Koblenz Zwei Erzieherinnen in Misshandlungsprozess freigesprochen

Mehrere Erzieherinnen sollen in einer Kita in Rheinland-Pfalz Kinder misshandelt haben, der Fall beschäftigt seit Wochen ein Gericht. Nun gab es Freisprüche - jedoch nicht für alle Angeklagten.

Angeklagte Erzieherinnen mit Anwälten (Archivbild)
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Angeklagte Erzieherinnen mit Anwälten (Archivbild)


Im Prozess gegen vier ehemalige Erzieherinnen wegen mutmaßlicher Misshandlungen kleiner Kinder gibt es erste Urteile: Das Landgericht Koblenz hat zwei der Frauen freigesprochen. Die Vorwürfe der Anklage ließen sich bei ihnen nicht beweisen, sagte der Richter nach Angaben einer Gerichtssprecherin. "Daher gilt hier der Satz 'Im Zweifel für den Angeklagten'", sagte Claudia Göbel.

Der Richter hatte den beiden jetzt freigesprochenen Frauen bereits im Mai die Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage angeboten - das hatten sie jedoch abgelehnt. Die Urteile gegen die anderen beiden Angeklagten könnten am 16. August fallen.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei der früheren Erzieherinnen vorgehalten, 2012 und 2013 in der Kita in Antweiler nahe Koblenz ihre Schützlinge immer wieder gequält, gefesselt, geschlagen und eingesperrt zu haben.

Unter anderem sollen sie unruhige Kinder an ihren Stuhl gefesselt oder in zu kleine Hochstühle gequetscht haben. Kinder, die ihr Essen ausgespuckt hätten, sollen in abgedunkelte Räume gesperrt, geschlagen oder anderweitig gezwungen worden sein, das Essen erneut in den Mund zu nehmen und herunterzuschlucken. Zudem soll Kindern der Mund zugeklebt worden sein. Die vierte Frau habe die Taten nicht verhindert. Sie gehört laut Göbel zu den beiden Angeklagten, die weiterhin vor Gericht stehen.

"Erziehungsmethoden à la Stasi"

Im Fall der jetzt ergangenen Urteile hatten der Gerichtssprecherin zufolge sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage Freisprüche gefordert. Eine aussagepsychologische Sachverständige hatte vor Gericht gesagt, betroffene Kinder hätten sich als Zeugen möglicherweise nicht mehr an eigene Erlebnisse erinnert - sondern an spätere Befragungen zu den Vorwürfen.

Im Gegensatz zu den beiden freigesprochenen Frauen gibt es bei den zwei anderen Angeklagten auch erwachsene Zeugen. Diese haben laut Göbel von mutmaßlichen Misshandlungen berichtet.

Der Prozess hatte am 8. Mai begonnen - erst fünf Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Die Gerichtssprecherin begründete die lange Verfahrensdauer mit komplexen Ermittlungen, aufwendigen Vernehmungen und der Überlastung der zunächst zuständigen Strafkammer.

2015 hatte der damalige Präsident des zuständigen Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz, Werner Keggenhoff, mitgeteilt, die einstige Kitaleiterin in Antweiler habe sich als frühere Stasi-Frau entpuppt. "Man hat ihr aber nicht gekündigt, weil sie Stasimitarbeiterin war", sagte er, "sondern man hat ihr gekündigt, weil sie die Erziehungsmethoden à la Stasi fortgeführt hat."

mxw/dpa



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