Neonazi-Terror: Bundesanwalt erhebt Anklage gegen Beate Zschäpe

Zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle werden dem Neonazi-Trio NSU zur Last gelegt. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Beate Zschäpe - unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.

NSU: Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe Fotos
Antifa

Berlin/Karlsruhe - Seit rund einem Jahr sitzt Beate Zschäpe in Köln in Untersuchungshaft, nun hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen die 37-Jährige erhoben. Das teilte das Oberlandesgericht (OLG) München mit. Die Anklageschrift werde den Verteidigern in den nächsten Tagen zugestellt, heißt es.

Die Berliner Rechtsanwältin Anja Sturm aus dem dreiköpfigen Verteidiger-Team Zschäpes bezeichnete es gegenüber SPIEGEL ONLINE als "skandalös, dass die Öffentlichkeit früher von den Inhalten der Anklageschrift erfährt als die Betroffenen selbst".

Zschäpe gilt als einziges noch lebendes Mitglied des Neonazi-Trios "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Ihr wird unter anderem Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Neben Zschäpe seien weitere Beschuldigte angeklagt worden. Um welche der mutmaßlichen NSU-Unterstützer es sich handelt, teilte das Gericht nicht mit. Die Bundesanwaltschaft kündigte für 14.30 Uhr eine Pressekonferenz an.

Der NSU wird für die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin verantwortlich gemacht. Die zehn Opfer wurden vermutlich alle von Böhnhardt und Mundlos erschossen. Der Prozess gegen Zschäpe soll in München vor dem Staatsschutzsenat verhandelt werden. Fünf der NSU-Opfer waren in Bayern getötet worden.

Friedrich: "Aufklärung geht voran"

Die Existenz des NSU war im November 2011 aufgeflogen, nachdem Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sich im thüringischen Eisenach das Leben genommen hatten. Zschäpe soll kurz darauf die letzte Wohnung des Trios in Zwickau angezündet und DVDs verschickt haben, in denen sich der NSU zu zehn Morden und zwei Bombenanschlägen bekennt. Wenige Tage später stellte sie sich der Polizei und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bislang verweigert sie die Aussage.

"Die Anklage ist erhoben und ich glaube man kann daran sehen: die Aufklärung geht voran", sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). In der Spitze bis zu 400 Polizeibeamte hätten in den vergangenen Monaten zusammen mit der Bundesanwaltschaft mehr als 6800 Asservate ausgewertet, sodass Ermittlungsakten im Umfang von rund 28.000 Seiten zusammengekommen seien.

Im Zusammenhang mit der Verbrechensserie sitzt neben Zschäpe derzeit noch der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben in U-Haft. Weitere vier Verdächtige, die als mutmaßliche NSU-Unterstützer festgenommen worden waren, wurden zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt. Insgesamt ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen zwölf Beschuldigte aus dem Umfeld der Gruppe.

