Angeblicher KZ-Auftritt Heesters zieht gegen Verlag vor Gericht

Klage eines 104-Jährigen: Johannes Heesters geht gerichtlich gegen Veröffentlichungen vor, wonach er 1941 bei seinem Besuch im KZ Dachau auch als Sänger aufgetreten sein soll. Diesen Schritt hat sein Anwalt nun bestätigt.


Berlin - Heesters klagt auf Unterlassung und Widerruf von Veröffentlichungen, die ihm einen Auftritt vor der KZ-Wachmannschaft in Dachau vorhalten, wie der Berliner Musikverlag duo-phon in einer Pressemitteilung berichtet.

Sänger Heesters: Proteste in seiner Geburtsstadt
DDP

Sänger Heesters: Proteste in seiner Geburtsstadt

"Heesters war im Mai 1941 einer Einladung des KZ-Kommandanten Piorkowski gefolgt, gemeinsam mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters das Konzentrationslager Dachau zu besuchen, hatte aber Zeit seines Lebens abgestritten, bei dieser Gelegenheit vor der SS gesungen zu haben", heißt es darin.

"Neuere Forschungen haben dagegen ergeben, dass es sehr wohl einen solchen Heesters-Auftritt gegeben hat", erklärt duo-phon. So habe der Berliner Kabaretthistoriker Volker Kühn in mehreren Veröffentlichungen auf Zeugenaussagen verwiesen, die einen Heesters-Auftritt vor der SS bekräftigten. Auch der ehemalige Dachau-Häftling und spätere Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka habe in einem TV-Interview erklärt, er habe damals im KZ für Heesters den Vorhang gezogen.

Kühn sagte der "Thüringer Allgemeinen": "Es gab nie Einladungen an ausländische Künstler, wenn dies nicht mit einem Auftritt verbunden war."

Heesters Rechtsanwalt Gunter Fette betonte, Heesters habe von Anfang an vehement bestritten, dass er im KZ aufgetreten sei. Dennoch hatte es Proteste gegeben, als Heesters im Februar dieses Jahres in seiner niederländischen Geburtsstadt Amersfoort zum ersten Mal nach 44 Jahren wieder auf der Bühne stand.

Demonstranten warfen ihm vor, für die Nazis gesungen zu haben. Der Besuch im KZ Dachau wurde erst bekannt, als 1978 Fotos von ihm veröffentlicht wurden, die ihn mit Soldaten zeigten. Über die Klage wird das Berliner Landgericht am 25. November verhandeln.

jdl/AP



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