Vergewaltigungsfall in den USA: Die Schande von Steubenville

Football-Spieler aus einem Städtchen im US-Bundesstaat Ohio sollen ein Mädchen vergewaltigt haben. Wird das volle Ausmaß des Verbrechens vertuscht? Andere Jugendliche sollen die Tat beobachtet und lobend kommentiert haben. Sie werden jetzt an den Pranger gestellt - im Internet.

Proteste vor dem Gerichtsgebäude in Steubenville: "Ihr könnt euch nicht verstecken" Zur Großansicht
REUTERS

Proteste vor dem Gerichtsgebäude in Steubenville: "Ihr könnt euch nicht verstecken"

Steubenvilles ganzer Stolz gehört seinem Football-Team. In dem 18.000-Einwohner-Städtchen in Ohio trägt die High-School-Mannschaft der Big Red ihre Heimspiele aus, die Spieler haben in den vergangenen Jahren einige Titel abgeräumt und ihrer kleinen Heimatgemeinde Ruhm beschert. Nun hat das Team sogar über die Grenzen Amerikas hinaus Aufsehen erregt, allerdings im Zusammenhang mit einem Verbrechen.

Zwei 16 Jahre alten Jungen, beide sind Mannschaftsmitglieder der Big Red, wird vorgeworfen, ein gleichaltriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Auf einer Party im August vergangenen Jahres sollen sie über die Jugendliche hergefallen sein, das Opfer war zur Tatzeit angeblich bewusstlos. Die Jungen bestreiten die Tat.

Laut einem Bericht der "New York Times" sollen mehrere Personen tatenlos dabei zugeschaut haben, wie die Angeklagten das Mädchen misshandelten und auf sie urinierten. Die Tat soll demnach sogar fotografiert worden sein. Auf Twitter habe ein angeblicher Zeuge die Geschehnisse mit den Worten kommentiert: "Manche Leute verdienen es, angepinkelt zu werden".

Auch ein Video aus der Tatnacht ist mittlerweile publik geworden. In dem zwölfminütigen Clip machen sich mehrere Jugendliche über die angeblichen Vergehen an der 16-Jährigen lustig. Das Video wurde von der Hacker-Gruppe Anonymous ins Netz gestellt. Die Aktivisten wollen damit beweisen, dass sich in der Augustnacht mehr als nur zwei Menschen eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Ihr Vorwurf: Das Football-Team hat in Steubenville das Sagen und vertuscht das wahre Ausmaß der Vergewaltigung.

"Jetzt schaut die ganze Welt auf euch"

Auf der Webseite stopbigred.com sammelt Anonymous Beweise für diese Behauptung. Dort wurden auch schon die Namen jener Football-Spieler veröffentlicht, die bei der Tat zugeschaut haben sollen. "Ihr könnt euch nicht länger verstecken", warnt Anonymous. "Wir werden nicht untätig dabei zusehen, wie eine Gruppe junger Männer Vergewaltigung zu einem Spiel oder Sport macht und ungeschoren damit durchkommt." Dass das Football-Team die Macht über das kleine Städtchen Steubenville besitze, nutze den Tätern fortan nicht mehr. "Jetzt schaut die ganze Welt direkt auf euch."

Die Stadtverwaltung von Steubenville sieht sich durch die große Aufmerksamkeit zu einem außergewöhnlichen Schritt gezwungen: In der Bemühung um Transparenz hat sie ihrerseits ebenfalls eine Webseite zu dem Fall angelegt. Auf steubenvillefacts.com veröffentlicht die Behörde nicht nur sämtliche vorliegende Fakten, sondern gibt auch Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des in dem Fall ermittelnden Polizeichefs. Der stamme weder aus Steubenville, noch besuche sein Kind eine Schule in dem Bezirk, heißt es auf der Seite.

Der Polizeichef hat in einer persönlichen Mitteilung bereits auf die Veröffentlichungen von Anonymous reagiert. Das Video sei ihm seit längerem bekannt, teilte er mit, der Urheber des Clips sei in diesem Zusammenhang bereits mehrfach verhört worden. Die Protokolle habe man der Staatsanwaltschaft übergeben, die mit dem Fall betraut ist. "Ich weiß, dass es für einige frustrierend sein mag", sagte der Polizeichef, "aber aus Rücksicht vor allen Beteiligten kann ich mich nicht zu dem Verfahren äußern."

Der Prozess gegen die beiden 16-Jährigen soll im Februar vor einem Jugendgericht stattfinden. Vor dem Justizgebäude haben im Vorfeld mehrere Protestaktionen stattgefunden. Einige der Demonstranten schilderten, wie sie selbst Opfer von Vergewaltigungen wurden. Dabei prangerten sie an, dass ihre Fälle von den Behörden in Steubenville verharmlost worden seien.

cst

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