"Arbeit macht frei"-Diebstahl Schwede zu 32 Monaten Haft verurteilt

Er gilt als Drahtzieher für den Diebstahl des Auschwitz-Schriftzuges "Arbeit macht frei". Nun wurde der Schwede Anders Högström zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er wird die Haft in Schweden verbüßen - in Polen hätte ihm eine deutlich höhere Strafe gedroht.

Gestohlener Schriftzug: Insgesamt vierte Verurteilung wegen Diebstahls
REUTERS

Gestohlener Schriftzug: Insgesamt vierte Verurteilung wegen Diebstahls


Warschau/Stockholm - Wegen seiner Verwicklung in den Diebstahl des Schriftzugs "Arbeit macht frei" aus dem früheren Konzentrationslager Auschwitz muss ein Schwede knapp drei Jahre ins Gefängnis. Nach Angaben des polnischen Staatsanwalts Robert Parys hat Anders Högström "seine Schuld" vor einem schwedischen Gericht eingestanden. Högström habe sich mit dem Gericht auf eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten geeinigt. Er werde die Strafe in Schweden verbüßen, sagte Parys. Während der Ermittlungen hatte sich Högström noch für unschuldig erklärt.

In Polen hätten Högström wegen des Vorwurfs, den Diebstahl in Auftrag gegeben zu haben, zehn Jahre Haft gedroht. Högström hatte in den Neunziger Jahren in Schweden die Nationalsozialistische Front gegründet, sich später aber von ihr distanziert und angegeben, keine Verbindungen mehr zur rechtsextremen Szene zu haben. Er war im Februar auf Grundlage eines von Polen ausgestellten Haftbefehls in Stockholm festgenommen und im April an Polen ausgeliefert worden.

Högström sagte schwedischen Medien, lediglich als Mittelsmann fungiert zu haben. Er sei nur damit betraut gewesen, das Schild in Empfang zu nehmen und es zu verkaufen. Er habe der polnischen Polizei die Hintermänner des Diebstahls genannt.

Der Schriftzug "Arbeit macht frei" war im Dezember gestohlen worden. Wenige Tage später fand die Polizei ihn in drei Teile zerlegt im Norden Polens und nahm fünf polnische Verdächtige fest. Drei von ihnen wurden mittlerweile zu Haftstrafen verurteilt. Die beiden anderen Verdächtigen sollen sich noch vor Gericht verantworten. Ende Januar erhielt das Auschwitz-Museum den Schriftzug zurück.

Der Diebstahl hatte in Polen, Deutschland, Israel und in jüdischen Gemeinden in aller Welt Empörung hervorgerufen. Im NS-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden zwischen 1940 und 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, davon eine Million Juden.

ulz/AFP

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