Heimliche Sexvideos von Investigativjournalistin Europäischer Gerichtshof verurteilt Aserbaidschan zu Geldstrafe

Um Khadija Ismayilova von ihren kritischen Recherchen abzubringen, wurde die Journalistin aus Aserbaidschan mit einem Sexvideo erpresst. Wegen des Umgangs mit dem Fall muss der Staat nun zahlen.

Khadija Ismayilova (Archivbild)
AP/dpa

Khadija Ismayilova (Archivbild)


In einem Verfahren um heimlich gefilmte und online veröffentlichte Sexvideos von ihr hat die Investigativjournalistin Khadija Ismayilova einen Sieg gegen ihr Heimatland Aserbaidschan errungen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verurteilte Aserbaidschan zu einer Entschädigung in Höhe von 15.000 Euro. Die Behörden hätten in dem Fall nicht ausreichend ermittelt und nicht überprüft, ob ein Zusammenhang zur regierungskritischen Arbeit Ismayilovas bestand, urteilte das Gericht.

Die Journalistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises recherchierte unter anderem zu Korruption in der autoritären Regierung der Ex-Sowjetrepublik. Im März 2012 erhielt sie laut dem EGMR einen Drohbrief mit Screenshots aus einem heimlich in ihrer Wohnung aufgenommenen Video, das sie beim Sex mit ihrem damaligen Freund zeigte. Der Absender forderte Ismayilova auf: "Unterlasse das, was du tust, oder du wirst bloßgestellt." Kurz darauf wurde das Video online veröffentlicht, zwei weitere Videos folgten 2013.

Ismayilova entdeckte den Gerichtsangaben zufolge zahlreiche versteckte Kameras in ihrer Wohnung. Ungefähr zur selben Zeit druckten staatlich kontrollierte Zeitungen Artikel, die Ismayilova fehlende Professionalität und unmoralisches Verhalten vorwarfen.

Die aserbaidschanischen Behörden hätten durch ihre nicht ausreichenden Ermittlungen und die spätere Veröffentlichung von Details aus Ismayilovas Privatleben das Menschenrecht der Journalistin auf Privat- und Familienleben verletzt, befand der EGMR. Zusätzlich habe Aserbaidschan darin versagt, die Meinungsfreiheit zu schützen. Das Urteil kann innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

bam/dpa

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