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Anders Breivik: Der unauffällige Massenmörder

Aus Oslo berichtet

Narziss und Goldjunge: Der Attentäter von Oslo wuchs in einer bürgerlichen Gegend auf, besuchte gute Schulen, glitt leicht durchs Leben - und tötete 76 Menschen. Wie wurde Anders Breivik zum Mörder? Eine Spurensuche.

Wer verstehen will, was für ein Mensch der Attentäter Anders Behring Breivik ist, muss in den Westen Oslos fahren. Dorthin, wo die Grundstücke allmählich groß und grün werden und Glas und Stahl zunehmend Klinker und Holz weichen. Hier ist Breivik aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine Klassenkameraden von damals sind heute Rechtsanwälte und Hirnchirurgen, Breivik aber ermordete 76 wehrlose Menschen, von denen er glaubte, sie seien seine Feinde.

Wie kann aus einem Jungen aus gutem Hause, der im Leben viele Möglichkeiten hatte, ein rücksichtsloser Fanatiker werden, der nur noch hasst?

Sköyen heißt der Stadtteil, in dem Breivik zuletzt mit seiner Mutter in einer Wohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnte. Es ist eine ruhige Gegend, in der sich die Leute auf der Straße noch grüßen, selbst wenn sie sich nicht persönlich kennen. Familien mit kleinen Kindern leben hier, Rentner, angenehme Menschen, nette Nachbarn. An der Klingel des Hauses Nummer 18 steht "A. Breivik, Geofarm".

Anfang des Jahres ist Anders Breivik hier eingezogen, nach eigenen Angaben wollte er auf diese Weise Geld sparen, um "genügend Mittel und Zeit zu haben", für das Verbrechen, das er "seine Mission" nannte. Der Hausmeister erinnert sich an den späteren Massenmörder als ruhigen, freundlichen Mann, der morgens die Straße hinab zur Bahn spazierte und abends zurückkehrte, um die kranke Mutter zu pflegen. Kontrolliert habe Breivik gewirkt, sagt Roger Edvardson, fokussiert, den Blick immer geradeaus gerichtet wie ein Mann, der klaren Abläufen folgt.

Sein Ziel: reich werden

Anders Behring Breivik kam am 13. Februar 1979 zu Welt, als Kind des Diplomaten Jens und der Krankenschwester Wenche. Er war gerade ein Jahr alt, als seine Eltern sich scheiden ließen. Anders blieb bei der Mutter, zusammen mit seiner Halbschwester Elisabeth. Zu dem damals in London lebenden Vater hatte er nur noch selten Kontakt, später riss die Verbindung vollkommen ab.

Ein Freund Breiviks aus Jugendtagen, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte SPIEGEL ONLINE, er erinnere sich an Anders als aufgeweckten, aber unauffälligen Schüler. Einer, der in der Klasse mitschwamm, kein Anführer war, aber auch kein Außenseiter, der nie Probleme hatte, gut mitkam, ein angepasster Typ insgesamt, der nur als Teenager zaghaft aufbegehrte.

Der junge Breivik, er mag damals 14 oder 15 gewesen sein, zog als Tagger durch Oslo, er schmierte mit dicken schwarzen Filzschreibern Schriftzeichen an Bushaltestellen, Stromkästen und Laternenmasten. Breivik fuhr auf HipHop ab, fühlte sich wahrscheinlich verwegen und erwachsen, doch als er irgendwann auf die Jungs einer Pakistani-Gang traf, die sehr viel rauer waren als er, reagierte er schockiert und verängstigt. So hart war er doch nicht.

Das jedenfalls berichtet sein Schulfreund, der einer der wenigen ist, die sich überhaupt zu Anders Breivik äußern wollen. Fast kann man den Eindruck gewinnen, in Norwegen gebe es inzwischen eine stille Übereinkunft: Der gehört nicht mehr zu uns, wir strafen ihn mit unserem Schweigen. Die quälende Frage nach dem Warum, in Deutschland Anfang jeder Debatte nach einer Katastrophe, scheint hier niemand stellen und schon gar nicht beantworten zu wollen.

Nach seinem Abitur an einem renommierten Wirtschaftsgymnasium trat Breivik in die Jugendorganisation der rechtspopulistischen Fortschrittspartei ein, in der er sich zehn Jahre lang engagierte - und sich ihr doch entfremdete. Am Ende verließ er die Organisation, weil sie ihm zu angepasst erschien, zu sehr Teil des Establishments war, das er zu hassen gelernt hatte.

