Amoklauf von Winnenden Vater von Tim K. muss Schadensersatz zahlen

Tim K. erschoss in Winnenden 15 Menschen und sich selbst. Ein Gericht hat seinen Vater nun zu Schadensersatz verurteilt - der Mann muss für die Therapie von Schülern, Eltern und Lehrern aufkommen.

Albertville-Realschule: Hier erschoss Tim K. 15 Menschen und sich selbst
Claus Hecking

Albertville-Realschule: Hier erschoss Tim K. 15 Menschen und sich selbst


Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss für die Taten seines Sohnes Schadensersatz zahlen. Mehr als sechs Jahre nach dem Attentat in einer Realschule muss er der Unfallkasse Baden-Württemberg die Kosten für die Heilbehandlung von Schülern, Eltern und Lehrern ersetzen. Das entschied das Landgericht Stuttgart.

Die Höhe des Schadensersatzes wurde zunächst nicht festgelegt. Dies soll im Laufe des weiteren Verfahrens geschehen. Die Versicherung machte eine Forderung in Höhe von knapp 717.000 Euro geltend. Seit Jahren schwelt der Streit darüber, wie viel Geld die Eltern des Amokläufers an Hinterbliebene der Opfer und auch an Überlebende zahlen müssen.

Der 17-jährige Tim K. hatte im März 2009 mit der Pistole seines Vaters 15 Menschen erschossen und anschließend sich selbst getötet. Der Vater, ein passionierter Sportschütze, wurde später zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, weil er die Waffe nicht ordnungsgemäß weggesperrt hatte. Sie lag unverschlossen im Schlafzimmer.

Einigung kam nicht zustande

Anders als beim Vater sahen die Richter bei der Mutter des Amokläufers keine Grundlage für eine Haftung. Eine Verletzung der Aufsichtspflicht lasse sich "jedenfalls nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit" feststellen, erklärte das Gericht. Es habe nicht nachgewiesen werden können, dass sie bereits vor dem Amoklauf "sichere Kenntnis" vom Aufbewahrungsort der Waffe erlangt habe.

Bisher waren alle Versuche einer gütlichen Einigung in der Schadensersatzklage gegen die Eltern gescheitert. Zuletzt hatte das Gericht eine Zahlung von 130.000 Euro in Raten an die Versicherung vorgeschlagen. Die Eltern lehnten dies jedoch ab und boten der Unfallkasse 70.000 Euro an. Eine Einigung kam schließlich nicht zustande.

kis/dpa/AFP

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