Anschlag auf Synagoge in Wuppertal Gericht erhöht Bewährungsstrafen für zwei Täter

Das Landgericht Wuppertal hat die Bewährungsstrafen gegen zwei Palästinenser nach ihrem Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal erhöht. Die Tat sei kein Dummer-Jungen-Streich, sagte der Richter.


Rund eineinhalb Jahre nach dem Brandanschlag auf die Wuppertaler Synagoge sind die Strafen im Berufungsverfahren gegen zwei Palästinenser erhöht worden. Das Landgericht Wuppertal verurteilte einen 25-Jährigen zu einem Jahr und elf Monaten sowie einen 30-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Das teilte ein Gerichtssprecher mit.

Der Berufungsprozess gegen den dritten und jüngsten Täter wird erst im Februar nach Jugendstrafrecht verhandelt.

Die drei jungen Männer hatten in einer Julinacht 2014 Brandsätze auf die Synagoge geschleudert und die Tat gestanden. Sie hätten damit die Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken, aber keine Menschen gefährden wollen.

Das Amtsgericht hatte die beiden älteren Täter im Februar 2015 zu jeweils einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Der Fall erregte international Aufsehen. Die jüdische Gemeinschaft war entsetzt darüber, dass in dem ersten Urteil keine antisemitischen Motive für die Tat erkannt worden waren.

In seinem Plädoyer im Berufungsverfahren erklärte Staatsanwalt Hans-Joachim Kiskel nun, der Angriff auf die Synagoge sei selbstverständlich eine antisemitische Tat. Die Anklage forderte Haftstrafen ohne Bewährung.

Der Vorsitzende Richter der 3. Strafkammer, Thomas Bittner, nahm das Wort Antisemitismus in seinem Urteil hingegen nicht in den Mund. Er erklärte aber, die Tat sei keinesfalls ein unter Alkohol begangener Dummer-Jungen-Streich. Deshalb müsse die Strafe auch erhöht werden. Andererseits bildeten die drei Palästinenser aber auch keine Terrorzelle, die religiös motivierte Attentate verübe.

Sehr ausführlich ging der Richter auf die große Verunsicherung ein, die seit dem Anschlag bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde herrsche. In diesem Zusammenhang würdigte er allerdings auch, dass sich die beiden Angeklagten bei der jüdischen Gemeinde entschuldigt hätten.

hut/brs/dpa

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