Attentat in Sikh-Tempel: Verdächtiger soll "frustrierter Neonazi" sein

Die US-Sicherheitsbehörden haben den mutmaßlichen Attentäter von Oak Creek identifiziert: Demnach hat der frühere Soldat Wade Michael Page in einem Sikh-Tempel sechs Menschen getötet. Laut einer Bürgerrechtsorganisation sei er Anhänger von rassistischen Theorien gewesen.

Sicherheitskräfte vor Sikh-Tempel in Oak Creek: Polizist stoppte den Täter Zur Großansicht
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Sicherheitskräfte vor Sikh-Tempel in Oak Creek: Polizist stoppte den Täter

Hamburg - Der Mann, der in einem Sikh-Tempel im US-Bundesstaat Wisconsin sechs Menschen getötet haben soll, hat mehrere Jahre bei der US-Armee gedient. Das berichteten US-Medien übereinstimmend. Wade Michael Page habe in einer Abteilung für psychologische Kriegsführung gearbeitet, berichten die Nachrichtenagenturen AP und Reuters. Zuvor soll er für die Reparatur von Marschflugkörpern zuständig gewesen sein.

Demnach war Page von 1992 bis 1998 in der US-Armee stationiert, zuletzt am Stützpunkt Fort Bragg in North Carolina. Er sei wegen Fehlverhaltens entlassen worden, berichtet Reuters unter Berufung auf Militärs. Zu den Vergehen soll auch Trunkenheit im Dienst zählen. Vor der Entlassung sei er bereits vom Rang eines Sergeants zum Specialist herabgestuft worden.

Der Angreifer hatte am Sonntagabend sechs Menschen vor und in einem Sikh-Tempel in Oak Creek getötet, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.

Die Opfer waren laut Polizei zwischen 39 und 84 Jahre alt, unter ihnen eine 41-jährige Frau. Die Tatwaffe, eine halbautomatische 9-mm-Pistole, habe der Täter legal erworben, teilten die Ermittler mit.

Die Ermittler gehen Berichten nach, denen zufolge Page ein Anhänger rassistischer Theorien war. "Wir ermitteln in diese Richtung", sagte ein Sprecher der Bundespolizeibehörde für Waffen, Tabak und Sprengstoff dem Sender ABC. Page sei ein "frustrierter Neonazi" gewesen, teilte die Bürgerrechtsbewegung Southern Poverty Law Center mit. In einem Interview mit den Autoren einer einschlägigen Website soll er 2010 gesagt haben, er spiele seit Jahren in einer rassistischen Band.

Man untersuche auch die Bedeutung der Tätowierungen des Attentäters, so der Sprecher. "Dies sind die Bestandteile des Puzzles, die uns dabei helfen werden, die Motive für eine so schreckliche Tat zu verstehen."

Ein Tattoo auf dem Arm des Schützen soll sich auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 beziehen. Ermittler hatten den Anschlag auf den Sikh-Tempel als "eine Art heimischen Terrorismus" eingestuft. Mitglieder der Gemeinde mutmaßten, dass der Todesschütze seine Opfer mit Muslimen verwechselt haben könnte. Viele männliche Sikhs tragen einen Turban und einen ungestutzten Bart, womit sie an strenggläubige Muslime erinnern können.

Schätzungen zufolge leben bis zu 500.000 Angehörige der Sikh-Glaubensgemeinschaft in den USA. Die Tempel-Gemeinde von Oak Creek, einem Vorort von Milwaukee, umfasst 400 Gläubige.

hut/AFP/AP/Reuters

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