hut/wit/AFP/dpa

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1.
niska 08.11.2012
Zitat von sysopdapd/ BKAZehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle werden dem Neonazi-Trio NSU zur Last gelegt. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Beate Zschäpe - unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/anklage-gegen-beate-zschaepe-erhoben-a-866086.html
Bitte macht das Titelfoto weg! Es ist furchtbar und man sollte dem Ego dieser Leute nicht auch noch durch persönliche Darstellung über Gebühr schmeicheln. 'Anklage gegen mutmaßliche NSU-Terroristin erhoben' hätts auch getan.
2. na dann
panzerknacker51 08.11.2012
Zitat von sysopdapd/ BKAZehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle werden dem Neonazi-Trio NSU zur Last gelegt. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Beate Zschäpe - unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/anklage-gegen-beate-zschaepe-erhoben-a-866086.html
... hat ja wohl auch lange genug gedauert.
3. na endlich...
jaein 08.11.2012
Zitat von sysopdapd/ BKAZehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle werden dem Neonazi-Trio NSU zur Last gelegt. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Beate Zschäpe - unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/anklage-gegen-beate-zschaepe-erhoben-a-866086.html
das hat ja gedauert. ich dachte, die ganze sache ist glasklar, dem medialen urteil zufolge.
4. Bislang verweigert sie die Aussage.
hxk 08.11.2012
Was erhebliche Auswirkungen auf den Prozess haben könnte, wie man anderswo lesen konnte. Am Ende könnte nicht mehr als eine Verurteilung wg. Brandstiftung drin sein.
5. Sie schweigt bisher...
euroberliner 08.11.2012
...B.Zschäpe. Warum wohl? Es sind zu viele Ungereimheiten, bisher bekannt geworden. Wird Sie sogar gedeckt? Wer wird das je herausbekommen. Abwarten, wie der Prozess vonstatten geht.
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Fotostrecke
Aufklärung der NSU-Morde: Panne an Panne
Neonazi-Mordserie
9. September 2000 - Enver S.
Das erste Opfer war der Blumenhändler Enver S., 38, aus dem hessischen Schlüchtern. Er stand mit seinem Verkaufswagen am Vormittag des 9. September 2000 an einer Ausfallstraße in Nürnberg-Langwasser. S. vertrat einen Kollegen, der an diesem Tag Urlaub genommen hatte. Am Nachmittag fand man S. im Transporter, von Kugeln durchsiebt.
13. Juni 2001 - Abdurrahim Ö.
Neun Monate später starb Abdurrahim Ö. Der geschiedene 49-Jährige, der in Nürnberg-Steinbühl wohnte, war Schneider, seit vielen Jahren in Deutschland. Tagsüber stand er bei Siemens am Band, abends besserte er für ein paar Euro Kleider aus. Am Nachmittag des 13. Juni 2001 hörten Nachbarn einen Streit, angeblich waren zwei osteuropäisch wirkende Männer bei Ö. Wenig später lag dieser tot auf dem fleckigen PVC-Boden hinter dem Schaufenster, mit zwei Kugeln im Kopf.
27. Juni 2001 - Süleyman T.
Süleyman T., 31, wurde nur wenige Tage später, am 27. Juni 2001, von seinem Vater gefunden. Der Obst- und Gemüsehändler arbeitete im eigenen Laden in Hamburg-Bahrenfeld. Kurz hintereinander hatte man ihm mit zwei Waffen - eine war die Ceska - dreimal in den Kopf geschossen.
29. August 2001 - Habil K.
Am 29. August 2001 starb Habil K. durch zwei Kopfschüsse in seinem Gemüsegeschäft in München-Ramersdorf. Passanten glauben, sie hätten einen ausländisch aussehenden Mann mit Schnurrbart weglaufen und in ein dunkles Auto steigen sehen. Er wurde nie gefunden.
25. Februar 2004 - Yunus T.
Am Morgen des 25. Februar 2004 bekam der 25-jährige Yunus T. in einem Rostocker Dönerstand Besuch. Wieder war es ein Kopfschuss, wieder aus der Ceska. Bis heute ist unklar, ob T. verwechselt wurde. Er lebte erst seit ein paar Tagen in Rostock und war an diesem Morgen zufällig als Erster an der Bude.
9. Juni 2005 - Ismail Y.
Am 9. Juni 2005 wurde Ismail Y., 50, mit gezielten Schüssen in seinem Dönerstand an der Scharrerstraße in Nürnberg getötet. Bauarbeiter sahen zwei Männer: Sie stellten ihre Fahrräder direkt vor Y.s Stand ab, gingen hinein, kamen rasch zurück und steckten eilig einen Gegenstand in den Rucksack. Das Duo wurde nie gefunden.
15. Juni 2005 - Theodorus B.
Am 15. Juni 2005 erschoss ein Unbekannter im Münchner Westend den Griechen Theodorus B., 41, der gerade einen Schlüsseldienst eröffnet hatte.
4. April 2006 - Mehmet K.
Mehmet K., 39, hörte am 4. April 2006 wohl noch die Türglocke seines Kiosks an der belebten Dortmunder Mallinckrodtstraße bimmeln, dann fielen die Schüsse.
6. April 2006 - Halit Y.
Bei der vorerst letzten Bluttat in Kassel am 6. April 2006 ging der Killer ein hohes Risiko ein: Er betrat das Internetcafé an der Holländischen Straße, obwohl sich dort mindestens drei Gäste aufhielten. Kurz nach 17 Uhr starb der 21-jährige Halit Y. durch zwei Schüsse aus der Ceska, beide in den Kopf.

Fotostrecke
Fahndungsbilder zum NSU: Das Terror-Trio privat