Gedenken an Münchner Amoklauf "Gegen Extremismus aufstehen"

Beim Amoklauf in München starben vor einem Jahr neun unschuldige Menschen. Mit einem Mahnmal ist nun der Opfer gedacht worden. Oberbürgermeister Reiter fand deutliche Worte.

DPA

Angehörige und Politiker haben am ersten Jahrestag des Münchner Amoklaufs der Opfer gedacht. "Der Amoklauf vor einem Jahr hat ganz Bayern ins Mark getroffen", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Gedenkfeier am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Kein Name, kein Gesicht dürfe vergessen werden, sagte der CSU-Politiker. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, Tag und Ort seien mit unerträglichen Erinnerungen verbunden.

Der 18 Jahre alte David S. hatte vor einem Jahr am OEZ neun Menschen erschossen, vorwiegend Jugendliche mit Migrationshintergrund. Danach tötete er sich selbst. Der Amoklauf versetzte die Stadt stundenlang in einen Ausnahmezustand. An mehr als 70 Orten meldeten Menschen Schüsse, in zwei Fällen sogar Geiselnahmen - obwohl nur am OEZ geschossen worden war.

Pünktlich zum Jahrestag konnte der SPIEGEL anhand von Chatprotokollen die rassistischen Motive von David S. belegen. Auch sein Waffenhändler hing offenbar rechtsextremen Gedanken nach. Oberbürgermeister Reiter sagte dazu: "Im Hinblick auf die Erkenntnisse, dass der Täter eine rechtsextreme Gesinnung hatte, gilt mehr denn je: Wir müssen auch weiterhin gegen jede Form von Extremismus, Rassismus und menschenverachtende Gewalt aufstehen."

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Jahrestag: Gedenken der Amokopfer in München

Sibel Leyla zählt zu denen, die Opfer zu beklagen haben. Sie verlor bei der Tat ihren damals 14-jährigen Sohn Can. "Es tut mir leid, dass ich dich an dem Tag nicht schützen konnte", sagte sie bei der Gedenkveranstaltung.

Zum Jahrestag wurde gegenüber dem OEZ-Eingang ein neues Mahnmal enthüllt: Ein Lebensbaum genannter Gingko, den ein zwei Meter hoher Edelstahlring mit Namen und Bildern der Opfer umgibt. Das Mahnmal "Für Euch" weihten Vertreter verschiedener Religionen ein. Politiker, Angehörige der Toten, Einsatzkräfte, aber auch umstehende Gäste sprachen das christliche und das muslimische Glaubensbekenntnis - gleichzeitig.

Einige Hinterbliebene trugen T-Shirts mit Fotos der Toten auf der Vorderseite. Auf dem Rücken stehen die Namen, das Datum und die Worte "9 Engel, ein Schicksal". Arbnor Segashi, Bruder des ersten Opfers Armela, dankte auf der kleinen Bühne neben dem neuen Mahnmal seinen Eltern, "die mir jeden Tag aufs Neue die Kraft gegeben haben, mit diesem Schicksal umzugehen".

Auch Ministerpräsident Seehofer sprach den Umgang der Menschen mit der Tat an: "Bei allem Schrecken, den der 22. Juli 2016 über uns gebracht hat, bin ich unendlich dankbar für die Mitmenschlichkeit." In der Amoknacht hatten viele Münchner für Schutzsuchende ihre Wohnung geöffnet.

Reiter sagte: "Wenn Amokläufer und Attentäter etwas gemeinsam haben, dann, dass sie Misstrauen, dass sie Angst und dass sie Hass verbreiten wollen. Doch ich sage ganz deutlich: Dieses zynische Kalkül ist weder in unserer Stadt noch in den anderen betroffenen Städten aufgegangen."

apr/dpa



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