Anschlag in Nürnberg: Neue Ermittlungen gegen Beate Zschäpe

Beate Zschäpe vor Gericht: Angeklagt als Mittäterin bei den NSU-Morden Zur Großansicht
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Beate Zschäpe vor Gericht: Angeklagt als Mittäterin bei den NSU-Morden

Der Angeklagte Carsten S. hat es im NSU-Prozess angedeutet: Möglicherweise war der Nationalsozialistische Untergrund für einen weiteren Anschlag in Nürnberg verantwortlich. Laut einem Zeitungbericht hat die Bundesanwaltschaft deshalb nun weitere Ermittlungen gegen Beate Zschäpe aufgenommen.

München - Der Generalbundesanwalt hat weitere Ermittlungen gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe eingeleitet - das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Hintergrund ist ein Rohrbombenanschlag 1999 in Nürnberg, für den möglicherweise auch der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) verantwortlich war. Gegen Zschäpe werde wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes ermittelt, bestätigte der Sprecher der Bundesanwaltschaft dem Blatt.

Man gehe davon aus, dass bei dem Anschlag ein Mensch getötet werden sollte, sagte der Sprecher. Die Bombe galt offensichtlich dem türkischen Wirt einer Nürnberger Kneipe. Eine Putzhilfe fand den als Taschenlampe getarnten Sprengstoff unter dem Waschbecken und wurde dabei leicht verletzt.

Nach "SZ"- Informationen war das 13,5 mal zwei Zentimeter große Eisenrohr, in dem der Sprengstoff abgefüllt war, nicht geplatzt und hatte so keine Splitterwirkung entfaltet. Offenbar waren die Enden des Rohrs nicht fest genug verschraubt, so dass der Druck entweichen konnte. "Wäre das Rohr geplatzt, wie von den Tätern geplant, dann hätte das Opfer keine Hände mehr und vermutlich auch keine Augen", zitierte die Zeitung einen Experten, der mit den Ermittlungen von 1999 vertraut ist. "Auf jeden Fall hätte das Opfer Bombensplitter in Gesicht und Brust."

Zschäpe muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht München verantworten. Die Anklage wirft ihr unter anderem Mittäterschaft bei zehn Morden des NSU vor. Der Sprengstoffanschlag von Nürnberg war bisher nicht dem NSU zugerechnet worden - erst die Aussage des mutmaßlichen Unterstützers Carsten S. deutete eine mögliche Verbindung an.

Die Teile des Sprengsatzes liegen dem Bericht zufolge noch in der Asservatenkammer. Sie würden nun erneut auf DNA und Fingerabdrücke untersucht.

