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Elfenbeinküste: Vermummte schießen am Strand um sich

Angreifer haben in einem Badeort der Elfenbeinküste den Strand gestürmt. Mindestens 20 Menschen wurden getötet, darunter offenbar auch ein Deutscher. Das Terrornetzwerk al-Qaida bekannte sich zu dem Anschlag.

Soldaten am Einsatzort in Bassam Zur Großansicht
REUTERS

Soldaten am Einsatzort in Bassam

Mindestens 20 Menschen sind bei einer Schießerei im Badeort Grand-Bassam an der Elfenbeinküste ums Leben gekommen. Unter den Toten sollen 14 Zivilisten sein, darunter vier Europäer, zwei Soldaten sowie sechs der Angreifer, sagte der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara. Innenminister Hamed Bakayoko sagte am Sonntagabend, ein Franzose und ein Deutscher seien unter den Opfern. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte dies auf Nachfrage zunächst nicht. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung, ob auch deutsche Staatsbürger von dem Terrorangriff betroffen sind."

Nach Angaben des Innenministers waren insgesamt drei Hotels Ziel der Angriffe. Ein Mitarbeiter eines Hotels sagte, mehrere vermummte Angreifer hätten am Strand um sich geschossen. "Wir wissen nicht, woher sie kamen und wo sie hin sind", sagte er. Nach Aussagen eines anderen Augenzeugen riefen die Angreifer "Allahu Akbar" (Gott ist groß).

Drei Angreifer sollen zu Fuß geflohen seien, hieß es. Die Armee riegelte die Umgebung ab. Die Fahndung nach den Angreifern laufe noch, die Hotels seien jedoch "gesichert", sagte ein Polizist. Das Terrornetzwerk al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) habe sich zu dem Anschlag bekannt, teilte die US-Organisation Site mit. Diese ist darauf spezialisiert, Propagandabotschaften von Terrorgruppen zu beobachten.

Hotelangestellte bergen einen Toten Zur Großansicht
AFP

Hotelangestellte bergen einen Toten

Der Augenzeuge Braman Kinda berichtete, wie mehrere schwerbewaffnete Angreifer zunächst am Strand des Badeorts das Feuer auf Badegäste eröffneten. "Wir waren am Strand, wir haben Schüsse gehört und Menschen weglaufen gesehen, und uns ist klar geworden, dass das ein Angriff ist", berichtete Kinda.

Offenbar setzten die vermummten Männer anschließend ihre Angriffe auf die angrenzenden Hotels im französischen Viertel des Orts fort. Ein libanesischer Gast des Hotels L'Etoile du Sud sagte, einer der Angreifer habe eine Kalaschnikow und einen Gürtel mit Granaten gehabt. Andere berichteten, wie Gäste aus den Hotels in Sicherheit gebracht wurden.

Grand-Bassam ist ein beliebtes Ferienziel, auch bei westlichen Touristen. Die 80.000-Einwohner-Stadt liegt rund 40 Kilometer östlich von Abidjan, dem wirtschaftlichen Zentrum des westafrikanischen Landes. Sie gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Eine Delegation der US-Botschaft aus Abidjan war am Sonntag vor Ort. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Attentäter gezielt auf US-Amerikaner geschossen hätten, hieß es von der US-Botschaft. Frankreichs Präsident François Hollande verurteile den Anschlag und kündigte Unterstützung bei der Aufklärung des Verbrechens an.

Im November hatte es einen Anschlag auf ein Luxushotel in Mali gegeben, im Januar auf ein Hotel in Burkina Faso. Zu beiden Anschlägen bekannte sich das Terrornetzwerk AQMI. In der malischen Hauptstadt Bamako töteten die Angreifer 20 Menschen, in Ouagadougou gab es 30 Todesopfer. Experten warnten damals, islamistische Angriffe könnten auch die Elfenbeinküste und den Senegal treffen.

vet/sun/AP/Reuters/AFP

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