Prozess in Norwegen Breivik vergleicht seine Verpflegung mit Waterboarding

Anders Breivik hat Norwegen verklagt, nun erhebt der Massenmörder neue Vorwürfe: Seine Haftbedingungen seien schlimmer als Folter - dabei verfügt er offenbar über DVDs, Zeitungen und eine Spielkonsole.

Massenmörder Breivik vor Gericht
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Massenmörder Breivik vor Gericht


Der Rechtsterrorist und Massenmörder Anders Behring Breivik hat sich bei seinem Zivilprozess gegen den norwegischen Staat als Opfer der Justiz dargestellt. "Es wäre menschlicher, mich zu erschießen statt mich wie ein Tier zu behandeln", sagte der 37-Jährige am zweiten Verhandlungstag im Gefängnis von Skien. Lediglich seine nationalsozialistische Ideologie habe ihm das Überleben ermöglicht.

In der Haft seien die Mahlzeiten aus der Mikrowelle "schlimmer als Waterboarding", sagte Breivik weiter - bei dieser Foltermethode erhalten Gefangene den Eindruck zu ertrinken. Besucher und Prozessbeobachter lachten während Breiviks Aussage angesichts dieses Vergleichs.

Breivik vertritt in dem Verfahren die Haltung, seine Haftbedingungen seien ein Verstoß gegen die Europäischen Menschenrechtskonventionen. Dem norwegischen Staat warf Breivik vor, ihn mit der Isolationshaft "zu quälen" und sogar "töten" zu wollen. Als er nach seiner Identität befragt wurde, gab er sich als "Sekretär der politischen Partei Nordischer Staat" aus, einer extremistischen Gruppierung, die Breivik aus dem Gefängnis heraus weiter aufbauen will.

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Breivik-Klage: Die Rechte eines Massenmörders
So schlecht sind die Haftbedingungen des Mörders Dutzender Jugendliche offenkundig jedoch nicht: Breivik soll laut Anhörung über ein eigenes Laufband, eine Playstation, ein Fitness-Fahrrad sowie einen zurückklappbaren Stuhl verfügen.

Im Gefängnis soll er zudem an einem Knusperhäuschen-Wettbewerb der Häftlinge teilgenommen haben, Wärter luden ihn laut Staatsanwaltschaft zu einer Partie Hockey ein. Breivik hat demnach auch Zugang zu Zeitungen, Büchern, Magazinen, Puzzlespielen, DVDs und einem Discman.

Breivik war 2011 für den Mord an 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya zu 21 Jahren Haft verurteilt worden. Seit fast fünf Jahren sitzt er in Isolationshaft und hat nur begrenzten Kontakt zu anderen Menschen. Zum Prozessauftakt hatte Breivik den Arm zum Hitlergruß gehoben, am Mittwoch sagte er: "Ich kämpfe seit 25 Jahren für den Nationalsozialismus und werde bis ans Ende meines Lebens dafür kämpfen."

Breivik, dem durch den Prozess viel Aufmerksamkeit zuteil wird, fühlt sich als Anführer einer "Nationalsozialistischen Partei Norwegens", die die nordische Rasse vor der vermeintlichen Ausrottung durch die asiatische wähnt.

Er sagte vor Gericht, er gehe davon aus, das Verfahren zu verlieren. Was die Justiz betreffe, sei Norwegen vergleichbar mit einer Bananenrepublik. Nationalsozialisten in Norwegen würden heute so behandelt wie die Juden in Deutschland in den Dreißigern.

Eine psychiatrische Gutachterin erklärte, Breivik sei weiterhin gefährlich. Man könne ihm nicht trauen, weil er bereit sei zu lügen, wenn es seinen Zwecken diene.

Im Video: Gerald Traufetter über den Prozessauftakt in Oslo

SPIEGEL TV Magazin (31.07.2011)

mxw/AFP/dpa/Reuters

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