Prozess gegen Attentäter Breivik Richterin verhindert Fragen zu Polizeieinsatz

Konnte Anders Breivik auf der Insel Utøya 69 Menschen töten, weil die Polizei zu langsam reagierte? Das Gericht unterband im Prozess gegen den Attentäter Fragen dazu. Anwälte von Hinterbliebenen fühlen sich gemaßregelt - der Angeklagte sprach den Polizisten ein zynisches Lob aus.

Angeklagter Breivik: "Polizei hat sich optimal eingesetzt"
REUTERS

Angeklagter Breivik: "Polizei hat sich optimal eingesetzt"


Oslo - Auf solch ein Lob, und aus diesem Mund, hätte die norwegische Polizei gern verzichtet: Anders Behring Breivik hat vor Gericht die Reaktion der Polizisten bei seinem Massaker auf der Insel Utøya mit 69 Toten gewürdigt. "Generell muss man sagen, dass sie [die Polizei, Red.] sich optimal eingesetzt hat, wenn man bedenkt, dass es die Zeit der Sommerferien und außerdem später Freitagnachmittag war", sagte Breivik zum späten Eingreifen der herbeigerufenen Anti-Terror-Einheit.

Zuvor hatte die Gerichtsvorsitzende Wenche Elizabeth Arntzen kritische Fragen zu dem Einsatz gestoppt. Sie unterband wiederholt Nachfragen einer Anwältin von Hinterbliebenen und Überlebenden des Massakers an Polizisten. Diese sollten sich im Zeugenstand zu den starken Verzögerungen vor der Festnahme Breiviks am 22. Juli 2011 äußern.

Es dauerte gut 70 Minuten, bis Angehörige einer norwegischen Anti-Terror-Einheit Breivik festnahmen. Bis dahin hatte er 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers getötet. Breivik hatte vor seiner Festnahme selbst die Polizei angerufen und angeboten, aufzugeben. Als niemand kam, um ihn festzunehmen, setzte er sein Töten fort. Pannen verzögerten den Transport der Polizisten vom 40 Kilometer entfernten Oslo auf die Insel massiv. Die Gründe dafür soll eine von der Regierung eingesetzte Kommission untersuchen.

Die Anwältin Mette Yvonne Larsen kündigte nach der von der Richterin unterbrochenen Zeugenbefragung im Sender NRK an, dass sie sich mit der Begrenzung ihrer Fragen nicht abfinden werde.

Breivik will Anti-Terror-Regeln der Polizei studiert haben

Breivik hatte kurz vor dem Massaker auf Utøya mit einer im Osloer Regierungsviertel versteckten Autobombe acht Menschen getötet. Er ist geständig, aber nicht reuig. Zur Planung des Massakers sagte er laut NTB: "Ich habe die Anti-Terror-Regeln, Waffen und Reaktionszeiten studiert, um Konfrontationen zu vermeiden und den Auftrag ausführen zu können, ehe die Polizei erscheinen würde."

Am Freitag sagte auch ein junger Mann aus, der das Massaker überlebt hat. Der 22-Jährige sagte, Breivik habe ihn verschont, weil sich der Attentäter an sich selbst erinnert gefühlt habe. Die Aussage des Überlebenden markierte das Ende einer Prozessphase. Seit dem 11. Mai waren Überlebende zu Breiviks Vorgehen auf Utøya befragt worden. Als nächstes sollen nun Rettungshelfer und andere Einsatzkräfte aussagen.

Als entscheidende Frage beim Prozess gegen Breivik gilt die Gerichtsentscheidung über seine Zurechnungsfähigkeit. Ein erstes Gutachten war zum Ergebnis gekommen, Breivik sei unzurechnungsfähig. Eine zweite Expertise hatte dem Attentäter dagegen bescheinigt, zurechnungsfähig zu sein.

ulz/dpa/AP



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