Anschläge von Norwegen Polizei hat alle Opfer identifiziert

Nun besteht traurige Gewissheit - nach dem Amoklauf auf der norwegischen Insel Utøya wird niemand mehr vermisst. Attentäter Anders Breivik ist der Polizei zufolge "mehr als willig, alles zu erklären". Ermittler hatten den 32-Jährigen erneut vernommen.

Zweite Vernehmung: Am Freitag wurde Breivik von der Haftanstalt Ila nach Oslo gebracht
DPA

Zweite Vernehmung: Am Freitag wurde Breivik von der Haftanstalt Ila nach Oslo gebracht


Oslo - Nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utøya wird niemand mehr vermisst. Das teilte die Polizei am Freitag in Oslo mit. Die Zahl von 68 Opfern des rechtsradikalen Attentäters Anders Breivik galt bisher noch als unsicher. Man habe inzwischen alle Opfer identifizieren können. Zusammen mit den beim Bombenanschlag in Oslo Getöteten hat Breivik damit 76 Menschen getötet.

Polizeisprecher Pål Hjort Kraby bezeichnete den geständigen Attentäter als weiter "ausgesprochen ruhig". Kraby sagte: "Er ist mehr als willig, alles zu erklären." Zwei norwegische Rechtspsychiater sollen Breivik auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und bis 1. November ihr Gutachten vorlegen.

Breivik war am Freitagvormittag erneut vernommen worden, nachdem der 32-Jährige am Morgen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in einem gepanzerten schwarzen Auto von der Haftanstalt Ila nach Oslo gebracht worden war. Nach Angaben der Polizei sollte Breivik vor allem zu neuen Erkenntnissen der Ermittler befragt werden.

Breivik hatte am vergangenen Freitag um 15.26 Uhr direkt vor dem Osloer Regierungshochhaus eine Autobombe detonieren lassen, durch die acht Menschen starben. Zwei Stunden später begann er auf der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya, Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers zu erschießen. Er tötete dort bis zu seiner Festnahme 68 Menschen. Am Donnerstag hatte die Polizei die Suche nach Opfern auf der Insel Utøya beendet.

Breivik plante weitere Gewalttaten

Bereits vor der Pressekonferenz der Polizei hatte Breiviks Anwalt gesagt, dass sein Mandant weitere Taten geplant hatte. "Er hatte an diesem Freitag noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung", sagte Verteidiger Geir Lippestad am Freitag der norwegischen Zeitung "Aftenposten". Die Vorhaben seien "genauso konkret" gewesen wie diejenigen, die Breivik in die Tat umgesetzt hatte.

Über den Verlauf sagte Lippestad: "Es sind an dem Tag Dinge geschehen, auf die ich nicht eingehen kann. Sie hatten zur Folge, dass alles etwas anders verlief, als er es sich vorgestellt hatte." Konkret nannte der Anwalt in "Aftenposten" Breiviks Absicht, zwei weitere Gebäude "zu bombardieren". Lippestad hält Breivik für geisteskrank.

Der Prozess gegen Breivik soll erst 2012 beginnen. Der Fall mit den zwei Terroranschlägen vom letzten Freitag sei so umfassend, dass die Ausarbeitung einer Anklageschrift längere Zeit dauern werde, sagte Norwegens Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch am Donnerstag. Breivik soll jeden einzelnen Mord erklären.

Für den Attentäter wurde eine achtwöchige Untersuchungshaft angeordnet. Die ersten vier Wochen soll er in vollkommener Isolation verbringen, um die Ermittlungen der Polizei in dem Fall nicht zu stören. Breivik darf weder Besuch empfangen noch Briefe schreiben oder erhalten. Auch Kontakt zu seiner Familie ist ihm untersagt.

bim/dpa

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
andresa 29.07.2011
1. Überwachungsstaat 2.0
Bei der ganzen Breivikdebatte sollte auch beachtet werden wie undemokratische Hardliner veruschen unsere Freiheit zu beschneiden: http://le-bohemien.net/2011/07/29/911-nach-behring-breivik/
durlacher 29.07.2011
2. Mörder der Kategorie Gäfgen
Die norwegischen Justizbehörden können den vielfachen Mörder wegsperren, um ihm den Prozess machen zu können, den er nach norwegischer Rechtssprechung verdient. Einzelhaft. Als ich das las, musste ich daran denken, dass ein Mörder wie der Jurist Gäfgen das Recht hat, endlos zu prozessieren, weil ihm "Leid" angetan wurde von den Ermittlern bei deren Versuch, Leben zu retten. Nicht auszudenken, wie der zartbesaitete Gäfgen Monate lang in Einzelhaft gelitten hätte, ohne irgendwelche Kontakte zur Außenwelt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.