Attentäter von Toulouse Algerien verweigert Beisetzung Merahs

Die Eltern wollten eine Bestattung in Algerien, aber das Land lehnt ab: Der Attentäter von Toulouse wird nicht im Heimatland seines Vaters beerdigt. Dieser hat nun einen Anwalt mit einer Klage gegen den französischen Staat beauftragt. 

Mohammed Merah in einem privaten Video: Beisetzung in Toulouse
REUTERS / France 2

Mohammed Merah in einem privaten Video: Beisetzung in Toulouse


Paris - Der Attentäter von Toulouse soll nun doch in Frankreich und nicht in Algerien bestattet werden. Der algerische Staat habe in letzter Minute aus "Sicherheitsgründen" abgelehnt, dass Mohamed Merah auf seinem Gebiet begraben werde, sagte der Vertreter der Großen Moschee von Paris, Abdallah Zekri, im südfranzösischen Toulouse. Merah, der vor einer Woche von Elitepolizisten erschossen worden war, solle nun in den nächsten 24 Stunden in Toulouse bestattet werden.

Die Mutter von Merah hatte sich für eine Bestattung in Algerien eingesetzt, wo der Vater lebt. Sie befürchtet, dass das Grab ihres Sohnes in Frankreich geschändet werden könnte. Zuletzt hatte es geheißen, Merahs Leichnam werde nach Algerien überführt. "Die Familie ist enttäuscht, aber zugleich versteht sie es", sagte Zekri. Nach seinen Angaben soll der algerischstämmige Franzose Merah nun voraussichtlich im muslimischen Teil des Friedhofs von Cornebarrieu in seiner Heimatstadt Toulouse bestattet werden.

Der Vater des Attentäters leitete erste Schritte ein, um den französischen Staat wegen des tödlichen Polizeieinsatzes zu verklagen. Mohammed Benalal Merah habe den algerischen Anwalt Zahia Mokhtari mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt, wie die BBC berichtet. Der Anwalt soll klären, ob die tödlichen Schüsse auf Merah vermeidbar gewesen wären.

Merah hatte bei drei Attentaten im Raum Toulouse insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Er wurde vergangene Woche von Elitepolizisten in seiner Wohnung umstellt und dort dann am Donnerstag erschossen. Der 23-Jährige hatte sich als Mitglied von al-Qaida bezeichnet. Ein Verbindung zu dem islamistischen Terrornetzwerkes gilt jedoch als immer unwahrscheinlicher.

Die französische Regierung verbot am Donnerstag vier muslimischen Predigern die Einreise zu einem Treffen islamischer Organisationen Anfang April. Außenminister Alain Juppé und Innenminister Claude Guéant begründeten die Entscheidung in einer Mitteilung damit, dass die vier Prediger "zu Hass und Gewalt aufrufen" und damit "im aktuellen Zusammenhang ein Risiko für die öffentliche Ordnung sind". Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich bereits am Montag gegen die Einreise der Prediger Jussef al-Karadawi und Mahmoud al-Masri ausgesprochen, die daraufhin auf eine Teilnahme an dem Kongress verzichteten.

jbr/AFP



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