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Rechtsextremismus: Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich verdreifacht

Explosive Stimmung: Ein Anwohner protestiert Ende November 2014 mit einem Plakat gegen den Bau eines Asylbewerberheimes in Berlin-Marzahn Zur Großansicht
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Explosive Stimmung: Ein Anwohner protestiert Ende November 2014 mit einem Plakat gegen den Bau eines Asylbewerberheimes in Berlin-Marzahn

Ende des vorigen Jahres hatten die Pegida-Demos hohen Zulauf - zugleich nahm die Zahl der Angriffe auf Aslybewerber drastisch zu. Experten sehen einen Zusammenhang.

Die Zahl fremdenfeindlicher Angriffe auf deutsche Asylbewerberheime ist stark angestiegen. Wie der "Tagesspiegel" berichtete, zählten die Behörden im vorigen Jahr 150 solcher Attacken, dreimal mehr als 2013. Allein im vergangenen Quartal waren es 67 Taten.

Die Angriffe richteten sich gegen Unterkünfte oder ihre Bewohner - sie reichten von Volksverhetzung bis zu Angriffen mit Waffen oder Brandsätzen. Die Zeitung berief sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.

Pegida-Demos als Rechtfertigung

Migrantenorganisationen und Konfliktforscher sehen nicht nur einen Zusammenhang mit den gestiegenen Flüchtlingszahlen. Sie vermuten auch, dass die Kundgebungen der Dresdner Pegida-Bewegung den Nährboden für diese Delikte bereitet haben, die im letzten Quartal 2014 eine große mediale Aufmerksamkeit erfuhren.

Der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick sagte dem Blatt: "Die menschenfeindliche Stimmung führt nicht automatisch zu Taten, aber sie motiviert gewaltbereite Personen und Gruppen und wird von den Tätern zur Rechtfertigung herangezogen."

Im ersten Quartal von Januar bis März hatte es demnach noch 32 Angriffe gegeben, im zweiten Quartal von April bis Juni 22 Delikte und im dritten Quartal von Juli bis September 29 Delikte.

sms/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
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1. Vielleicht....
Tyr 10.02.2015
... liegt es auch garnicht an Pegida? Was sollen diese Mutmaßungen? Es könnte genauso gut der Anschlag in Frankreich oder der IS mit seinen Tötungsvideos sein oder die 1000 anderen Dinge, die einem jeden Morgen entgegengeklatscht werden...
2. naja
TangoGolf 10.02.2015
"Die menschenfeindliche Stimmung führt nicht automatisch zu Taten, aber sie motiviert gewaltbereite Personen und Gruppen und wird von den Tätern zur Rechtfertigung herangezogen." was für ein konstruierter Mumpitz. Was hier als wissenschaftliche Analyse verkauft wird, ist nichts weiter als ideologisches Kaffeesatz lesen und steht in schlechter Tradition zu der Berichterstattung über den (von einem Mitbewohner) ermordeten Asylbewerber in Dresden, der ebenfalls Pegida angehängt werden sollte. Ich möchte doch mal bitte empirische Belege sehen, dass irgendein rechter Gewalttäter eine "menschenfeindliche Stimmung" im Land als Rechtfertigung verwendet hat. Pegida ist heute nichts mehr als ein diffuser Haufen von Sektierern - mit solchen Forschungen gibt man allerdings tragischer Weise wieder Wasser auf die Mühlen dieser Veranstaltung.
3. Provozieren vs. motivieren
orthos 10.02.2015
Schön, dass der Spiegel den unterschied nicht erkennt. Letztendlich motiviert Pegida auch nicht. Diese Irren (Angreifer auf die Asylheime) motivieren sich selbst, weil sie die (berechtigte) Kritik missverstehen und denken, sie handeln im Sinne von Pegida. Was jedoch stimmt, ist das Pegida der Allgemeinheit ein wenig die Angst vor der Nazikeule nimmt. Die Leute stellen nämlich fest, das es deutlich mehr Menschen gibt, die keine politisch korrekten Gedanken haben. Und je mehr Menschen ihre wahre Meinung äußern, desto unwirksamer können missgefällige Meinungen mit jener Keule "ausgeschaltert" werden. Zumindest dieser letzte Punkt ist ein Gewinn für die Demokratie, da es die freie Meinungsäußerung stärkt. Eine Demokratie ist durchaus in der Lage extreme Meinungen zu verkraften und auszugleichen. Diese stattdessen zu unterdrücken ist ihrer nicht würdig und kontraproduktiv.
4. Zusammenhang
snuop 10.02.2015
Offensichtlich ist, dass dank Pegida die Hemmschwelle, sich offen zu seiner Ausländerfeindlichkeit zu bekennen, extrem gesunken ist. Damit sinkt für die militanten Ausländerfeinde natürlich auch deren Gewalt-Hemmschwelle.
5.
friedrich_eckard 10.02.2015
Nun dürfte ja wohl in gutbürgerlichen-nadelgestreiften Kreisen ein Wutgeheul ausbrechen: "Wir doch nicht..." - aber um den Zusammenhang zu erkennen und zu beschreiben, der da besteht, braucht man gar nicht "Gewaltforscher" zu sein. Das hat nämlich vor weit über 100 Jahren Heinrich Heine schon geschafft: "Ich bin dein Liktor, und ich geh Beständig mit dem blanken Richtbeile hinter dir – ich bin Die Tat von deinem Gedanken." Euere Leute, sehr geehrte GIDioten, Euere Leute!
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