Betrugsverdacht Razzia bei Chef von Kripogewerkschaft

Der Chef der Kripogewerkschaft BDK steht seit Monaten unter Betrugsverdacht. Am frühen Morgen durchsuchten Ermittler das Haus von André Schulz in Hamburg.

André Schulz, BDK-Chef
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André Schulz, BDK-Chef

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Im Betrugsverfahren gegen André Schulz, den Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), hat die Staatsanwaltschaft Hamburg am Montagmorgen eine Razzia veranlasst. Wie eine Sprecherin der Behörde dem SPIEGEL bestätigte, durchsuchten Ermittler ab sechs Uhr das Privathaus des Beschuldigten in Hamburg, ab acht Uhr die Geschäftsstelle des BDK in Berlin. Zuständig ist das Dezernat Interne Ermittlungen, eine Spezialdienststelle in Hamburg.

Hintergrund des Verfahrens ist das Beschäftigungsverhältnis des Kriminalhauptkommissars bei der Polizei Hamburg. Schulz hatte vereinbart, dass er von Januar 2014 an zu 50 Prozent dort arbeiten sollte. Damals war er gerade BDK-Chef geworden. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass Schulz der Verpflichtung zumindest zeitweise nicht nachkam.

Beweismittel sichern

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, man wolle mit den Durchsuchungen Beweismittel sichern. Sie sollten Aufschluss geben "über den Umfang der Tätigkeiten von Herrn Schulz". Was die Ermittler sichergestellt haben, wollte die Sprecherin nicht sagen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Das Amtsgericht Hamburg hatte die Durchsuchungsbeschlüsse erlassen.

Schulz bestreitet die Betrugsvorwürfe. Er habe seine dienstlichen Aufgaben im vereinbarten Rahmen für die Polizei Hamburg wahrgenommen, teilte er im November 2017 mit. Damals begann das Verfahren. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Dienstherrn oder die Öffentlichkeit oder irgendwen anders über die Verhältnisse meiner Beschäftigung getäuscht."

Die strafrechtlichen Vorwürfe seien "nicht nachvollziehbar", sagte der Anwalt von Schulz dem SPIEGEL. Der Jurist kritisierte die Razzia. Die Ermittler hätten neben einem Arbeitsplatzrechner den Terminkalender seines Mandanten sichergestellt. "Die Unterlagen hätten wir der Staatsanwaltschaft auch freiwillig übergeben."

In dem Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen zwei ehemalige Vorgesetzte, darunter ein ehemaliger Chef des Landeskriminalamts (LKA). Schulz war nach SPIEGEL-Informationen bei der Razzia in seinem Hamburger Privathaus anwesend. Er sei freundlich und kooperativ gewesen, hieß es aus Ermittlerkreisen.



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