Anfeindungen nach Pistorius-Urteil Von der Richterin zum Opfer

Verleumdungen, Hasstiraden, rassistische Anfeindungen: Die Richterin im Fall Oscar Pistorius steht seit der Urteilsverkündung unter Polizeischutz. Rechtsorganisationen schlagen Alarm.

Richterin Thokozile Masipa: Seit Urteilsspruch gegen Oscar Pistorius in der Kritik
DPA

Richterin Thokozile Masipa: Seit Urteilsspruch gegen Oscar Pistorius in der Kritik


Pretoria - Seit dem Urteil gegen den südafrikanischen Athleten Oscar Pistorius wird die Richterin Thokozile Masipa heftig angefeindet. Sie steht nach Berichten der lokalen Presse zufolge sogar unter Polizeischutz. Deshalb schlagen nun Rechtsexperten in Südafrika Alarm: Solche Aggressionen gefährdeten den Glauben an Recht und Gesetz, schreiben drei Vereinigungen, die sich für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einsetzen, in einer gemeinsamen Mitteilung. Masipa sei unter anderem Verleumdungen und Hasstiraden ausgesetzt - zudem werde sie als Frau und Schwarze rassistisch angefeindet.

Die Organisationen stellten klar, dass Bürger mit dem Urteil gegen Pistorius durchaus unzufrieden sein dürften. Angriffe auf die Integrität von Richtern, Bestechungsvorwürfe und persönliche Diskriminierung gingen aber eindeutig zu weit.

Masipa hatte am Freitag das Urteil gegen den beinamputierten Sportler gesprochen. Der Sprintstar hatte seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht auf den Valentinstag 2013 durch eine geschlossene Toilettentür erschossen. Die Staatsanwaltschaft ging von Mord aus. Pistorius selbst beteuerte im Prozess indes, es habe sich um ein schreckliches Versehen gehandelt, er habe seine Freundin für einen Einbrecher gehalten. Richterin Masipa glaubte ihm und verurteilte den 27-Jährigen nur wegen fahrlässiger Tötung.

Wie hoch die Strafe für Pistorius ausfällt, steht noch nicht fest. Sie soll am 13. Oktober verkündet werden, bis dahin bleibt der Verurteilte frei. Die Staatsanwaltschaft will die Bekanntgabe abwarten, bevor sie über eine Anfechtung des Urteils entscheidet. Eine Mindeststrafe gibt es in diesem Fall nicht. "Oscar könnte als freier Mann den Gerichtssaal verlassen", erklärte ein Anwalt der Verteidigung.

Das milde Urteil hatte in Südafrika eine Flut von ungläubigen und wütenden Reaktionen ausgelöst. Fast alle großen Zeitungen des Landes machten auf ihren Titelseiten deutlich, dass sie auf eine härtere Entscheidung von Richterin Thokozile Masipa gehofft hatten. Die meisten veröffentlichten dazu wenig vorteilhafte Fotos des Verurteilten.

jbe/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Europa! 16.09.2014
1. Die Kritik ist berechtigt
Das Urteil beruht offensichtlich auf dem Prominenentenstatus des Angeklagten. Seine Einlassungen sind vollkommen unglaubwürdig. Dass er den Tod seiner Freundin heute bereut, ändert nichts daran, dass er sie in einem Wutanfall abgeknallt hat.
bernhardo29 16.09.2014
2. Das Urteil ist eine Farce
Dieses Urteil hat doch wahrlich nichts mit Recht und Gesetz zu tun. Die einzige Frage die sich hier stellt ist wie hoch waren die Bestechungsgelder die hier geflossen sind. Das eine Richterin mit 66 Jahren noch korumpierbar ist, dies alleine wundert einen.
kilroy-was-here 16.09.2014
3. Ein ungerechtes Urteil
führt nun einmal (zum Bedauern der Richterin) zu diesen Folgen. Wenn Pistorius unschuldig ist, bin ich eine Straßenbahn...
Narvan 16.09.2014
4. wieso prominentenstatus?
es konnte nicht nachgewiesen werden ob er mit absicht auf seine Freundin schoss oder nicht! und es gibt ein altes gesetz das besagt im zweifel für den Angeklagten und außerdem kann er ja immer noch für 15 jahre in den knast..und in Südafrika bestimmt nicht gerade das hilton...
Du wirst mir danken 16.09.2014
5. Seid ihr besser?
---Zitat--- Die meisten [Zeitungen] veröffentlichten dazu wenig vorteilhafte Fotos des Verurteilten. ---Zitatende--- Etwa so wie der Spiegel es mit Bernd Lucke macht (http://cdn4.spiegel.de/images/image-483937-galleryV9-ljum.jpg)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.