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Anschläge: Berliner Brandstifter zündet mehr als 60 Autos an

Den Ermittlern in Berlin ist auf der Suche nach den Autobrandstiftern in der Hauptstadt ein Fahndungserfolg gelungen: Ein 27-Jähriger hat gestanden, 67 Fahrzeuge direkt angezündet zu haben, 35 weitere wurden beschädigt. Die Polizei kam dem Mann durch Videoüberwachung auf die Spur.

ddp

Berlin - Ein 27 Jahre alter Mann hat gestanden, in Berlin mehr als 100 Autos angezündet oder beschädigt zu haben. Das berichtete die Polizei am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) wertete die Festnahme als wichtigen Schlag gegen die Kriminalität. LKA-Chef Christian Steiof sprach von einem "sensationellen Erfolg".

Der Mann soll 67 Autos direkt angezündet haben. 35 weitere Autos wurden durch die Flammen oder die Hitze in Mitleidenschaft gezogen. Steiof betonte, das Problem der angezündeten Autos sei damit aber nicht erledigt. "Es gibt noch eine Vielzahl von Brandstiftungen. Das Phänomen, da bin ich mir hundertprozentig sicher, wird uns weiter beschäftigen." Einen politischen Hintergrund sieht die derzeit nicht.

Die Polizei kam dem Mann durch die Auswertung von Videofilmen aus einer U-Bahn oder einem Bus auf die Spur. Er geriet in das Blickfeld der Fahnder, weil er vor einigen Taten in die dortige Gegend fuhr und sich auffällig benahm. Direkt nach den Taten machte er sich wieder auf den Rückweg. Die Polizei habe ihn später zufällig identifizieren können und den Verdacht weiter verfolgt. Angesichts vieler Indizien habe der Mann am Freitag nach und nach die Taten gestanden.

Weil bei einem Brandanschlag ein Haus beschädigt wurde und ein weiteres Mal ein Altenheim direkt neben einem brennenden Auto stand und so Menschen gefährdet wurden, lautet der Haftbefehl auf den Vorwurf der schweren Brandstiftung.

Der mutmaßliche Brandstifter soll vor allem in Charlottenburg Nord, Mitte, Spandau und Westend zugeschlagen haben. Allein im August soll der 27-Jährige 47 Autos angezündet haben. 14 Mal schlug er im Juni und sechsmal im Juli zu. In einem Fall habe das Feuer auf ein Wohnhaus in Lichtenrade übergriffen. Bei einer weiteren Autobrandstiftung in der Kurfürstenstraße habe der Wagen direkt unterhalb einer Seniorenresidenz gestanden. Das Haus musste evakuiert werden.

Den Angaben zufolge hat der arbeitslose Mann aus Frust gehandelt. Es gebe nach jetziger Erkenntnis keine Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund, sagte der Brandermittler beim Landeskriminalamt (LKA), James Braun. Bei seiner Vernehmung habe er von finanziellen Nöten gesprochen. Der 27-Jährige hatte es vor allem auf Marken deutscher Autobauer wie Audi, BMW und Mercedes abgesehen.

Laut Braun hat der 27-Jährige zunächst die Taten abgestritten, sie aber später zugegeben. Seine Angaben wurden wegen "detaillierter Informationen" als glaubhaft eingestuft. Seit Ende August habe der Mann aus Mitte offenbar nicht mehr zugeschlagen, weil er einen Aushilfsjob gefunden hatte. Durch die Brandstiftungen war ein Sachschaden in Millionenhöhe entstanden.

Zur Festnahme des mutmaßlichen Auto-Brandstifters hat die Polizei nach eigenen Angaben mit einem hohen personellen und technischen Aufwand gearbeitet. Es sei in den vergangenen Monaten mit einem extrem hohen Aufwand gefahndet worden. "Ohne Unterstützung von außen, von der Bundespolizei, wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen", sagte LKA-Chef Steiof. Seit Ende August unterstützte die Bundespolizei die Berliner Polizei, so dass nachts bis zu 500 Beamte im Einsatz waren.

In Berlin sind den Polizeiangaben zufolge allein diesem Jahr bislang 341 Fahrzeuge in Brand gesetzt worden. Insgesamt wurden 470 Fahrzeuge beschädigt.

ore/dpa/dapd

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insgesamt 209 Beiträge
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    Seite 1    
1. endlich einer
psycho_moni 23.10.2011
Ich habe absolut kein Verständnis für sowas und hoffe dass er nicht zu leicht bestraft wird. Abartig ist sowas!
2. traurig
Sam Hawkins, 23.10.2011
Zitat von sysopDen Ermittlern in Berlin ist auf der Suche nach dem Autobrandstiftern in der Hauptstadt ein Fahndungserfolg gelungen: Ein 27-Jähriger hat*gestanden, 67 Fahrzeuge*direkt angezündet zu haben, 35 weitere wurden beschädigt. Die Polizei kam dem Mann durch Videoüberwachung auf die Spur. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,793460,00.html
Das ist bitter. Neben der juristischen Verurteilung, die der Straftat eigentlich folgen müsste, sollte eigentlich auch eine Wiedergutmachung des Schadens eingefordert werden. Dazu wird der Mann aber niemals in der Lage sein. Letztlich muss die Allgemeinheit für diese Blüte der menschlichen Kultur die Kosten übernehmen.
3. Tagessätze
greeper, 23.10.2011
Zitat von sysopDen Ermittlern in Berlin ist auf der Suche nach dem Autobrandstiftern in der Hauptstadt ein Fahndungserfolg gelungen: Ein 27-Jähriger hat*gestanden, 67 Fahrzeuge*direkt angezündet zu haben, 35 weitere wurden beschädigt. Die Polizei kam dem Mann durch Videoüberwachung auf die Spur. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,793460,00.html
Das einzige Strafmaß was da meiner Meinung nach in Betracht kommt ist: Arbeitsstunden. Und zwar sehr sehr viele. Knast kostet den Steuerzahler. Bußgeld auch, ist ja Hartz4 der Mann. Aber wenn man pro Auto ca. 30.000 Euro Schaden rechnet, sind das ca. 500 Monatseinkommen in Hartz4. Also wäre es meiner Meinung nach fair, wenn Mann 15.000 Tagessätze abarbeiten muss, vielleicht versteht er dann den Wert von Gegenständen, von selbst verdientem Geld und von fremden Eigentum.
4. Keine "Herbstschlussverkaufs-Justiz" bitte
bdxc 23.10.2011
Wenn dem mutmaßlichen Täter alle 60 Taten zweifelsfrei nachweisbar sind, dann ist sehr zu hoffen, dass er auf einen Richter trifft, der nicht gewillt ist, "Mengenrabatt" zu geben.
5. Wiedergutmachung
dr_poorpig 23.10.2011
Dieses Wort kann ich zwar nicht mehr hören, aber wenn ein Sachbeschädiger den Schaden nicht bezahlen kann, was man verlangen sollte, müsste man ihn unter strengster Aufsicht solange schwere Arbeit verrichten lassen, bis alles bezahlt ist. - Bei Einigen könnte das allerdings so gut wie lebenslang sein.
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