paar, verweigern bislang die Aussage, "sie machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch", hieß es. Intensiv befragt würden jetzt aber alle Schüler, die Zeugen des Amoklaufs wurden oder auch davon betroffen waren.

Bestätigt wurde erneut, dass sich Georg R. in psychotherapeutischer Behandlung befand, aus welchem Grund und seit wann, sei "Gegenstand der Ermittlungen".

Georg R., den fünf Schüsse eines Polizisten trafen, liegt im Krankenhaus und ist noch nicht vernehmungsfähig. Der Haftbefehl gegen R. werde noch am Freitag erlassen, hieß es.

Das Schulgebäude, das von Ermittlern immer noch untersucht wird, soll am kommenden Montag wieder freigegeben werden, der Unterricht, so die Ansbacher Bürgermeisterin Carda Seidel, werde jedoch noch nicht wieder aufgenommen.

Zwischen 100 und 150 Schüler fanden sich am Freitagmorgen in der Turnhalle der Schule ein, wo sie von Seelsorgern betreut wurden. Der Notfallseelsorger Thomas Barkowski beschrieb die Stimmung als sehr ernst, viele Schüler lägen sich in den Armen, einige weinten. "Viele realisieren erst schrittweise, was wirklich passiert ist", sagte er.

pad/dpa

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rrbbkim 17.09.2009
1. .
Da dieser Mensch offenbar Basteltalent hatte, sehe ich da nur wenig Möglichkeiten. Ich bin aber auf jeden Fall dafür, dass in privaten Haushalten keinerlei Waffen untergebracht werden dürfen. Auch nicht bei Jägern! Die sollen ihre Waffen samt Munition in bewachten Depots unterbringen.
peterbruells 17.09.2009
2.
Zitat von sysopEin Unbekannter hat am Morgen ein Gymnasium im bayerischen Ansbach gestürmt und vier Schüler verletzt, einen von ihnen schwer. Können Amokläufe verhindert werden? Wie kann hier Prävention effizient betrieben werden?
Blöde Frage. Natürlich indem man ein Stoppschild vor den Eingang stellt.
gauloisesbert 17.09.2009
3.
Ich sehe den bayrischen Innenminister gerade fieberhaft im Internet nach Computerspielen recherchieren, in denen Molotow-Cocktails verwendet werden ...
SkyNet_SO 17.09.2009
4. wieder mal
wieder mal ein Amoklauf und wieder einmal wird in den Medien und der Politik nun die Hexenjagd losgehen. VermRutlich wird dann auf dem Rechner des Amokläufers auch noch Counterstrike gefunden, so dass dann die "Killerspiele" Diskussion wieder aufflammt. Da er scheinbar selber Brandsätze gebaut hat, wird es dann sicherlich auch wieder um Seiten im internet gehen, wo Bombenanleitungen drauf sind. Ich wette es dauert nicht lange, bis die ersten Forderungen kommen, dass man auch diese neben KiPo Seiten sperren muss. Wie kann man einen Amoklauf verhindern? Vermutlich garnicht. Die Menschen, die so etwas machen, sind idR extreme Aussenseiter. Hier sollten insbesondere die Eltern mehr ein Augenmerk auf evtl Auffälligkeiten haben. Wichtig ist auch, dass die Eltern Ihrer Verantwortung nachkommen und sich gescheit um den Nachwuchs kümmern. Mobbing in der Schule wird es immer geben, die Lehrkräft sollten aber auch hier besonders aufmerksam sein.
frietz, 17.09.2009
5. sichere wette
ich wette, dass es längstens heute nachmittag wird, ehe wieder ein experte/politiker kommt und erklärt, dass die "killerspiele" schuld sind? hält jemand dagegen?
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