Aussage vor Gericht: Breivik prahlt mit seinen Mordtaten

Der Massenmörder Anders Breivik hat sich vor Gericht der "spektakulärsten Attacke in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg" gerühmt. Damit scheint der Tenor seiner Aussage vorgegeben - laut seiner Verteidiger ist mit weiteren schockierenden Schilderungen zu rechnen.

AFP

Oslo - Der Attentäter prahlt mit seinen Taten: "Ich habe die ausgeklügeltste und spektakulärste politische Attacke in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg begangen", sagte Anders Breivik am Dienstag vor Gericht. Er durfte dabei von einem vorbereiteten Manuskript ablesen. Das Volk, so der Angeklagte, sei beschwindelt worden. Da eine friedliche Revolution nicht möglich sei, sei Gewalt die einzige Möglichkeit.

Der Attentäter kritisierte die norwegische und andere europäische Regierungen dafür, dass sie Einwanderung und Multikulturalismus annähmen. Er sagte, er habe seine Taten aus "Güte und nicht aus Bosheit" verübt, um einen größeren Bürgerkrieg zu verhindern. "Ich hätte es wieder getan." Breivik behauptete auch, er spreche als Kommandeur einer Widerstandsgruppe, der "Knights Templar". Bereits am Montag hatte die Staatsanwaltschaft gesagt, ihrer Überzeugung nach gebe es diese Gruppe nicht; Breivik sei ein Einzeltäter.

Richterin Wenche Elizabeth Arntzen hatte ihn zuvor ermahnt: "Halten Sie sich im Zeitrahmen und seien Sie darauf gefasst, dass ich Sie unterbreche, wenn Sie etwas sagen, das nicht der Sache dient." Breivik nickte und sagte, aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen habe er seine Formulierungen angepasst - eine Aussage von blankem Zynismus. Richter und Staatsanwaltschaft hörten mit versteinerter, ernster Miene zu.

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Zweiter Prozesstag in Oslo: Schockierende Details
"Kann Norwegen eine Demokratie sein, wenn hundert Prozent der Nachrichtenagenturen multikulturelle Werte preisen?", fragte Breivik rhetorisch. "Die Antwort heißt Nein." Breivik sagte, er "habe keine Angst davor, mein ganzes Leben im Gefängnis zu sitzen". Er sei in einem Gefängnis geboren worden: "Dieses Gefängnis heißt Norwegen."

Breivik verglich die Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei - 69 ihrer Mitglieder hatte er auf der Insel Utøya getötet - mit der "Hitlerjugend". Laut Breiviks Ansicht griff er auf Utøya keine unschuldigen jungen Menschen an. Die Leute auf der Insel seien einer Gehirnwäsche unterzogen worden." Alle, die er getötet habe, seien "nicht unschuldige unpolitische Kinder gewesen; das waren junge Leute, die gearbeitet haben, um multikulturelle Werte hochzuhalten".

Gegen Ende seines Vortrages kam Breivik erstmals direkt auf Muslime zu sprechen. Diese wollten sich nicht integrieren, das sei ein Mythos. Sie wollten unter der Scharia ihre Autonomie und verachteten westliche Werte. Er schloss mit den Worten: "Ich kann mich nicht schuldig bekennen, ich handelte, um mein Land zu verteidigen. Deswegen beantrage ich, freigesprochen zu werden."

Anwälte von Hinterbliebenen beschweren sich über Vortrag

Eine Reporterin des "Guardian" twitterte bereits nach etwa der Hälfte von Breiviks Vortrag, sie könne nicht glauben, dass das Gericht all diese Aussagen zulasse. Erst um elf Uhr ermahnte das Gericht Breivik, seine Ausführungen auf das Relevante und auf Norwegen zu beschränken. Breivik antwortete, er sei erst auf Seite 7 von 13. Er könne nicht wie von der Richterin gewünscht abkürzen. "Sechs Seiten sind übrig und es ist alles relevant", sagte er. Das sei die Basis seiner Verteidigung. Breivik las mit gesenktem Blick ab und schien nicht in der Lage, von den vorbereiteten Formulierungen abzuweichen.

Auch Anwälte von Angehörigen der Opfer beschwerten sich sich über den langen Vortrag des Angeklagten. Sie forderten Breivik auf, seine Stellungnahme abzukürzen.

Mit seinen Schilderungen machte Breivik wahr, was seine Verteidiger vor Prozessbeginn angekündigt hatten: Ihrer Aussage zufolge war mit schockierenden Aussagen zu rechnen. Breivik tue es nach eigenen Worten leid, dass bei seinen Attentaten nicht noch mehr Menschen gestorben seien.

Vor Breiviks Aussage hatte es in dem Verfahren einen Eklat gegeben: Ein Schöffe wurde abgesetzt, weil er in einem Online-Kommentar die Todesstrafe für den Attentäter gefordert hatte.

