Attentäter von Fort Hood: Ermittler prüfen Verbindung zu radikalem Prediger

Bei den Ermittlungen zu dem Amoklauf von Fort Hood wird eine mögliche Verbindung des Attentäters Nidal Malik Hasan zu einem als radikal geltenden Imam überprüft. Die beiden besuchten 2001 dieselbe Moschee, der Prediger lobte Hasans Tat nun im Internet. Noch ist aber unklar, ob sie Kontakt hatten.

Amoklauf von Fort Hood: Auf den Spuren von Nidal Malik Hasan Fotos
DPA

Hamburg/Fort Hood - Das FBI untersucht eine mögliche Verbindung zwischen Nidal Malik Hasan und einem als Unterstützer von al-Qaida geltenden Imam. Der mutmaßliche Todesschütze von Fort Hood besuchte 2001 dieselbe Moschee wie der als radikal bezeichnete Prediger Anwar al-Awlaki, der in Verbindung mit Terroristen stand, wie Ermittler laut "Washington Post" sagten. Al-Awlaki war Imam im islamischen Zentrum Dar al-Hidschrah in Falls Church im US-Staat Virginia, als dort am 31. Mai 2001 eine Trauerfeier für Hasans Mutter stattfand. Ob Hasan persönlichen Kontakt zu dem Imam hatte oder später dessen Vorträge im Internet verfolgte, war zunächst aber nicht bekannt.

Anwar al-Awlaki äußerte sich am Montag auf seiner Website in einem Blog-Eintrag erstmals öffentlich zur Bluttat von Fort Hood: "Nidal Hassan ist ein Held", beginnt der Text. "Er ist ein Mann, der den Widerspruch nicht länger ertrug, gleichzeitig ein Muslim zu sein und in einer Armee zu dienen, die gegen seine eigenen Leute kämpft." Es könne keinen Zweifel daran geben, dass der Massenmord von Texas eine "gute Tat" sei. "Im Grunde ist es der einzige Weg, wie ein Muslim es islamisch rechtfertigen kann, als Soldat in der US-Armee zu dienen - wenn er nämlich die Absicht hat, in die Fußstapfen von Männern wie Nidal zu treten", schreibt al-Awlaki weiter.

Bei dem Amoklauf in der texanischen Kaserne Fort Hood, dem größten Militärstützpunkt in den USA, wurden am 5. November 13 Menschen getötet und 29 verletzt. Hasan, der dabei angeschossen wurde, befindet sich in einem Militärkrankenhaus in San Antonio, sein Zustand wird als stabil bezeichnet.

In seinem Blogeintrag preist al-Awlaki den Amokläufer zwar - deutet aber mit keinem Wort an, dass er Hasan persönlich kennt. Anwar al-Awlaki, der 1971 als Sohn eines Jemeniten im US-Bundesstaat New Mexico geboren wurde, ist laut der "NEFA Foundation", einem auf Terrorismus spezialisierten New Yorker Think Tank, eine der schillerndsten Figuren unter den fließend englischsprachigen Apologeten von al-Qaida & Co. Außerdem gilt al-Awlaki als einer der "spirituellen Ratgeber" von Khalid al-Midhar und Nawaf al-Mazmi, zwei der Attentäter vom 11. September 2001. Al-Awlaki war seit Anfang 2001 in Falls Church Imam, verließ laut "NEFA Foundation" aber noch im selben Jahr die USA und lebt seiner Website zufolge inzwischen im Jemen.

Ein Vertreter der Moschee von Falls Chruch, einer der größten an der US-Ostküste, sagte nun, er wisse nicht, ob Hasan und al-Awlaki Kontakt hatten, bestätigte aber, dass die Familie häufiger in der Moschee betete. Experten warnten davor, vorschnell eine Verbindung herzustellen.

Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass Hasan das Blutbad in Fort Hood allein anrichtetet hat und nicht dazu angestiftet wurde, wie ein Ermittler laut "Washington Post" am Sonntag sagte. Sie untersuchen den Computer des 39-Jährigen sowie seine zahlreichen Email-Accounts und erstellen ein psychologisches Profil von dem Armeearzt, um ein mögliches Motiv zu erkennen.

"Ich werde morgen nicht hier sein"

Unterdessen wurden weitere Details über die Tat bekannt. Am Abend zuvor hatte sich Hasan mit einem Bekannten zum Essen getroffen und davon gesprochen, nicht nach Afghanistan gehen zu wollen. "Er hatte das Gefühl, aussteigen zu müssen", sagte Duane Reasoner der "New York Times". Im Koran stehe, als Muslim solle man keine Allianzen mit Juden oder Christen eingehen, und wenn man in einem Kampf mit Muslimen getötet werde, komme man in die Hölle, sagte Hasan demnach.

Am Morgen der Tat war Hasan um 6 Uhr zum Gebet in der Moschee. Anschließend verabschiedete er sich von Freunden dort und bat einen Mann um Vergebung für frühere Verfehlungen, wie die "New York Times" berichtete. "Ich werde verreisen", sagte Hasan der Zeitung zufolge einem Gläubigen und umarmte ihn: "Ich werde morgen nicht hier sein."

