Vater von Opfer in Newtown: "Sie ließ die Sonne aufgehen"

Emilie Parker ist eines von 20 Kindern, die der Amokläufer in Newtown kaltblütig erschossen hat. Mit einer bewegenden Rede hat ihr Vater an seine sechsjährige Tochter erinnert - und die letzten gemeinsamen Momente geschildert.

Foto: AP

Newtown - 20 kleine Kinder haben am Freitag in Newtown, Connecticut, ihr Leben verloren, getötet von dem Amokläufer Adam Lanza. Sie wurden nur sechs oder sieben Jahre alt. Jede Familie in dem Ort geht anders mit dem Verlust um. Einige haben sich entschieden, sich zurückzuziehen. Die Polizei bat am Samstag eindringlich darum, ihre Privatsphäre zu wahren. Andere wiederum haben die Öffentlichkeit gesucht, darunter Robbie Parker.

Der Assistenzarzt, 30, erinnerte vor Fernsehkameras an seine Tochter und alle anderen Opfer. "So viele Menschen und Organisationen haben mit mir Kontakt aufgenommen und wollten wissen, wie es uns geht. Ich glaube, dies könnte der beste Weg sein, diese Gefühle mit allen zu teilen", sagte er am Samstagabend Ortszeit.

Robbie Parker hat seine sechsjährige Tochter Emilie verloren. "Sie war die Art von Mensch, der in einem Raum die Sonne aufgehen ließ", erinnerte er sich. Parker, der während seiner Ansprache mit den Tränen kämpfte, sagte, er finde Trost in der Erinnerung an die Hilfsbereitschaft und das Mitgefühl seiner kleinen Tochter. "Emilie war klug, kreativ und sehr liebevoll. Emilie wollte immer neue Dinge ausprobieren. Außer beim Essen."

Er erinnerte sich auch an die letzten Momente mit ihr. "Sie hat 'Guten Morgen' gesagt und gefragt, wie es mir geht. Ich sagte, es ginge mir gut. Sie sagte, dass sie mich liebt, und ich gab ihr einen Kuss und ging aus der Tür." Er hoffe, sagte Parker abschließend, dass der Tod der Opfer an der Sandy-Hook-Grundschule die Menschen "besser, mitfühlender und fürsorglicher" machen möge.

Todesangst in der Schule

Mit drei Waffen stürmte der 20-jährige Amokläufer Lanza am Freitag in die Grundschule. Zuvor hatte er seine Mutter erschossen. Den Tathergang, wie Zeugen ihn schilderten, finden Sie hier.

Der Gerichtsmediziner Wayne Carver berichtete sichtlich erschüttert, der Täter habe auf alle Opfer mehrfach gefeuert. Teilweise seien elf Einschusslöcher in den kleinen Körpern gewesen. "Es ist das Schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe. Und für meine Kollegen gilt das Gleiche", sagte er.

Lanza erschoss auch sechs Lehrerinnen an der Grundschule. Direktorin Dawn Hochsprung - Mutter von zwei eigenen und drei Adoptivkindern - versuchte, den Amokläufer zu überwältigen und wurde erschossen. Die 27 Jahre alte Lehrerin Victoria Soto stellte sich vor die Kleinen - und starb. Andere versteckten sich mit ihren Schülern und versuchten trotz eigener Todesangst, die wimmernden Kinder zu beruhigen.

"Ich dachte, wir werden alle sterben", sagte die Lehrerin Kaitlin Roig am Samstag unter Tränen. Sie hatte sich während der Tat mit den Kindern in der Toilette versteckt hatte. "Ich stellte ein Regal vor die Tür, schloss sie ab und schaltete das Licht aus. Wir saßen im Dunkeln", berichtete Roig dem Sender ABC. Sie habe ihre Schüler beruhigt und gemahnt, still zu sein. Dabei habe sie gedacht, sie würden die Nächsten sein, die erschossen würden. Erst nach dem Ende des Amoklaufs holte ein Polizist die Frau und die Kinder aus ihrem Versteck.

Eine andere Überlebende schilderte ihre Sicht: "Wir haben gesagt, das ist eine Übung", berichtete die Bibliothekarin Mary Ann Jacob, die sich mit ihren Schülern in einem Abstellraum verschanzte. Dabei habe sie bereits gewusst, dass es sich um Schüsse handelte.

Ganz Newtown trauert um die Opfer des Amoklaufs: kaum eine Ecke, an der nicht ein paar Blumen und Teddybären liegen oder Kerzen brennen. Gleich mehrere Mahnwachen und Messen sollte es am Abend geben, bei denen gerade auch der Lehrer gedacht werden sollte. "Umarme einen Lehrer", steht etwa auf einem Plakat im Ort. Ein anderes hängt direkt an der Hauptstraße: "Umarmt heute einfach eure Lieben!"

kgp/dpa/AFP

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