Gerichtssaal als Bühne

Es entspricht einem rechtsstaatlichen Verfahren, dass Breivik umfassend zu seinen Motiven für die Anschläge in Oslo und auf Utøya aussagen kann. Insgesamt hat das Gericht fünf Tage für die Schilderungen des 33-Jährigen angesetzt. Im Gegensatz zum ersten Verhandlungstag wird die Verhandlung nicht live im Fernsehen übertragen.

So sind Breiviks Worte vor allem für die rund hundert Angehörigen von Opfern und Überlebenden im Gerichtssaal eine schwere Belastung. Betroffene hatten schon vor Prozessbeginn Befürchtungen geäußert, Breivik werde den Gerichtssaal als Bühne nutzen, um seine extremistischen Sichtweisen zu verbreiten.

Einen Vorgeschmack darauf hatten schon Breiviks Einlassungen zum Prozessauftakt gegeben. So oft wie möglich ergriff er das Wort. Er sagte gleich zu Beginn, er erkenne das Gericht nicht an, weil es von Parteien eingesetzt sei, die den Multikulturalismus unterstützten. Außerdem sei die Richterin nicht unabhängig. Zudem wiederholte Breivik sein Geständnis, am 22. Juli 2011 77 Menschen getötet zu haben. Allerdings habe er in Notwehr gehandelt und halte sich im juristischen Sinne für nicht schuldig.

Breivik zündete im Sommer 2011 zunächst eine Bombe im Regierungsviertel von Oslo und richtete dann auf der Insel Utöya unter den Teilnehmern eines Jugendlagers der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei ein Massaker an. Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.

ulz/dapd/dpa

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insgesamt 74 Beiträge
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1. Gut so!
Halodri73 17.04.2012
Norwegen lässt sich seinen Rechtsstaat nicht von einem Monster kaputtmachen. Der mutmaßlich geisteskranke Mann, der auf der Anklagebank sitzt, hat das Recht sich zu äussern. Und die Richter haben das Recht, ihn für unheilbar krank zu befinden und ihn tatsächlich lebenslänglich in eine psychatrische Anstalt zu setzen. Das wäre aus meiner Sicht die richtige Lösung.
2.
Rodelkönig 17.04.2012
Hatten denn nicht die Medien vor einigen Monaten, als die Tat stattfand, einen inoffiziellen Konsens gefunden, dass man Breivik möglichst keine mediale Bühne für seine Weltvorstellungen bieten wolle, sondern nur das berichtet, was absolut notwendig ist? Und jetzt bekommen wir plötzlich alle 10 Minuten eine neue Riesen-Headline über seine neusten Aussagen und Taten vor Gericht .....
3.
lifeguard 17.04.2012
Zitat von sysopAFPDer Massenmörder Anders Breivik hat sich vor Gericht der "spektakulärsten Attacke in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg" gerühmt. Damit scheint die Richtung für seine Aussage vorgegeben - laut seiner Verteidigung ist mit weiteren schockierenden Schilderungen zu rechnen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827966,00.html
er glaubt offenbar, das er in 20 jahren als held verehrt wird. vor allem dann wenn er meint, sich als politischen gefangenen hinstellen zu können. ich hoffe in norwegen gibts die sicherungsverwahrung wie bei uns. dann kann er für den rest seines lebens im knast schmoren. oder noch besser irrenanstalt. man muß ja nicht davon begeistert sein das er seine kruden ansichten in der öffentlichkeit breittritt, aber vielleicht entlarvt er sich ja dadurch
4. Diesem Un-Menschen die Plattform der Öffentlichkeit entziehen
spiegel-wolf 17.04.2012
Offensichtlich ist die Sensationslust der Leser und Zuseher zu profitabel für die Medien in aller Welt als dass man diesen unerträglichen Prozess solange total ignoriert, bis das Urteil gesprochen ist. Danach mag es Berichte, Einschätzungen etc. geben. Das wäre die wohl unerträglichste Strafe für diesen Un-Menschen; und daran müssen doch alle demokratisch denkenden Menschen interessiert sein. Die Pflicht der Medien zur Berichterstattung muss hier zweitrangig sein.
5.
alexbln 17.04.2012
Zitat von RodelkönigHatten denn nicht die Medien vor einigen Monaten, als die Tat stattfand, einen inoffiziellen Konsens gefunden, dass man Breivik möglichst keine mediale Bühne für seine Weltvorstellungen bieten wolle, sondern nur das berichtet, was absolut notwendig ist? Und jetzt bekommen wir plötzlich alle 10 Minuten eine neue Riesen-Headline über seine neusten Aussagen und Taten vor Gericht .....
finde ich persönlich aber nicht schlimm. auf der bühne entlarvt er sich selber als das was er ist, eindeutigt giesteskrank und im grunde genommen ein aufgeblasener wicht mit phantasieuniformen der in seiner eigenen welt lebt.
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Fotostrecke
Breivik-Prozess: Befangenheitsantrag gegen Laienrichter

Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 4,920 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschef:
Erna Solberg

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