US-Bundesstaat Arkansas richtet vierten Mann innerhalb von acht Tagen hin

Im US-Bundesstaat Arkansas ist der vierte Häftling innerhalb weniger Tage hingerichtet worden. Kenneth Williams starb durch eine Giftspritze. Die Familie eines seiner Opfer wollte ihn begnadigt sehen.

Kenneth Williams
AFP/ARKANSAS DEPARTMENT OF JUSTICE

Kenneth Williams


In Arkansas ist der vierte Straftäter innerhalb weniger Tage hingerichtet worden. Kenneth Williams starb Donnerstagnacht (Ortszeit) durch eine Giftspritze. Er war 1999 aus dem Gefängnis ausgebrochen und hatte danach einen früheren Justizangestellten umgebracht. Williams war ursprünglich wegen des Todes einer Cheerleaderin zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der Tod des 38-Jährigen ist das vorläufige Ende der größten Serie an Hinrichtungen in den USA seit 40 Jahren. Dabei gab es erstmals seit dem Jahr 2000 zwei Exekutionen an einem Tag in einem US-Bundesstaat. Arkansas hatte insgesamt acht Hinrichtungen über einen Zeitraum von elf Tagen angesetzt - mehr innerhalb eines solch kurzen Zeitraumes gab es seit 1976 nirgendwo in den USA. In vier Fällen setzten Gerichte die Exekutionen aus.

Grund für die Eile war Zeitdruck: Am Sonntag erreicht Midazolam sein Verfallsdatum, das bei den Hinrichtungen benutzte Betäubungsmittel. Arkansas' Justizvollzugsbehörden haben nach eigenen Angaben keine neue Bezugsquelle für das Medikament. Solche Mitteilungen gab es allerdings schon einmal - dann wurde doch ein neuer Vorrat aufgetan.

"Extrem verletzend und sind nicht zu entschuldigen"

In seinen letzten Worten bat Williams die Hinterbliebenen seiner Opfer um Verzeihung. "Die Verbrechen, die ich gegen Sie begangen habe, waren sinnlos, extrem verletzend und sind nicht zu entschuldigen." Williams sprach auch in unverständlichem Kauderwelsch.

Er wurde um 23.05 Uhr für tot erklärt, 13 Minuten nach Beginn der Hinrichtung. Ein Reporter und Augenzeuge berichtete, Williams habe sich 20-mal gekrümmt. Ein Gefängnissprecher sagte, etwa drei Minuten nach Verabreichung der ersten Spritze habe Williams etwa zehn Sekunden lang gezittert.

Offizielle bezeichneten die Serie von Hinrichtungen als Erfolg. Alle Hingerichteten seien innerhalb von 20 Minuten gestorben. Probleme mit einem langen, qualvollen Todeskampf wie in anderen Fällen habe es nicht gegeben. Die Anwälte der Hingerichteten sagten, es sei nicht sicher, dass ihre Mandanten nicht doch Schmerzen erlitten hätten.

Erfolgloses Gnadengesuch

Williams brachte 1998 eine Cheerleaderin der Universität von Arkansas in Pine Bluff um. Beim Prozess verhöhnte er die Angehörigen der jungen Frau, nachdem das Strafmaß verkündet worden war: "Ihr dachtet, ich würde sterben, nicht wahr?"

Williams war gerade drei Wochen im Gefängnis, als er in einem Fass mit Küchenabfällen aus der Haft entkam. Nachdem er aus dem Fass kletterte, ging er zum Haus des ehemaligen Wachmanns, brachte ihn um und stahl dessen Waffen und Auto. Unterwegs mit dem Wagen war er in einen Unfall verwickelt, bei dem ein Lieferwagenfahrer ums Leben kam. Als Williams wieder im Gefängnis war, gestand er, 1998 eine weitere Person getötet zu haben.

Die Familie des Lieferwagenfahrers hatte Arkansas' Gouverneur Asa Hutchinson gebeten, die Hinrichtung zu stoppen und Williams zu begnadigen. Die Hinterbliebenen sagten, sie hätten großes Leid erfahren. Aber Williams' Tod werde zusätzliches Leiden verursachen. Auch Williams' Anwälte versuchten bis zuletzt, die Hinrichtung zu verhindern. Sie hatten unter anderem vor dem Obersten Gerichtshof der USA argumentiert, ihr Mandant sei geistig behindert; Arkansas habe dies juristisch außer Acht gelassen.

Gegen die Hinrichtungen innerhalb weniger Tage gab es weltweit Kritik und Proteste. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Arkansas auf, die "Fließband"-Hinrichtungen zu stoppen. Auch die Europäische Union und die Bundesregierung protestierten.

Hinrichtungen seit 1976

ulz/AP

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