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Anwalt von Kachelmanns Ex-Freundin: "Freispruch dritter Klasse"

Das Urteil im Fall Kachelmann wird heftig diskutiert: Der Anwalt der Ex-Freundin des Wettermoderators zeigte sich trotz des Freispruchs alles andere als "am Boden zerstört". Das Gericht sei nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt gewesen.

Anwalt Thomas Franz, Kachelmanns Ex-Freundin: "Gericht glaubt Mandantin in Punkten" Zur Großansicht
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Anwalt Thomas Franz, Kachelmanns Ex-Freundin: "Gericht glaubt Mandantin in Punkten"

Mannheim - "Im Zweifel für den Angeklagten" - nach diesem Grundsatz hat das Landgericht Mannheim Jörg Kachelmann vom Vorwurf freigesprochen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Doch auch die Unschuld des Wettermoderators sei nicht bewiesen, urteilten die Richter. Von Reportern wurde Kachelmanns Anwältin Andrea Combé gefragt, ob dies nicht ein Freispruch zweiter Klasse sei. Rechtlich gesehen, so die Pflichtverteidigerin, gebe es keinen "Freispruch zweiter Klasse". Es gelte lediglich der Grundsatz "in dubio pro reo".

Thomas Franz, Anwalt von Kachelmanns Ex-Freundin, sieht das ganz anders. "Der Freispruch ist ein Freispruch dritter Klasse", sagte er der Illustrierten "Bunte". Er sei "auf keinen Fall am Boden zerstört", so Franz. In der Urteilsbegründung habe das Gericht deutlich gemacht, dass es "weder von der Unschuld von Herrn Kachelmann, noch von einer Falschaussage meiner Mandantin überzeugt" sei.

"Das Gericht hat klar gemacht, dass es meiner Mandantin in bestimmten Punkten glaubt", sagte Franz. Es sei aber Grundsatz des deutschen Rechts, dass ein Angeklagter freigesprochen werden muss, wenn Zweifel an seiner Schuld bleiben.

Es gebe keine "tragfähigen Beweise", dass Kachelmann die Frau im Februar 2010 mit einem Messer bedroht und vergewaltigt habe, sagte der Vorsitzende Richter Michael Seidling am Dienstag in der Urteilsbegründung.

Seidling verwies darauf, dass sowohl Kachelmann als auch seine 38-jährige Ex-Freundin in einigen Bereichen nachweisbar gelogen hätten. Aber auch alle weiteren Beweise wie DNA-Spuren, Verletzungen der Frau und psychologische Gutachten seien für sich gesehen nicht "geeignet, die Schuld oder gar die Unschuld des Angeklagten zu belegen".

Das Gericht sei überzeugt, so Seidling, die juristisch richtige Entscheidung getroffen zu haben. Eine Befriedigung verspüre die Kammer jedoch nicht. "Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht - ihn als potentiellen Vergewaltiger, sie als potentielle rachsüchtige Lügnerin."

hut/dpa/AFP

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insgesamt 172 Beiträge
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1. Gähn
Andrew M., 31.05.2011
Gäääähn... sie hat gelogen, aus die Maus.
2. ...
noemix 31.05.2011
Ist Herrn Kachelmanns Ex-Freundin nunmehr als sein "mutmaßliches Nicht-Opfer" zu titulieren?
3. Es wird weiter lustig nachgetreten!
alcaselzar 31.05.2011
Zitat von sysopDas Urteil im Fall Kachelmann wird heftig diskutiert: Der Anwalt der Ex-Freundin des Wettermoderators zeigte sich trotz des Freispruchs alles andere als "am Boden zerstört". Das Gericht sei nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt gewesen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,766013,00.html
Macht doch nichts, so ein bißchen Lügen ...und der Kachelmann immerhin nur Freispruch dritter Klasse, jawohl! Warum dann nicht fünfter oder sechster Klasse? Warum eigentlich sagt der Volksmund, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er dann die Wahrheit spricht?
4. Mehr als nur selbstbewußt
uhu62 31.05.2011
Der Anwalt der Nebenklägerin stellt hier mehr als nur Selbstbewußtsein zur Schau, es ist auch eine Art Triumpf der Häme auszumachen. Der Imageschaden für Herrn Kachelmann ist ja auch denkbar hoch. Indessen denken manche auch darüber nach, inwieweit hier zu Recht Sympathien in diese Richtung - sicher auch als Kredit - vergeben wurden. Der Begriff der Vergewaltigung hat hier ja möglicherweise eine Rolle als Deckmantel gespielt um persönliche Wut loszuwerden. Selbstverletzungen sind ein Schlag in das Gesicht von Herrn Kachelmann - aber weit mehr: Auch in das Gesicht von Vergewaltigungsopfern. Dies mag dann auch die zuständige Staatsanwaltschaft - der Populismus irgendwie nicht fremd gewesen zu sein scheint - noch einmal bedenken: Triumpf oder gar Dankbarkeit für dieses Urteil könnte eigentlich kein rechtschaffener Mensch ertragen. Vor aller Augen wurde das Rechtssystem aus den Angeln gehoben und für ein Jahr zum Wutkanal umfunktioniert. Ob es eine Aufarbeitung dieses Versagens geben wird? Ein Freispruch dritter Klasse. Das ist eine gekonnte Formulierung, um Herrn Kachelmann ein weiteres Mal herabzuwürdigen. Diese Worte geben aber ebenfalls den Hinweis auf das zentrale Motiv der Anklage: Die Ausübung persönlicher Rache auf Staatskosten. Insofern kann man der zuständigen Staatsanwalt genau jene Unbedarftheit und Laxheit attestieren, die man ihr bereits äußerlich angesehen hatte. Die drei Affen waren in den 50er Jahren sehr populär. Auch damals ging es oft um die Aufarbeitung des Schulterschlusses zwischen Mob und Staat. Das diese Verbindung sehr zäh ist, mag nicht erstaunen. Dass sie in der Causa Kachelmann ihr Comeback feieren durfte ist allerdings der Hammer! Der Super-Hammer!
5. Name?
aemb 31.05.2011
Wieso darf diese Frau weiterhin anonym bleiben? Herr Kachelmann wurde in aller Öffentlichkeit fertig gemacht, aber sie ist nach wie vor nur mit unkenntlich gemachtem Gesicht zu sehen? Ist das immer noch Opferschutz oder schon Täterschutz? Oder ist es, weil sie eine Frau und damit automatisch schützenswert ist? Oder hat sie etwa kein Gesicht? Ist sie ein Zombie? Oder wie?
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