Breivik habe immer reich werden wollen, sagt der Freund von früher, und ständig neue Projekte im Sinn gehabt. Er gründete eine Firma in der Computerbranche, beriet Unternehmen, verdiente gutes Geld, so jedenfalls stellte Breivik es dar. Angeblich wohnte er zu dieser Zeit in einem Luxusapartment, trug eine Breitling-Uhr, doch der Erfolg, wenn es ihn überhaupt jemals gegeben hat, währte wohl nicht allzu lange. Norwegische Zeitungen berichten inzwischen, Breivik habe jahrelang in einem Callcenter gearbeitet und sei auch da kaum aufgefallen.

In der Abgeschiedenheit bastelte er an seiner Bombe

Schaut man sich Breiviks Steuererklärungen aus den vergangenen Jahren an, fällt auf, dass er schon seit 2006 kein offizielles Einkommen mehr hatte. Trotzdem explodierte sein Vermögen im Jahr 2007 von 7471 auf 631.663 Kronen - rund 81.000 Euro. Eine Erklärung dafür gibt es bislang nicht. Vielleicht hatte er sich Geld geliehen, vielleicht geerbt? Jedenfalls scheint Breivik von den Rücklagen gelebt zu haben.

Mitte April mietete Anders Breivik, der als Mitglied in einem Schützenverein legal eine Pistole der Marke Glock besaß, schließlich einen Bauernhof in einem kleinen Ort, drei Autostunden nördlich von Oslo. Zugleich gründete er eine weitere Firma, die er Geofarm nannte. Gemüse wollte er dort oben in der Einsamkeit angeblich anbauen, er kaufte Kunstdünger in großen Mengen, doch in Wirklichkeit bastelte Breivik in der Abgeschiedenheit an einer gewaltigen Bombe und trainierte für seine Taten.

In seinem 1516 Seiten umfassenden Manifest beschreibt der Killer, wie er sich mental auf seine Tat vorbereitete. Es ist nur ein kleiner Teil seines grotesken, von wahnhaften Ideologien geprägten Werks. Aber auch der zeigt, wie besessen Breivik war: "Man muss anfängliche schwierige psychologische Herausforderungen meistern und anschließend seine Psyche jeden Tag überprüfen - bis die Operation abgeschlossen ist", notierte er. Märtyrertum sei kein plötzlicher Entschluss, sondern ein Prozess, der viel Zeit und Kraft brauche, und in dem man viel nachsinnen müsse.

Er wähnte sich "im Krieg"

Jeden Tag sei er 40 Minuten lang spazieren gegangen, so Breivik. Glaubt man seinen Aufzeichnungen, so hat er in dieser Zeit philosophiert und sich selbst indoktriniert. Immer wieder spielte er die Operation in seinem Kopf durch, simulierte verschiedene Szenarien: die Konfrontation mit der Polizei, die Befragungen, einen möglichen Auftritt vor Gericht. Sogar Interviews mit der Presse malte er sich aus. Während seines Mentaltrainings hörte er "motivierende und inspirierende Musik". "Dieses tägliche mentale Übungsritual erhält meine Motivation aufrecht und lädt meine Batterien auf."

Die jahrelange Vorbereitung, sich den Triumph und die historische Mission vor Augen zu halten, ist nach Einschätzung von Experten ein typisches Verhaltensmuster eines Attentäters, der sein Tun ideologisch begründet und legitimiert. Die Anschläge seien zwar grausam, aber notwendig gewesen, sagte auch Breivik dem Haftrichter.

"Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er geisteskrank ist", behauptet inzwischen sein Verteidiger Geir Lippestad. Sein Mandant glaube, er sei ein Soldat und befinde sich in einem Krieg. "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen", so der Anwalt. Auch sei Breivik davon überzeugt gewesen, dass er in norwegischen Gefängnissen gefoltert und auf dem Weg zum Gericht erschossen werden würde.

Das allerdings erwies sich als Illusion.

