Hermann Scheer, SPD-Bundestagsabgeordneter für Waiblingen:
"In Deutschland dürfen Privatleute keine Waffen im Haus haben. Wir müssen das schlicht und einfach verbieten. Die Geschehnisse von Ansbach zeigen doch, dass ein Amokläufer ohne Zugang zu Schusswaffen rechtzeitig von der Polizei gestoppt werden kann. Sie kann leichter eingreifen, das Risiko für die Beamten ist etwas geringer.
Ganz anders war das vor sechs Monaten im schwäbischen Winnenden, das in meinem Wahlkreis liegt. Da plünderte der Täter den Waffenschrank seines Vaters - und die Polizei hatte keine Chance, die Tat zu verhindern. Es schießt sich eben schneller als es braucht, einen Molotow-Cocktail zu werfen, wie es Georg R. in Ansbach tat.
Somit spricht alles für ein rigides Waffenverbot. Die bisherigen Verschärfungen des Waffenrechts allein bringen kaum was. Die Polizei ist doch überfordert, wenn sie etwa auf Verdacht hin Stichproben in Privathäusern machen soll. Das findet ganz selten statt, die Polizei hat dafür gar nicht die personellen Ressourcen.
Nur ein Verbot von Waffen für den Privatgebrauch kann die Konsequenz sein. Die Sportschützen müssen ihre Waffen ja nicht selbst besitzen, sondern können sie im Vereinsheim ausgehändigt bekommen. Ich habe da persönliche Erfahrung, weil ich früher aktiv im Modernen Fünfkampf war, der ja auch das Pistolenschießen umfasst.
Keiner von uns hatte eine Privatpistole, sondern man händigte uns die Waffen samt Munition vor Training und Wettkampf aus, später reinigten wir sie und gaben sie wieder ab. Man muss doch keine Waffen aus Liebhaberei zu Hause rumliegen haben."
Aufgezeichnet von Sebastian Fischer
Jürgen Kohlheim, Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes:
Natürlich brauchen wir Waffen in Deutschland. Der Schießsport hat eine lange Tradition bei uns, die ganze Republik bejubelt regelmäßig die Erfolge unserer Sportschützen. Und wie sollen bitte 400.000 Jäger für das biologische Gleichgewicht der Fauna sorgen, wenn sie keine Gewehre mehr besitzen und benutzen dürfen?
Vor allem aber brächte eine Radikalkur, allen Privatpersonen die Waffen zu nehmen, überhaupt keinen Zugewinn an Sicherheit. Schon heute werden lediglich 0,03 Prozent aller Straftaten in Deutschland mit den acht bis zehn Millionen legalen Waffen begangen. Ein viel größeres Problem stellt laut Polizei die Zahl der illegalen Waffen dar, die - sehr konservativ geschätzt - dreimal höher ist.
Kritiker fordern immer wieder, die Waffen der Sportschützen sollten zentral gelagert werden. Das ist Unsinn! Auf diese Weise schüfe man riesige Depots, die aufwendig gesichert werden müssten und Straftäter erst recht anzögen. Eine beängstigende Vorstellung.
Sportschützen und Jäger gehören schon heute zu den am strengsten kontrollierten Bundesbürgern. Eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes tut nicht Not. Die Tat von Ansbach zeigt doch: Nicht die Waffen schaffen Amokläufer. Diese verwirrten jungen Männer schlagen auch dann zu, wenn sie gar nicht an Schusswaffen gelangen konnten.
Insofern sollten wir endlich über die Ursachen der stetig wachsenden Zahl von jugendlichen Gewaltexzessen diskutieren - und nicht immer nur über ihre Werkzeuge. Die nämlich richten - in den richtigen Händen - kein Unheil an.
Aufgezeichnet von Jörg Diehl
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