hut/AFP

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1. Endlich aussagen
gamh 18.06.2013
Es ist jetzt endlich ander Zeit, dass Frau Zschäpe über die ganze Geschichte des NSU aussagt, wie sie es bei ihrer Verhaftung ankündigte. Man könnte fast meinen, sie hat ein umfassendes Aussageverbot vom Verfassungsschutz erhalten. Wenn sie ihr Verhalten nicht ändert, reiht sie sich in die Riege der Feiglinge ein, die sich nach ihren Schandtaten der Verantwortung entzogen - angeführt von Hitler und Göbbels über Göring und wie sie alle hiessen bis zu Mundlos und Böhnhard. Na los, Frau Tschäpe, geben Sie sich einen Ruck!!!
2. optional
guteronkel 18.06.2013
Na, hoffentlich kann die Bundesanwaltschaft der Frau Zschäpe überhaupt etwas nachweisen. So wie ich den Prozessverlauf (durch unsere dämlichen Medien) verfolge, befürchte ich, dass da nicht viel von der Anklage bleiben wird. Es wird wohl wieder mal eine Blamage für die deutsche Justiz und deutsche Behörden übrigbleiben. Das Treiben der Medien ist langsam nicht mehr auszuhalten. Die Bundesanwaltschaft ist hoffentlich erfolgreich in ihren Bemühungen, ansonsten wäre dort ein Rauswurf mehr als gerechtfertigt. Weiter vermisse ich immer noch eine große Revolution bei den Verfassungsschutzämtern. Wird da jetzt noch was getan oder hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst?
3. Ein Aussageverbot vom Verfassungsschutz
blabla259 18.06.2013
Zitat von gamhEs ist jetzt endlich ander Zeit, dass Frau Zschäpe über die ganze Geschichte des NSU aussagt, wie sie es bei ihrer Verhaftung ankündigte. Man könnte fast meinen, sie hat ein umfassendes Aussageverbot vom Verfassungsschutz erhalten. Wenn sie ihr Verhalten nicht ändert, reiht sie sich in die Riege der Feiglinge ein, die sich nach ihren Schandtaten der Verantwortung entzogen - angeführt von Hitler und Göbbels über Göring und wie sie alle hiessen bis zu Mundlos und Böhnhard. Na los, Frau Tschäpe, geben Sie sich einen Ruck!!!
ist Schwachsinn. Frau Z. macht einfach nur von Ihrem Recht zu schweige Gebrauch, um abzuwarten was man ihr überhaupt nachweisen kann, ist absolut üblich bei Strafverfahren und keine Ausnahme. Ein Geständnis würde sich bei den ihr vorgeworfenen Taten ohnehin nur unwesentlich strafmildernd auswirken. Ich als ihr Strafverteidiger würde ihr auch raten zu schweigen. Eine Verschwörung des Verfassungsschutzes zu bemühen ist absolut überflüssig.
4. es
reinero59 18.06.2013
ist immer noch das gute Recht eines Angeklagten zu den erhobenen Vorwürfen zu schweigen auch wenn es dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und den Medien nicht gefällt. Würde sie etwas aussagen wäre sie dumm, die Justiz muss ihre Schuld beweisen und zwar zweifelsfrei und sie nicht ihre Unschuld.
5. nsu - und immer weiter
ambulans 18.06.2013
soso, ist der bundesanwaltschaft inzwischen auch schon aufgefallen, dass im gesamten "tatzeitraum", in dem der nsu tätig gewesen sein soll, einige mehr oder weniger unerklärte/unerklärliche zeitliche lücken gegeben sein könnten? teilweise schon vorher, spätestens aber nach dem immer nur am rand mitaufgezählten polizistenmord/-versuch in heilbronn (wäre ich mitglied der polizei oder angehöriger, würde ich mich mit einer derart nebensächlich/schändlichen befassung mit diesen verbrechen nun wirklich nicht zufrieden geben) sind diese "lücken" ja nun wirklich nicht mehr übersehbar. ob nun möglicherweise taten im ausland (z.b. schweiz) oder sonstwo - die bisherige anklageschrift scheint mir nicht viel mehr als ein erster entwurf zu sein, um die ganze, so ungeliebte geschichte schnellstmöglich, vor allem noch vor der wahl im herbst, "rechtsförmig" zu beerdigen (sorry für das bild an dieser stelle). die hälfte aller bekannten kapitalverbrechen fand in bayern statt, mehrere bayerische politiker (innen, justiz, späterer mp) sind involviert, dazu weitere auf bundesebene tätige, zusätzliche skandale im umkreis der bayerischen staatsregierung (fall mollath, misterin haderthauer, usw.) dto. - da muss die "vielberühmte" münchner staatsanwaltschaft mal wieder vorpreschen ("kavallerie") und zeichen im sinne seehofers setzen. zeit, dass all diese knallchargen so schnell wie nur irgend möglich, in den (leider nicht verdienten) ruhestand (ab herbst) geschickt werden ...
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Die Angeklagten im NSU-Prozess
Foto Beate Zsch¿pe
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Foto Andr¿ E.

Fotos: BKA/DER SPIEGEL