Prozessauftakt in Heilbronn Vater von Amokläufer Tim K. verklagt Klinik

War der Amoklauf von Winnenden vorhersehbar? Der Vater des Täters findet, die Therapeuten seines Sohnes hätten ihn warnen müssen - und klagt nun gegen die Klinikärzte.

Albertville-Realschule in Winnenden
DPA

Albertville-Realschule in Winnenden


Sieben Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten hat der Vater des Täters Tim K. Ärzte und Therapeuten seines Sohnes verklagt. Sie hätten ihn warnen müssen, dass von dem 17-Jährigen große Gefahr ausgeht, argumentiert der ehemalige Unternehmer Jörg K.

K. will erreichen, dass die Experten die Hälfte des Schadensersatzes übernehmen, den er an Opfer, Hinterbliebene, die Stadt Winnenden und die Unfallkasse Baden-Württemberg zahlen muss. Das Landgericht taxierte diese Summe auf vier Millionen Euro.

Seit Dienstag befasst sich das Landgericht Heilbronn mit Jörg K.s Klage. Er selbst erschien nicht zur Verhandlung. Seine Anwälte legten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor.

Bis ein halbes Jahr vor der Bluttat im März 2009 hatten die Ärzte viermal mit Tim K. gesprochen. Dabei sei es zu Behandlungsfehlern gekommen, argumentiert der Vater. Die Gegenseite erklärte, eine umfassende Therapie sei den Eltern zwar angeraten, die Behandlung aber nie angetreten worden.

Entscheidung fällt nicht vor Ende April

Im ersten Gespräch hatte der spätere Amokläufer einer Ärztin gegenüber von Tötungsfantasien gesprochen. Er habe Gedanken, "alle erschießen" zu können, steht in den Akten. Am Ende stand die Diagnose einer sozialen Phobie des Jugendlichen. Diese Diagnose bezeichnete ein Gutachter als "nicht ganz zutreffend" - von einer Fehldiagnose könne aber nicht gesprochen werden.

Tim K. hatte am 11. März 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der Flucht im nahe gelegenen Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte sein Vater Jörg K., ein Sportschütze, zuvor im Kleiderschrank versteckt. Der Mann wurde später vom Landgericht Stuttgart wegen 15facher fahrlässiger Tötung zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Wann die Entscheidung fällt, stand zunächst nicht fest - jedoch nicht vor Ende April. Mehrere Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen sind bereits beglichen: Zwei Millionen Euro flossen von der Versicherung des Vaters an mehr als 30 Opfer und Hinterbliebene, 400.000 Euro an die Stadt. Forderungen der Unfallkasse für Heilbehandlungen von Schülern, Eltern und Lehrern über knapp eine Million Euro stehen noch aus.

gam/dpa

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