Wenige Stunden später betrat Hasan den Bereich in Fort Hood, in dem Soldaten medizinisch behandelt werden, bevor sie zu einem Übersee-Einsatz geschickt werden. Zunächst habe er ruhig an einem Tisch gesessen, den Kopf nach vorne geneigt, als betete er, dann sei er aufgestanden und habe seine Pistole gezogen, sagten Zeugen laut "NYT". Mit den Worten "Allahu akbar" - "Gott ist groß" eröffnete er das Feuer. Insgesamt soll er 100 Schüsse abgegeben haben.

Hasan soll sich systematisch durch den Raum vorgearbeitet haben, dabei verschonte er einige Menschen, während er auf andere mehrfach schoss. Warum er so vorging, ist unklar. Bis auf ein Opfer waren alle Getöteten Soldaten, fünf von ihnen arbeiteten ebenfalls im Medizinbereich.

Obama verschiebt Asien-Reise wegen Trauerfeier

Der 39-Jährige scheint ein Mann voller Widersprüche zu sein: Von vielen Nachbarn wird er, der trotz eines guten Gehalts in einem heruntergekommenen Apartment lebte, als zurückhaltend, aber auch freundlich und extrem hilfsbereit beschrieben. Einem Onkel zufolge soll er Psychiater statt Chirurg geworden sein, nachdem er einmal bei einer Geburt ohnmächtig geworden war. Der in Ramallah lebende Rafiq Hamad beschreibt seinen Neffen als sehr sensiblen Menschen, der seinen Vogel aus dem Mund fütterte und monatelang trauerte, als das Tier starb.

Seit 2004 soll sich Hasan seinen Verwandten zufolge verändert haben. Er wurde immer wütender über die Armee und die Kriege in Afghanistan und im Irak. Vor allem sein eigener, für Ende des Jahres geplanter Einsatz soll ihn zunehmend belastet haben.

US-Präsident Barack Obama hat wegen seiner Teilnahme an der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs seine Asien-Reise verschoben. Er wird einem Regierungsvertreter zufolge nun erst am Donnerstag statt wie geplant am Mittwoch nach Japan aufbrechen. Anschließend reist der Präsident nach Singapur, China und Südkorea weiter. Die Trauerfeier in Fort Hood ist für Dienstag angesetzt.

siu/yas/AP

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Forum - Lehren aus dem Amoklauf von Fort Hood?
insgesamt 269 Beiträge
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1.
rabenkrähe 08.11.2009
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
.... Ist doch ganz einfach: Das Militär abschaffen, dann gibt es täglich Hunderte weniger Tote auf dieser, unserer Welt. rabenkrähe
2.
hmao 08.11.2009
Wie kommt es, dass keiner von einer klinischen Psychose spricht?
3. gesunder Menschenverstand + Einfühlungsvermögen?
Kim 08.11.2009
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
Man kann den Fall auch so zusammen fassen: Ein Arzt, dessen Aufgabe es jahrellang war, schwer traumatisierte Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Irak und Afghanistan zu betreuen, und der mehrfach kundgetan hat, dass er die Armee verlassen möchte, soll nun an den Ort dieser Kriegshandlungen geschickt werden, die ihm von seinen Patienten so schillernd beschrieben wurden. Vielleicht wäre ein wenig Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand auf Seiten seiner Vorgesetzten bei der Armee hilfreich gewesen? Womit ich allerdings nicht die Tat selbst entschuldigen möchte!
4. Vom Opfer zum Täter gemacht
mardas 08.11.2009
Nun, ganz einfach, man sollte toleranter gegenüber Muslimen sein, sodass sie sich nicht radikalisieren. Es gibt in dieser Sache viele Indizien dafür, dass der Mann gemobbt und ausgegrenzt wurde, nicht zuletzt der zurückgezogene Vorwurf einer "antiamerikanischen Propaganda" seiner ehemaligen Kameraden scheint mir ein deutliches Indiz für eine Vertuschung des Mobbings zu sein, diese "Propaganda" war wahrscheinlich ganz einfach Kritik am US-Militär, vielleicht auch etwas ausfallender. Alle "Islamismus-Vorwürfe" sind bisher nur wohlgemeinte Spekulationen, die noch "überprüft werden müssten". Und dass das der schlimmste ANSCHLAG(!) seit 09/11 gewesen sei, schlägt dem Fass den Boden aus! Es ist die typische Angstspirale, die Opfer zu Tätern machen will und eine Spirale von Vorwürfen beginnen lässt. Ich glaube jedenfalls nicht an einen "Anschlag".
5. Eigentlich ganz einfach,
woscha 09.11.2009
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
nämlich daß das Adjektiv " friedliebend " nicht umsonst stets im Zusammenhang mit den Mohammedanern genannt werden muß.
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