Medienberichte Auf Andamanen getöteter US-Bürger wollte Einwohner missionieren

Der von Ureinwohnern getötete US-Amerikaner hatte laut Medienberichten ein klares Ziel: Er wollte den isolierten Stamm auf der abgelegenen Insel im Indischen Ozean missionieren. Und er kannte offenbar die Gefahr.

Ureinwohner von North Sentinel (Archivbild)
AFP/ Indian Coast Guard/ Survival International

Ureinwohner von North Sentinel (Archivbild)


Der von Ureinwohnern auf den indischen Andamanen-Inseln getötete US-Bürger wollte Medienberichten zufolge missionieren. "Ihr haltet mich vielleicht für verrückt, aber ich denke, es lohnt sich, diesen Leuten Jesus nahezubringen", schrieb er laut "Washington Post" vor seinem Tod in einer Nachricht an seine Eltern.

Als der 27-Jährige mit seinem Kanu auf der Insel North Sentinel anlegte, habe er eine Bibel dabei gehabt sowie Fisch und Fußbälle als Geschenke, heißt es in seinem Tagebuch. Die "Post" zitiert daraus - die Mutter des Toten übergab demnach der Zeitung die Aufzeichnungen.

Als er das Volk auf der Insel aufsuchte, habe er demnach gerufen: "Mein Name ist John. Ich liebe euch und Jesus liebt euch." Die Bewohner hätten ihn mit Pfeilen beschossen und seine Bibel getroffen.

Anschließend sei der Missionar zu einem Fischerboot zurückgekehrt, habe seine Eindrücke aufgeschrieben und auf dem Boot übernachtet. Am nächsten Tag sei er trotz der Vorwarnung noch einmal zu der Insel gefahren. Von diesem Ausflug kam er nicht mehr zurück.

Leiche am Ufer

Behördenangaben zufolge beobachteten Fischer, wie der Mann mit Pfeilen beschossen und an den Strand gezogen worden sei. Aus Angst seien sie geflohen. Als sie am nächsten Morgen zurückgekehrt seien, hätten sie die Leiche am Ufer gefunden. Der Polizei zufolge wurden die Fischer festgenommen und Ermittlungen aufgenommen.

Die Bergung der Leiche des Missionars gestaltete sich schwierig. Die indische Polizei bezog in ihre Bemühungen Anthropologen, Forstbeamte und auf Ureinwohner spezialisierte Sozialarbeiter ein. "Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht stören", sagte der örtliche Polizeichef Dependra Pathak. Ein Schiff und ein Hubschrauber seien losgeschickt worden. Sie hätten Abstand zur Insel gehalten und die Leiche noch nicht entdeckt.

Weil auch indische Behördenvertreter die Insel nicht betreten, ist zudem unklar, ob die Tötung rechtliche Konsequenzen hat. Mehrere Fischer wurden festgenommen, weil sie den US-Amerikaner in die Nähe der Insel gebracht haben sollen.

Die zu Indien gehörenden Andamanen liegen im Indischen Ozean westlich von Myanmar. North Sentinel wird von den Sentinelesen bewohnt, die sich vor der Außenwelt abschotten und schon häufiger Fremde angegriffen haben sollen. Seit den späten Neunzigerjahren soll kein Außenstehender mehr die Insel betreten haben. Indiens Regierung hat sie und das umliegende Gewässer im Radius von drei Seemeilen zur verbotenen Zone erklärt.

jpz/AFP

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