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Anklage: US-Bischof muss nach Missbrauchsvorfall vor Gericht

Erstmals ist in den USA ein katholischer Bischof im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch angeklagt worden: Das Diözesen-Oberhaupt von Kansas City soll monatelang einen Priester geschützt haben, der Hunderte Kinderporno-Bilder auf seinem Laptop gespeichert hatte.

Washington - In Europa schlägt das Thema Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche erst seit anderthalb Jahren hohe Wellen - in den USA währt der Skandal bereits Jahrzehnte. Jetzt ist dort zum ersten Mal in diesem Zusammenhang Anklage gegen einen Bischof erlassen worden.

Robert Finn steht der Diözese Kansas City-Saint Joseph vor. Er soll laut Anklagebehörde einen Priester gedeckt haben, der kinderpornografisches Material gehortet hatte. Vor Gericht plädierte der Bischof am Freitag auf nicht schuldig, er habe sich nicht strafbar gemacht. Vielmehr habe seine Diözese vollständig mit den Behörden kooperiert. Laut "New York Times" räumte Finn aber ein, bereits im Dezember 2010 von "verstörenden" Fotos gewusst zu haben, die der Priester Rev. Shawn Ratigan von jungen Mädchen gemacht haben soll. Erst im Mai habe sich der Bischof dann schließlich an die Polizei gewandt.

Dem Zeitungsbericht zufolge war der Priester daraufhin festgenommen und wegen anzüglicher Fotos angeklagt worden, die er von den Mädchen während einer Osterveranstaltung gemacht haben soll. Laut Gerichtsdokumenten besuchte er zwischen Dezember 2010 und Mai 2011 zahlreiche Kindergeburtstage, verbrachte Wochenenden mit Familien aus der Gemeinde und leitete mit Billigung des Bischofs die Kommunionfeier eines Mädchens.

"Allen Grund zur Annahme, dass ein Kind missbraucht wurde"

Auf seinem Laptop befanden sich der "New York Times" zufolge Hunderte Bilder entblößter Kinder, darunter offenbar heimlich aufgenommenes pornografisches Material. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte Bischof Finn "allen Grund zu der Annahme", dass für die Aufnahmen ein Kind missbraucht worden sein musste.

Die Anklage gegen Finn wurde bereits am 6. Oktober erlassen, sei jedoch unter Verschluss gehalten worden, da er sich bis Donnerstag außer Landes befunden habe.

Die Wut der Bürger gegenüber dem ohnehin umstrittenen Bischof ist groß: Viele fordern seinen Rücktritt, eine Facebook-Gruppe unter dem Namen "Bischof Finn muss gehen" wurde gestartet, ebenso eine Petition für seinen Abgang. Finn, der 2005 ernannt wurde, gehört der konservativen Bewegung Opus Dei an. Noch vor drei Jahren hatte er einer lange Liste von Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch zugestimmt - darunter auch die Vorgabe, jeden Verdacht sofort an die Behörden weiterzugeben.

In den USA waren vor rund 25 Jahren die ersten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester der katholischen Kirche bekanntgeworden. Vor knapp zehn Jahren war sie mit ihrem bisher wohl größten Missbrauchsskandal konfrontiert. Im Zentrum stand die Erzdiözese Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, die sich im Jahr 2003 verpflichtete, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Hunderte von Menschen zu zahlen. Auch in Kalifornien verpflichtete sich die katholische Kirche zu Entschädigungen. Landesweit sollen die Zahlungen Milliardenhöhen erreicht haben.

lgr/AP/dpa/dapd

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Ein christliches Wunder!
rhodensteiner 15.10.2011
Ein katholischer kinderschänder vor Gericht! Also gehört das Kinderschänden doch nicht zum normalen Berufsbild des katholischen Priesters. Naja - zumindest nicht in den USA. Da kann man nur hoffen das auch europäische Gerichte sich mal auf die Seiten der Opfer stellen. In Deutschland könnte man z.B. die Verjährung für solche Taten aufheben, wenn das von Politik und Justiz nicht zu viel verlangt ist. Es ist Zeit das die schreckliche Herrschaft der Katholiken endlich zu Ende geht!
2. 2011!
caspiat 15.10.2011
OK, Wir hören ständig seit Jahren von diesem Mist. Erst jetzt soll einer der Schützer verklagt werden? Das hört sich unglaublich an. Mir ist es egal, ob die Herren und Damen Soutane tragen, oder Sportslehrer oder sonstwas sind, aber verklagen sollte man jeden, der einen Kindesschänder in Schutz nimmt, vor dem gesetz schützt, und potentielle weitere Opfer für den Täter zugänglich macht. Wenn ich beim Fahrne einen Verletzten am Strassenrand liegenlasse und weiterfahre, komme ich wegen unterlassener Hilfeleistung dran. Ist das nicht viel schlimmer? Schluss mit dem unangebrachten Respekt! Macht Eure Eminenz Nebel, damit die Kirche nicht zu Schaden kommt? Dann seid Ihr Komplize, und kommt in den Knast wie jeder andere, der das tut. Die Kirche ist uns egal. Die Kinder nicht. Kardinal Roberto Rivera in Mexiko City hat ebenfalls einen Kinderschänder geschützt. Der pesnionierte Kardinal Sandoval Iñiguez in Guadalajara stand (oder steht noch) einem Zentrum für "verstörte" Priester in Tlaquepaque (bei GUadalajara vor). Das ist genau das, wofür der Papst in Europa rumtourt, um sich zu entschuldigen, während dieselbe Politik hier in Südamerika unverändert weiterbetrieben wird ... weil hier noch niemand aufmuckt. demacrazia.blogspot.com
3. Wow
Zephira 15.10.2011
In Deutschland ist ein Menschenleben sehr viel weniger wert. Da fließen nur etwa 5000 Euro an ein Opfer. Zum Vergleich: So viel kostet manche Edelprostituierte bereits pro Stunde! Ganz zu schweigen davon, dass an Kinderprostituierte gar nicht legal ranzukommen ist. Insgesamt also ein überaus lohnendes Geschäft für die Gottesmenschen...
4. .....
frank4979 15.10.2011
Faelle von sexuellem Missbrauch durch Priester wird es auch in Zukunft immer geben, denn welcher biologisch normale Mann, kann sein leben lang ohne Sex auskommen? Der sexuelle Missbrauch wird erst enden, wenn die kath. Kirche sich aendert - also nie.
5. Anstatt nach Deutschland zu reisen ...
herbert 15.10.2011
sollte der Papst in die USA reisen und ein Zeichen setzen. Nr 1 : Die Priester und Geistlichen dürfen heiraten und Kinder bekommen ! Schon geht der Missbrauch um 90 Prozent zurück !! So einfach ist das ! Ein Urtrieb ist Essen und Trinken und die Sexualität !! Das kann man nicht weg beten oder wegdrücken !!
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