Angriff auf Mohammed-Karikaturist "Er schlug mir ins Gesicht"

Sie reckten die Faust in die Luft und schrien "Allah ist groß": Dem Angriff auf Mohammed-Karikaturist Lars Vilks folgten Tumulte im Vorlesungssaal der Universität von Uppsala. Die Sicherheitskräfte mussten Pfefferspray einsetzen.


Stockholm - Der Angriff kam unerwartet: Auf der großen Leinwand im Hintergrund lief noch die Präsentation, als plötzlich ein Mann aus der ersten Reihe aufsprang und sich auf den Mohammed-Karikaturisten stürzte. "Er schlug mir ins Gesicht, und ich verlor meine Brille", sagte Lars Vilks der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Auch einen Kopfstoß habe er erlitten.

Im Saal brachen nach der Attacke Tumulte aus. Weitere Männer versuchten, zu dem schwedischen Künstler vorzudringen. Die Polizei eskortierte Vilks schnell aus dem Saal. Menschen schrien "Allah ist groß" und reckten die Faust in die Luft. Die Polizisten hatten Mühe, das Publikum zu beruhigen, in einzelnen Fällen mussten sie Pfefferspray einsetzen. Die Sicherheitskräfte räumten schließlich den Saal und nahmen zwei Männer fest.

Vilks hatte 2007 in der schwedischen Zeitung "Nerikes Allehanda" eine Zeichnung veröffentlicht, die Mohammed als riesiges Hundedenkmal in der Mitte eines Kreisverkehrs zeigte. Seitdem erhielt der Künstler mehrfach Morddrohungen. Die islamische Terrororganisation Al-Qaida setzte ein Kopfgeld aus - sowohl auf Vilks als auch auf Ulf Johansson, den Chefredakteur der Zeitung.

In den USA sitzt seit September 2009 eine als "Dschihad Jane" bekannt gewordene Islamistin in Haft, weil sie die Ermordung Vilks geplant haben soll. Körperlich angegriffen wurde der Schwede bislang allerdings nicht. Ganz im Gegensatz zu seinem dänischen Kollegen Kurt Westergaard, der 2005 mit seinen Mohammed-Karikaturen für die Zeitung "Jyllands Posten" große Proteste in der arabischen Welt ausgelöst hatte.

Vilks war sich seiner Gefährdung bewusst

Am Neujahrstag überfiel ein 28-jähriger Somalier mit Verbindungen zu Al-Qaida den Karikaturisten in dessen Haus mit einer Axt. Westergaard konnte sich gerade noch in einen Sicherheitsraum retten.

Auch Vilks war sich seiner Gefährdung durchaus bewusst. Erst im März wurden in Irland sieben Verdächtige festgenommen, die einen Mordkomplott gegen den Künstler ausgeheckt hatten. Die Vermutung, dass es sich um die Mitverschwörer von "Dschihad Jane" handelte, ist naheliegend.

Die Attacke während der Vorlesung an der Universität von Uppsala konnten allerdings auch zahlreiche Sicherheitskräfte nicht verhindern. Schon vor Beginn des Vortrags soll Vilks von einigen der rund 250 Zuhörer bepöbelt worden sein. Das Thema der Vorlesung lautete: die Grenzen der Redefreiheit.

hut/dpa/AFP/AP

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