480 Euro Geldstrafe Erpresser von Sängerin Annett Louisan verurteilt

Vor langer Zeit waren sie ein Paar - nun stand Annett Louisan ihrem Ex-Freund im Gerichtssaal gegenüber. Der 42-Jährige wollte via Facebook Geld von der Sängerin erpressen.

Sängerin Annett Louisan (Archiv): "Ich habe mich bedroht gefühlt und hatte Angst"
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Sängerin Annett Louisan (Archiv): "Ich habe mich bedroht gefühlt und hatte Angst"


Weil er versucht hat, Annett Louisan zu erpressen, ist ein 42-Jähriger vom Hamburger Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Hartz-IV-Empfänger muss 60 Tagessätze à 8 Euro leisten. Der Mann gab zu, die Sängerin im vergangenen April über Facebook kontaktiert, sie bedroht und Geld von ihr gefordert zu haben.

"Als ich ihr geschrieben habe, war ich emotionalisiert und auch unzufrieden mit meiner privaten und finanziellen Situation", sagte der Angeklagte, der vor gut einem Jahrzehnt mit der Künstlerin liiert war.

Er behauptete, maßgeblich am musikalischen Erfolg von Louisan beteiligt gewesen zu sein. "Sie hat mich Anfang 2003 darum gebeten, ihr zu helfen - sie war verzweifelt, ihr Manager wollte abspringen", sagte der Mann. Erfolglos habe sie Lieder auf Englisch gesungen, durch ihn sei sie auf deutsche Balladen umgeschwenkt. "Ich war ihr Co-Manager und habe sie beraten - wir hatten einen mündlichen Vertrag über die Bezahlung."

"Ich schulde ihm nichts"

Deshalb verlangte der Mann von der Musikerin in seinen Mails, sie solle ihre gesamten Einkünfte von 2004 an auflisten und ihm 20 Prozent der Gesamtsumme überweisen. Der Hintergrund: Mit ihrem ersten Album "Bohème" gelang Louisan 2004 der Durchbruch.

Außerdem drohte er, die "Schuld" der Musikerin auf eine "persönliche immaterielle Weise" zu regeln, sollte sie der Forderung nicht nachkommen. Die Drohung sei ein Bluff gewesen, sagte er nun.

"Ich habe mich bedroht gefühlt und hatte Angst - der Ton der Nachricht war voller Hass", sagte Louisan, die als einzige Zeugin geladen war. Die Behauptungen in der Facebook-Nachricht seien absurd. Er habe sie nicht beraten, und es habe auch keinen mündlichen Vertrag gegeben. "Ich schulde ihm nichts", sagte sie.

"Ich glaube der Zeugin, aber Ihnen glaube ich auch das eine oder andere", sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Doch nach Auffassung des Gerichts schätzte der Angeklagte Tipps und Ratschläge, die er gegeben habe, zu hoch ein.

Die Staatsanwältin hatte sich für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à acht 8 Euro ausgesprochen. Die Verteidigung forderte eine geringere Geldstrafe wegen versuchter Nötigung.

wit/dpa

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