Anti-Terror-Kampf Briten planen Spitzelsystem gegen Muslime

Die Blair-Regierung plant Zeitungsberichten zufolge eine ungewöhnliche Maßnahme im Kampf gegen den Terror. Auf einer Karte sollen sich die Briten künftig informieren können, wo im Land Muslime radikales Gedankengut verbreiten. An Unis sollen arabisch aussehende Studenten überwacht werden.


London - Nach Informationen des "Daily Mirror" will die Regierung eine Karte Großbritanniens mit den wichtigsten radikalislamischen "Krisenherden" erstellen. Polizei und Gemeinderäte im ganzen Land sollen dazu Informationen über Universitäten, Schulen und Moscheen liefern, in denen jungen Muslimen radikales Gedankengut vermittelt werde, berichtet das Blatt in seiner heutigen Ausgabe.

Die Masjid-E-Umer- Moschee in Ostlondon: Feindbild Islam
REUTERS

Die Masjid-E-Umer- Moschee in Ostlondon: Feindbild Islam

Die Ministerin für Lokalverwaltung, Ruth Kelly, werde die Pläne schon bald bei einem Treffen mit den Polizeichefs und Gemeindevorstehern in London bekanntmachen. Kelly werde darauf hinweisen, dass der neuen Bedrohung durch islamische Extremisten nur durch eine engere Zusammenarbeit mit Polizei und Gemeinden begegnet werden könne.

Wie der "Guardian" heute berichtet, will die Regierung gleichzeitig Dozenten und Mitarbeiter an allen britischen Universitäten bitten, ein wachsames Auge auf arabisch aussehende und muslimische Studenten zu haben, die sie extremistischer Umtriebe verdächtigen.

Nach Informationen der Zeitung ließ das Bildungsministerium entsprechende Pläne im vergangenen Monat für weitere Konsultationen allen betroffenen Einrichtungen und Körperschaften zukommen. Demnach sollen die Universitäten verdächtige Studenten oder auch Gastdozenten den zuständigen Polizeistellen melden.

Bei den Studenten stoßen die Vorschläge auf scharfe Ablehnung. Die Vorsitzende der britischen Studentenvertretung, Gemma Tumelty, sagte der Zeitung, die jungen Muslime gerieten allein wegen ihres Glaubens unter Generalverdacht. Tumelty verglich die Pläne mit der Kommunistenhetze in den fünfziger Jahren in den USA unter dem damaligen Senator Joseph McCarthy.

dab/AFP



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