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Universität Oslo: Massenmörder Breivik darf studieren

"Es schmerzt", sagen Opfervertreter: Attentäter Anders Breivik hat die Zulassung zu einem Politikstudium erhalten. Doch einen Abschluss wird der Mann, der 77 Menschen tötete, vermutlich nie machen.

Attentäter Breivik (Archiv): Zulassung zu Politikstudium Zur Großansicht
AP

Attentäter Breivik (Archiv): Zulassung zu Politikstudium

Der norwegische Massenmörder Anders Breivik ist an der Universität von Oslo zum Studium der Politikwissenschaften zugelassen worden. "Er hat einen Platz, er erfüllt die Anforderungen", sagte die Universitätssprecherin Marina Tofting. "Als Institution müssen wir uns an die Regeln halten", begründete Rektor Ole Petter Ottersen die Vergabe im norwegischen Rundfunk.

Es ist aber praktisch ausgeschlossen, dass der 36-Jährige das Bachelorstudium jemals abschließen wird. Wegen eines Bombenanschlags in Oslo und eines Massakers auf der Insel Utøya im Juli 2011 sitzt Breivik eine 21-jährige Haftstrafe ab.

Fünf der neun Kurse des Studiums erfordern seine Anwesenheit in der Universität. Der Rechtsextremist sitzt aber in Einzelhaft und hat keinen Zugang zum Internet. Sein Kontakt zur Universität muss daher über einen Vermittler erfolgen. Der Politikprofessor Dag Harald Claes sagte, bei Breivik werde keine Ausnahme gemacht. Er könne die Kurse nur abschließen, wenn seine Haftbedingungen gelockert würden oder er aus dem Gefängnis freikomme. Breiviks Haftstrafe kann unbegrenzt verlängert werden, solange er als Gefahr eingeschätzt wird.

"Es schmerzt, dass er studieren kann, doch so ist es in Norwegen", sagte Lisbeth Kristine Royneland, die einer Gruppe von Angehörigen der Opfer vorsteht. "Doch ob er Romane oder politikwissenschaftliche Bücher liest, ist uns egal, solange er hinter Gittern bleibt."

2013 war ein Antrag des Attentäters auf Aufnahme eines Studiums aus akademischen Gründen abgelehnt worden.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst mit einer Bombe im Osloer Regierungsviertel acht Menschen getötet, bevor er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utøya 69 Menschen erschoss.

wit/AFP/dpa

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Breivik-Prozess
Der Auftakt
Wie befürchtet nutzt der Massenmörder Anders Breivik schon zum Auftakt am 16. April den Gerichtssaal als Bühne: Er hebt den Arm zu einem provozierenden Gruß, beruft sich auf das Notrecht - und bricht in Tränen aus, als ein von ihm vor der Tat produzierter und ins Internet gestellter Videoclip vorgeführt wird. Es bleibt das einzige Mal im gesamten Prozess, dass der 33-Jährige Emotionen zeigt.
Demontage des Bösen
Staatsanwältin Inga Bejer Engh treibt den Angeklagten in die Enge: Sie demaskiert den Attentäter am zweiten Prozesstag, stutzt sein übergroßes Ego und verhindert, dass er eine Bühne für seine krude Weltanschauung findet.
Der Schöffen-Eklat
Ein Schöffe wird am zweiten Verhandlungstag wegen eines Online-Kommentars für befangen erklärt und abgesetzt. Der Laienrichter hat in einem Chat-Forum im Internet geschrieben, dass der Attentäter die Todesstrafe verdient.
Erschütternde Zeugenaussagen
Überlebende der Bombenanschläge in Oslo und des Massakers auf der Insel Utøya geben erschütternde Berichte über den Doppelanschlag ab. Doch die grauenhafteste Zeugenaussage kommt vom Täter selbst. Die Mordserie von Utøya schilderte er Opfer für Opfer, Kugel für Kugel, ohne ein Detail auszusparen.
Der Schuhwerfer
Am 11. Mai schleudert ein irakischer Mann, dessen Bruder auf Utøya starb, einen Schuh auf Breivik. Der Prozess wird kurz unterbrochen, der Mann weinend aus dem Saal geführt. Es bleibt der einzige Ausbruch von Wut während des Verfahrens. Die Verwandten der Opfer verhalten sich bemerkenswert ruhig.
Die Psychiaterfehde
Die beiden vom Gericht berufenen Psychiater-Teams präsentieren sich widersprechende Ansichten über den Geisteszustand Breiviks. Für das Urteil ist es von entscheidender Bedeutung, ob er als geistesgestört eingestuft wird.
Das Urteil
Das Gericht beendete die Verhandlungen am 22. Juni. Der Prozess gegen Anders Breivik dauerte zehn Wochen, insgesamt gab es 43 Verhandlungstage. Die Staatsanwaltschaft wollte Breivik in die Psychiatrie einweisen - doch das Gericht entschied am 24. August anders: Breivik sei zurechnungsfähig, er muss 21 Jahre in Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

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