Mitarbeit: Cato Gjertsen

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
Hercules Rockefeller, 26.07.2011
Könnte man einen Preis für absurde Titelzeilen bekommen, dieser Artikel wäre wohl ganz vorne gelandet! Oder kennt etwa jemand einen "auffälligen" Massenmörder? Nö, die sind immer unauffällig, freiwillig lassen sich die Massen nun auch nicht abmurksen. Ich weiß bei Spiegel Online oft nicht, ob die Satirerubrik die Artikel oberhalb oder unterhalb des SPAM-Logos beinhaltet...
2. der nette Junge aus dem call center
systemfeind 26.07.2011
Zitat von sysopNarzisst und Goldjunge: Der Attentäter von Oslo wuchs in einer bürgerlichen Gegend auf, besuchte gute Schulen, glitt leicht durchs Leben - und tötete 76 Menschen. Wie wurde Anders Breivik zum Mörder? Eine Spurensuche am Rand von Oslo. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776763,00.html
dabei war der immer so nett + zurückhaltend ; wirkte so ausgeglichen und ruhig . Von der Sorte laufen ne Menge frei herum - mal drauf 8ten ; beim HO an der Kasse , all die gelassenen Typen -- Glock find`ich ok - Breitling ist aber nun wirklich ne Proletenuhr .
3. Profiler Giertz
Michael Giertz, 26.07.2011
Zitat von sysopNarzisst und Goldjunge: Der Attentäter von Oslo wuchs in einer bürgerlichen Gegend auf, besuchte gute Schulen, glitt leicht durchs Leben - und tötete 76 Menschen. Wie wurde Anders Breivik zum Mörder? Eine Spurensuche am Rand von Oslo. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776763,00.html
Tja. Wieviele Themen zum Thema Breivik werden wohl noch kommen? Aber um mich mal als "Profiler" zu versuchen (ohne den Artikel gelesen zu haben): möglicherweise hatte der Mann einfach genug Zeit, um seine (kruden) Ideen auf Papier zu bringen, sich selbst davon blenden zu lassen und am Ende danach zu handeln? Vielleicht war er aber einfach nur frustriert, weil er trotz passendem Background nicht die richtigen Förderer oder die richtige Partei fand, in der er etwas bewegen kontne? Vielleicht war er angefressen ob seiner Machtlosigkeit, fiel in Depressionen, raffte sich mit seiner "Ideologie" auf und mordete zuletzt? Ist letztendlich auch völlig egal. Solche Typen wird es immer wieder geben, weil die Gesellschaft nicht in der Lage ist, derartige Entwicklungen rechtzeitig zu unterbinden (oder wir gäben Freiheit und Rechtstaat auf für Spionage, Denunziation & Gedankenkontrolle). Gleichwohl frustriert viele die empfundene Machtlosigkeit in demokratischen Systemen, etwas positiv (oder negativ) zu verändern. Wer nur einmal alle 4 Jahre wählen darf und dann still zu halten hat, während die Volksvertreter die eigene Nation mehr oder weniger sachgerecht gegen die Wand fahren, weil sie von Fremdinteressen (Banken, Versicherungen, Industrie, ...) gelenkt werden ... Sagen wir mal so, ohne die Taten in irgendeiner Form gutheißen zu wollen: die empfundene Frustration kann ich sehr gut verstehen.
4. Re
Chris110 26.07.2011
als Christ weiß ich, dass niemand böse geboren wird. Menschen werden böse gemacht. Und Freud würde sagen, dass man bei solchen Psycho-Taten immer im familiären Umfeld fündig wird. Und siehe da, man wird fündig. Der Vater hat sich im TV bereits als totaler Idiot geoutet. Der Junge tut mir irgendwie auch leid; keine Vaterfigur gehabt, und sich im Internet verloren.
5. mäßig begabte Oberschichtkinder ....
systemfeind 26.07.2011
Zitat von sysopNarzisst und Goldjunge: Der Attentäter von Oslo wuchs in einer bürgerlichen Gegend auf, besuchte gute Schulen, glitt leicht durchs Leben - und tötete 76 Menschen. Wie wurde Anders Breivik zum Mörder? Eine Spurensuche am Rand von Oslo. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776763,00.html
nun ham wir uns auf "rechtsextrem" geeinigt - na gut ...aber mäßig begabte Oberschichtkinder ohne Berufung gab`s immer ( RAF ) und wird es immer geben ( demnächst noch viel mehr da die Asiaten fleißiger sind , länger und härter arbeiten und in der EU eben nur noch Studischrott produziert wird ) . also : call center bis 78 dann in Rente oder eben berühmt werden ( bei Dida Boln oder eben weltweit bei cnn + reudas )
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Anschläge in Norwegen: Ein Rosenmarsch gegen den Terror

