Angst vor Vergewaltigung: Touristinnen meiden Indien

Die brutalen Vergewaltigungsfälle in Indien wirken sich auf den Tourismus aus: Laut einer Umfrage unter Veranstaltern sei der Fremdenverkehr seit Anfang des Jahres um 25 Prozent zurückgegangen. Vor allem westliche Frauen machten einen großen Bogen um indische Reiseziele.

Westliche Touristinnen in Indien: Ausweichen nach Thailand, Malaysia oder Vietnam Zur Großansicht
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Westliche Touristinnen in Indien: Ausweichen nach Thailand, Malaysia oder Vietnam

Neu-Delhi - In den ersten drei Monaten des Jahres seien rund 35 Prozent weniger Frauen nach Indien gekommen, erklärte der Verband der indischen Industrie- und Handelskammern (Assocham) am Montag. Insgesamt seien im ersten Quartal 25 Prozent weniger Touristen gekommen. Grund dafür dürfte eine Reihe brutaler Vergewaltigungen sein, die weltweit für Aufsehen sorgten. Sie hätten "Sorgen um die Sicherheit weiblicher Reisender aufkommen lassen", sagte Assocham-Chef D.S. Rawat.

Der Verband beruft sich auf eine Umfrage unter 1200 Reiseanbietern in mehreren Städten. 72 Prozent von ihnen mussten den Angaben zufolge im ersten Quartal Stornierungen hinnehmen, vor allem von Frauen aus Kanada, den USA und Australien. Die Touristen wichen oft auf andere asiatische Länder wie Malaysia, Thailand oder Vietnam aus.

Diese Zahlen widersprechen allerdings den monatlichen Schätzungen des Tourismusministeriums, das zu Jahresbeginn steigende Besucherzahlen um bis zu sechs Prozent vermeldet hatte. Insgesamt hätten 6,5 Millionen Menschen Indien als Reiseziel gewählt. Die Zahlen für März liegen allerdings noch nicht vor.

Im Dezember hatte die brutale Gruppenvergewaltigung einer jungen indischen Studentin in einem Bus in Neu-Delhi international für Entsetzen und Empörung gesorgt. Sie wurde vor den Augen ihres Freundes mit einer Eisenstange gequält und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen. Wenige Tage später starb sie an ihren schweren Verletzungen. Die Tat löste in Indien eine heftige Debatte über Misshandlungen von Frauen aus.

Im Bundesstaat Madhya Pradesh wurde im Januar eine südkoreanische Touristin mutmaßlich unter Drogen gesetzt und dann vergewaltigt. Vor kurzem war eine britische Reisende aus Angst vor Vergewaltigern aus ihrem Hotelfenster gesprungen.

Am vergangenen Wochenende begann der Prozess gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger einer Schweizer Touristin. Die Frau war vor rund zwei Wochen zusammen mit ihrem Mann überfallen worden, als das Ehepaar mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Agra im zentralen Bundesstaat Madhya Pradesh war, wo sich das Taj Mahal befindet. Schon kurz nach der Tat, die der Ehemann der Frau gefesselt mitansehen musste, wurden sechs Männer festgenommen.

Vier der Verdächtigen sollen die Touristin vergewaltigt haben, alle sechs müssen sich wegen Raubes verantworten. Die Männer hatten der 39-jährigen Schweizerin und ihrem Mann nach Angaben der Polizei einen Laptop, ein Handy und Geld entwendet. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten laut einem neu erlassenen Gesetz zwischen 20 Jahren und lebenslanger Haft. Bei Wiederholungstätern oder besonderer Schwere der Verletzungen des Opfers kann das Gericht auch die Todesstrafe verhängen.

Wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete, begann das Verfahren am Samstag mit Aussagen zweier Zeugen der Anklage sowie der Identifizierung der gestohlenen Gegenstände. Das Ehepaar selbst war nicht vor Gericht anwesend. Die Schweizer hatten erklärt, dass sie eine angemessene Strafe wollen, die Todesstrafe jedoch ablehnten. Die Angeklagten haben sich in einem Vorverfahren zunächst für nicht schuldig erklärt.

bor/dpa/AFP

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