München Amokläufer zahlte 4350 Euro für Waffe und Munition

Neue Details zum Amoklauf von München: Für seine Pistole und die Munition zahlte David Sonboly 4350 Euro. Der mutmaßliche Händler soll weitere Waffen in einer vergrabenen Kiste versteckt haben.


Der Amokläufer von München hat für seine Schusswaffe und Munition nach Ermittlungen der Polizei 4350 Euro gezahlt. Dies sei aus den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Waffenhändler hervorgegangen, der am Dienstag in Marburg gefasst worden war.

Bei dem mutmaßlichen Waffenhändler handelt es sich laut Generalstaatsanwaltschaft um einen 31-jährigen arbeitslosen Verkäufer. Um weitere Details zu nennen, sei es noch zu früh. Ein Spezialeinsatzkommando des Zollkriminalamts Köln habe den Mann festgenommen. Man gehe davon aus, dass der 31-Jährige seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch Waffenhandel bestritt.

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Nach Amoklauf von München: Gewehre, Pistolen, Munition - die Waffenfunde

Der Amokläufer David Sonboly hatte am 22. Juli in einem Schnellrestaurant und einem Einkaufszentrum im Norden von München neun Menschen und sich selbst erschossen. Zuvor hatte der 18-Jährige offenbar systematisch nach einer Schusswaffe des Herstellers Glock gesucht. Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Waffenhändler von den Amok-Plänen wusste, haben die Ermittler bislang nicht.

Festnahme bei fingiertem Waffengeschäft

Bei dem 31-Jährige wurden noch mehr Waffen gefunden. Er habe die Ermittler in einer ersten Vernehmung auf eine vergrabene Kiste in einem Waldstück direkt an der Autobahn zum Flughafen Köln/Bonn hingewiesen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle. In der Kiste seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Bei einer zunächst ebenfalls festgenommenen 31-Jährigen handle es sich um die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Waffenhändlers. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Frau unmittelbar in das Waffengeschäft, durch das der Mann aufgeflogen sei, eingebunden gewesen sei. Sie befinde sich nicht mehr in Gewahrsam.

Der illegale Handel mit scharfen Waffen verlagert sich nach Einschätzung der Generalstaatsanwaltschaft zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig. Die Ermittler reagierten jedoch auf diese Entwicklung.

31-Jähriger hatte bei Festnahme Pistole dabei

Der mutmaßliche Waffenhändler war in Marburg bei einem fingierten Waffengeschäft festgenommen worden. Der Mann habe sich zur Übergabe der Ware mit seinem vermeintlichen Kunden - einem Ermittler - am Marburger Busbahnhof getroffen. Man sei zu einem Parkplatz gegangen, auf dem das Auto des Mannes stand. Auf dem Parkplatz sei er dann festgenommen worden. Dabei habe es keine Zwischenfälle gegeben. Die Schrecksekunde des 31-Jährigen sei länger gewesen als der Zugriff, sagte Badle.

Die Pistole, die der mutmaßliche Waffenhändler bei seiner Festnahme in Marburg bei sich führte, war illegal. Der Mann hatte keine waffenrechtliche Erlaubnis, die Pistole mit sich zu führen.

Ausgangspunkt für die Festnahme waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Hessen. Die beiden stehen im Verdacht, bei dem Festgenommenen Waffen und Munition erworben zu haben. Der 62-Jährige soll bei einem Treffen am 4. Juni in Marburg eine Pistole und 100 Patronen (Kaliber 7,65 Millimeter) gegen eine Pistole und 97 Patronen (Kaliber 9x19 Millimeter) getauscht haben.

Waffenübergabe an 17-Jährigen im Gitarrenkoffer

Bei dem fingierten Waffengeschäft nutzten die Fahnder nach Informationen des SPIEGEL offenbar die Identität des Buchhalters. Der 31-jährige Waffenhändler glaubte demnach, mit einem ihm bekannten Kunden zu verhandeln, obwohl er in Wahrheit mit verdeckten Ermittlern kommunizierte.

Der 17-Jährige soll in der ersten Julihälfte in Marburg von dem Tatverdächtigen ein Repetiergewehr und 157 Patronen zum Preis von 1.150 Euro erworben haben. Bei einer Durchsuchung seines Zimmers in der Wohnung seiner Eltern in Nordhessen in der Nacht auf den 3. August sei die Ware sichergestellt worden - ebenso wie eine Pistole Walther PK 380, drei Gewehre verschiedener Kaliber, vier Revolver, weitere 175 Patronen sowie etwa fünf Kilogramm Schwarzpulver.

Die Waffen an 17-Jährigen wurden den Ermittlern zufolge in einem Gitarrenkoffer angeliefert. Diese Wahl sei nicht zufällig erfolgt - in Gitarrenkoffern könne man auch Langwaffen unterbringen, etwa Gewehre. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenhändlers habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt, im Tausch gegen einen leeren Gitarrenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt.


Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Kiste mit den Waffen sei an einer Verkehrsinsel vergraben gewesen. Die Ermittler haben ihre Angaben jedoch korrigiert: Das Versteck lag demnach an einem Waldstück in der Nähe von Köln. Wir haben die entsprechenden Stellen im Text geändert.

SPIEGEL TV Magazin (24.07.2016)

ulz/dpa



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