Prozess in Arnsberg Mutter ließ zweijährigen Sohn verhungern - dreieinhalb Jahre Haft

Eine Frau vernachlässigte zwei ihrer zehn Kinder - ein zweijähriger Junge starb an Unterernähung, ein Mädchen überlebte nur knapp. Dafür hat das Landgericht Arnsberg die 40-Jährige nun verurteilt.

Mutter vor Gericht
DPA

Mutter vor Gericht


Anakin wurde nur zwei Jahre alt, er starb an Unterernährung. Seine neun Monate alte Schwester hätte beinahe auch nicht überlebt, doch Ärzte konnten sie retten. Wegen Anakins Tod hat das Landgericht Arnsberg die Mutter des Jungen nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Insgesamt hatte die Frau zehn Kinder. Sie habe sich nicht ausreichend um ihren Sohn gekümmert und ihn verhungern lassen, zeigten sich die Richter überzeugt. Anakin und seine Schwester waren am Ende ihres Martyriums bis auf die Knochen abgemagert. Als die Mutter den Jungen im Februar 2014 wegen einer Magen-Darm-Infektion zum Arzt brachte, war es zu spät.

"Bitte stecken Sie mich nicht in Gefängnis. Bitte nehmen Sie mir nicht die Möglichkeit, auch weiterhin für die Kinder da zu sein", sagte die 40-Jährige vor Gericht. Sie gestand ein, eine Strafe verdient zu haben, appellierte aber unter Tränen an das Gericht, das Leid der Kinder nicht noch zu vergrößern, weil sie ins Gefängnis müsse.

"Sie wussten, was Kinder brauchen"

Dieser Bitte folgte das Landgericht aber nicht. Die Mutter, der das Sorgerecht für die Kinder entzogen wurde, habe vorsätzlich gehandelt. Ihr sei der schlechte Zustand der Kinder bewusst gewesen. "Sie wussten, was Kinder brauchen", sagte die Vorsitzende Richterin. Die Frau hatte zunächst im Prozess alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich liebe meine Kinder", hatte sie gesagt. Später räumte sie ein, den schlechten Zustand der beiden Kinder erkannt, aber nicht gehandelt zu haben.

Die Mutter war 2013 mit ihren Kindern und ohne den angeblich gewalttätigen Vater von Sachsen nach Winterberg gezogen. Dort stand die Familie unter Beobachtung des Jugendamtes, dem vorgeworfen wird, nicht richtig hingeschaut zu haben. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes muss sich deswegen in einem gesonderten Verfahren verantworten, das aktuell ruht.

Die nun Verurteilte war mit 21 Jahren erstmals Mutter geworden. Der Vater der Kinder habe sich verändert und sei aggressiv geworden, hieß es vor Gericht. Als die Frau noch in Sachsen wohnte, soll der Älteste zum Jugendamt gegangen sein und erklärt haben, er werde nicht zurück in die Wohnung mit dem Papa gehen. Der Sohn kam in eine Wohngruppe.

Die Mutter trennte sich schließlich vom Vater ihrer neun Kinder und zog ins Sauerland. Die älteren Kinder gingen in die Schule. Für die Mittleren gab es keine Kita-Plätze. Sie wurden zeitweise bei einer Tagesmutter betreut. Anakin und die Jüngste blieben zuhause. Später bekam die Frau später mit einem anderen Mann ein weiteres Kind, ihr zehntes. Heute leben die Kinder an verschiedenen Orten in Heimen.

ulz/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.