Waffen in Norwegen
Zahlen
Die Zahl der Schusswaffen, die sich in Privatbesitz befinden, wird auf rund 1,4 Millionen geschätzt, bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Menschen. Die hohe Zahl ist vor allem auf die Jagd zurückzuführen: Nach Angaben der Behörden besaß vor drei Jahren ungefähr jeder zehnte Norweger eine Jagdlizenz. Ähnlich beliebt ist das Sportschießen.
Waffengesetze
Die Waffengesetze Norwegens sind vergleichsweise strikt. Privater Waffenbesitz ist möglich, allerdings unter strengen Auflagen. Dass auch sie nicht vor grausamen Verbrechen schützen, beweist der Massenmord durch Anders Breivik: Er hatte seine Schusswaffen offenbar auf legalem Weg erworben.
Allgemeine Vorschriften
In Norwegen dürfen laut dem Waffengesetz "vernünftige und verantwortungsbewusste" Personen ab 18 Jahren Schrotflinten und Gewehre besitzen. Handfeuerwaffen sind ab 21 erlaubt. Wer einen Waffenschein haben möchte, muss seine Gründe darlegen. Meistens werden hier die Jagd oder Sportschießen genannt. Es darf keine Vorstrafe vorliegen. Dies traf auf Anders Breivik zu.
Waffenbesitz für die Jagd
Die meisten Waffenscheine werden in Norwegen für die Jagd vergeben. Für die Jagdlizenz müssen Anwärter einen 30-stündigen Kurs absolvieren. Zudem müssen sie einen Multiple-Choice-Test bestehen. Der Jagdschein muss jährlich erneuert werden, allerdings nur durch die Entrichtung einer Gebühr. Breivik erwarb die halbautomatische Schnellfeuerwaffe "Ruger Mini 14", die die Standardmunition westlicher Streitkräfte verschießt, offenbar auf diesem Weg. "Ich habe den einwöchigen Jagdkurs absolviert", schreibt er im September 2010 in sein Tagebuch. "Die Polizei hat keinen Grund, meinen Antrag abzuweisen."
Waffenbesitz für das Sportschießen
Wer als Sportschütze einen Waffenschein erwerben will, muss einen mindestens neunstündigen Sicherheitskurs absolvieren, der zu zwei Dritteln aus praktischen Übungen mit der Waffe besteht. Der Kurs endet mit einem schriftlichen Test, der allerdings kürzer ist als im Fall des Jagdscheins. Nach dem bestandenen Test müssen die Anwärter über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 15 Mal an einem Training im Schützenverein teilnehmen. Erst danach darf man einen Waffenschein beantragen. Auch seine Pistole, eine halbautomatische "Glock 17" scheint Breivik auf diesem vorgeschriebenen Weg erworben zu haben: "15-mal Training im November, Dezember und Januar wurden abgeschlossen und dokumentiert. Der Antrag für eine Glock 17 wurde Mitte Januar abgeschickt", schreibt Breivik in seinem Tagebuch.
Unterbringung von Waffen
Waffen und Munition müssen in einem verschlossenen Schrank gelagert werden. Der Polizei ist es erlaubt, die Unterbringung zu überprüfen.

Transport von Waffen
Das Mitführen von Waffen an öffentlichen Plätzen ist streng geregelt. Der Besitzer darf nur aus bestimmten Gründen Waffen transportieren, etwa wenn sie zur Reparatur müssen oder er auf dem Weg zur Jagd ist. Die Waffen dürfen nicht geladen und nicht nach außen hin sichtbar sein. Es ist verboten, sie am Körper zu tragen. Selbst Polizisten tragen in Norwegen im Normalfall keine Pistolen bei sich. Die Waffen müssen im Polizeiwagen in einer verschlossenen Box gelagert werden. Die Beamten dürfen sie erst herausholen, wenn sie die Erlaubnis eingeholt haben. Insofern war schon das Auftreten Breviks ungewöhnlich, als er auf der Insel ankam: Er soll zwei Waffen offen getragen haben.
"Abscheuliche Akte der Gewalt"

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Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 5,166 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschefin:
Erna Solberg

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