Brindisi/Rom - Diese Tat erschütterte Italien: Vor der Berufsschule Morvillo-Falcone in der süditalienischen Stadt Brindisi detonierte am 19. Mai ein Sprengsatz - genau zu der Zeit, als viele Schüler auf dem Weg zum Unterricht waren. Eine 16-Jährige kam bei dem Attentat mit Gasflaschen ums Leben, fünf Mitschülerinnen wurden schwer verletzt. Nun, zweieinhalb Wochen später, kann die italienische Polizei offenbar einen Fahndungserfolg vorweisen. Die Ermittler nahmen einen 68-Jährigen fest.
Der Staatsanwalt in Lecce habe bestätigt, dass es sich bei dem Mann vermutlich um den Täter handle, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Demzufolge hat der Mann aus Copertino bei Lecce die Tat während eines fünfstündigen Verhörs gestanden.
Laut der Tageszeitung "La Repubblica" soll es sich bei dem Anschlag um einen "privaten Racheakt" gehandelt haben. Die Agentur Asi berichtete, der Mann habe sich eigentlich mit einem Anschlag auf den Justizpalast von Brindisi dafür rächen wollen, dass er in einem Prozess keine Entschädigung erhalten habe. Da das Gerichtsgebäude jedoch zu stark bewacht sei, habe er schließlich die nahe gelegene Berufsschule als Ziel gewählt. Der Tankwart soll sich als Opfer der italienischen Justiz gefühlt haben. Dabei soll es um einen Prozess wegen einer Benzinlieferung im Wert von 300.000 Euro gegangen sein.
Überwachungsvideos zeigten einen mutmaßlichen Einzeltäter
Auf die Spur kamen die Fahnder dem mutmaßlichen Täter vermutlich durch Aufnahmen einer Überwachungskamera. Die Bilder hatten einen Mann gezeigt, der einen aus Gaskartuschen gebastelten Sprengsatz an einem Müllcontainer vor der Schule deponierte. Mit Hilfe der Aufnahmen wurde ein Phantombild des Verdächtigen angefertigt.
Zunächst war vermutet worden, dass die Mafia hinter dem Anschlag stecken könnte. Schließlich ist die Schule nach dem Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und dessen Ehefrau Francesca Laura Morvillo benannt. Falcone, ein berühmter Mafia-Jäger, starb vor fast genau 20 Jahren bei einem Anschlag.
Die Fahnder gingen jedoch nach Sichtung der Überwachungsvideos rasch davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Der Anti-Mafia-Staatsanwalt Cataldo Motta sagte, dass die Mafia bei ihren Bomben eher Dynamit verwende. Zudem betonten Ermittler, es sei unwahrscheinlich, dass die in Brindisi aktive Mafia-Organisation Sacra Corona Unita Zivilisten auf ihrem eigenen Territorium angreife.
wit/dpa/AFP
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