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Amoklauf von Ansbach: Prozess gegen psychisch kranken Todesschützen gestartet

Ein Amokläufer erschoss zwei Menschen - und versetzte eine ganze Region für eineinhalb Stunden in Schrecken. Nun hat der Prozess gegen den Schützen begonnen.

Tatort nahe Ansbach: Pfleger mit Psychose und Waffenschein Zur Großansicht
DPA

Tatort nahe Ansbach: Pfleger mit Psychose und Waffenschein

Wegen zweifachen Mordes steht ein mutmaßlicher Amokschütze aus Bayern vor Gericht. Dabei geht es aber nicht um eine Haftstrafe gegen den Mann, sondern um dessen Unterbringung in einer Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft will mit dem Prozess eine entsprechende Einweisung des Mannes erreichen. Wegen einer paranoiden Schizophrenie gilt er als schuldunfähig.

Der 48-Jährige soll im Juli 2015 im mittelfränkischen Leutershausen bei Ansbach zuerst eine 82-Jährige und dann einen 72 Jahre alten Radfahrer aus seinem Auto heraus erschossen haben. Auf seiner Amokfahrt hatte er der Anklage zufolge zwei Waffen und mindestens 100 Schuss Munition bei sich. Er soll auch noch auf eine Autofahrerin und später auf einen Traktorfahrer geschossen haben. In diesen Fällen traf er nicht. An einer Tankstelle konnten Mitarbeiter den Mann überwältigen.

Hinter verschlossenen Türen hörte die Kammer des Landgerichts Ansbach eine Erklärung des Mannes. Wie ein Gerichtssprecher berichtete, stritt der Beschuldigte die Vorwürfe darin nicht ab - gab aber an, er habe den Tag anders wahrgenommen. Die Öffentlichkeit war zeitweise ausgeschlossen worden, um die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten zu wahren.

Der Verteidiger des Mannes betonte, sein Mandant habe eine andere Sichtweise und Wahrnehmung der Geschehnisse und wolle sich dazu möglicherweise später noch äußern. Er bedauere die Vorfälle zutiefst. Die Angehörigen bat er um Entschuldigung für die Folgen seines Handelns, die Verluste und die von ihm verursachten Ängste.

Die Frau und der Sohn des getöteten Radfahrers kritisierten in einer schriftlichen Erklärung, dass der Beschuldigte trotz seiner psychischen Auffälligkeit als Sportschütze weiter eine Waffe besitzen durfte. Er habe außerdem schon lange nicht mehr regelmäßig im Schützenverein geschossen. Dies hätte der Verein ihrer Ansicht nach bemerken und den Behörden melden müssen. Sie forderten daher stärkere Kontrollen.

apr/dpa/AFP

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