Anschlag in Griechenland Deutsche als mutmaßliche Terroristin festgenommen

Nach einem Brandanschlag auf das Gebäude eines Stromversorgers in Thessaloniki hat die griechische Polizei eine 27-jährige Deutsche festgenommen. Ihre Mutter soll ein mutmaßliches früheres RAF-Mitglied sein.


Athen - Im Zusammenhang mit Razzien gegen linksautonome Gruppen hat die griechische Polizei am Freitag eine Deutsche festgenommen. Ein Polizeisprecher sagte, gegen die Frau bestehe ein Verdacht im Zusammenhang mit einem Brandanschlag auf das Gebäude eines Stromversorgers in Thessaloniki im vergangenen Oktober.

Die Athener Wohnung der 27-Jährigen, deren Vater Grieche sei und deren Mutter ein mutmaßliches früheres RAF-Mitglied sein soll, wurde nach Polizeiangaben untersucht. Die Deutsche sei vor sieben Monaten von Thessaloniki nach Athen gekommen und lebe dort. Sie sei eine Bekannte der vier mutmaßlichen Mitglieder der Verschwörung der Feuerzellen, einer anarchistischen Gruppe, die am Vortag festgenommen worden waren. Bei der Durchsuchung von deren Wohnungen waren nach Polizeiangaben Waffen, Munition und Material zur Fälschung von Ausweisen gefunden worden.

Wie der Rechtsanwalt der Deutschen, Sotirios Spiriounis, der griechischen Nachrichten-Internetseite in.gr sagte, gehört die Frau zwar der anarchistischen Szene an. Sie habe aber nichts mit Terrorismus zu tun. "Meine Mandantin hat nur freundschaftliche Beziehungen zu den vier Männern gehabt."

Die Untergrundorganisation Verschwörung der Feuerzellen hatte sich Ende November zu einer Reihe von Paketbomben-Attentaten bekannt. Damals waren die Sprengsätze an örtliche Botschaften sowie internationale Einrichtungen im Ausland und ausländische Regierungschefs geschickt worden. Eine der insgesamt 14 Sendungen landete im Berliner Kanzleramt, konnte aber rechtzeitig entschärft werden. Ende Dezember hatte eine Bombe vor dem Gericht in Athen schwere Schäden angerichtet. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich die linksextremistische Organisation.

Die vier Griechen und die Deutsche sollen kommenden Montag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Dann beginnt in Athen auch ein Prozess gegen 13 mutmaßliche Mitglieder der Verschwörung der Feuerzellen.

jjc/can/AFP/dpa



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