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Asylbewerberheim-Skandal: Entlassene Wachleute klagen gegen Kündigung

Von , Düsseldorf

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Sicherheitskräfte im Flüchtlingsheim in Burbach (Archiv): "Willst du noch eine haben?"

Sie sollen Flüchtlinge misshandelt haben und wurden deshalb gefeuert. Doch nun wehren sich zwei Wachleute aus dem Asylbewerberheim in Burbach gegen ihren Arbeitgeber: Es gebe keinen Grund für eine Kündigung.

Der Skandal in dem nordrhein-westfälischen Asylbewerberheim Burbach wird demnächst auch die Arbeitsgerichte beschäftigen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben zwei ehemalige Wachleute aus der Problemunterkunft mittlerweile gegen ihre Kündigung geklagt.

Der frühere Aufpasser Dirk O., 47, argumentiert etwa, es läge kein Grund für seine außerordentliche Entlassung vor. Auch rügt er, der Betriebsrat der Wachfirma SKI sei vor der ihm am 29. September ausgesprochenen Kündigung nicht angehört worden. Das Siegener Arbeitsgericht hat in der Sache einen ersten Gütetermin für Anfang November anberaumt. O. wollte sich auf Anfrage aktuell nicht zu dem Vorgang äußern.

Die Firma SKI teilte hingegen mit, nach dem Bekanntwerden der Vorfälle "unverzüglich alle involvierten Mitarbeiter" entlassen zu haben. Man sehe keine weitere Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und prüfe derzeit Schadensersatzansprüche gegen die mutmaßlichen Täter.

"Willst du noch eine haben?"

O. und sein Kollege Henning G. hatten Ende April den Flüchtling Karim M. bedroht und erniedrigt. Der Algerier habe zuvor randaliert, verteidigten sich die beiden Wachmänner. Ein Video der Szene, das einem Siegener Journalisten zugespielt worden war, hatte in der Öffentlichkeit für gewaltige Empörung gesorgt und den Asylbewerberheim-Skandal ausgelöst:

DER SPIEGEL

Bei dem anderen Ex-Sicherheitsmann, der juristisch gegen seine Entlassung vorgeht, handelt es sich um Markus K., 26. Ein Foto, das die Hagener Polizei veröffentlicht hatte, zeigt ihn und seinen Kollegen Markus H., 30, wie sie Anfang September den gefesselten Algerier Marwan Rahmani, 29, demütigten.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ist der aus Schleswig-Holstein stammende K. der Polizei bestens bekannt. Das Landeskriminalamt in Kiel führt ihn als Intensivtäter. Sein Eintrag in der Datenbank der Ermittler ist zudem gekennzeichnet mit den Schlagworten "Bewaffnet", "Gewalttätig" und "BTM-Konsument". Letzteres bedeutet, dass er wohl regelmäßig Drogen nimmt. Der Rechtsanwalt von Markus K. teilte auf Anfrage mit, es gehe in dem Streit mit SKI um Kündigungsfristen und Lohnansprüche.

Der ehemalige Wachmann Markus H. hatte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gesagt, er schäme sich für die Misshandlung des Flüchtlings: "Es war bescheuert."

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