Attentat auf Polizeichef Mannichl weist Spekulationen zurück

Im Fall des niedergestochenen Polizeichefs von Passau hat sich nun erneut das Opfer zu Wort gemeldet. Alois Mannichl wies Spekulationen über die Hintergründe des Übergriffs zurück und stellte klar: Er habe den Täter nicht erkannt.


München - In einem Interview mit der Münchner "Abendzeitung" betonte der Polizeidirektor, dass er den Täter nicht erkannt hat. Die "Süddeutsche Zeitung" und andere Presseorgane hatten zuvor berichtet, es gebe Zweifel, dass die Bluttat sich zugetragen hat wie von Mannichl geschildert.

So wurde in den Berichten hinterfragt, warum sich Mannichl als erfahrener Polizist nur vage an den Messerstecher erinnern könne. "Da kann ich nur lachen", sagte Mannichl jetzt dazu. "Wenn es ums blanke Überleben geht, denkt man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter hat." Der Angreifer habe ihn nach dem Öffnen der Haustür binnen Sekunden niedergestochen.

Ursprünglich war ein Racheakt aus der rechten Szene hinter dem Verbrechen vermutet worden, weil Mannichl regelmäßig mit seinen Beamten gegen Neonazi-Aufmärsche vorgegangen war und nach eigener Aussage von dem Messerstecher mit einem rechtsextremistischen Spruch beleidigt wurde.

Die "SZ" zitierte allerdings einen namentlich nicht genannten Polizisten, der darauf hinwies, dass die Umstände des Anschlags auch auf "eine Beziehungstat" deuten könnten. Nach dem Messerangriff sei allerdings anfangs nicht - wie sonst üblich - in der Familie ermittelt worden. Erst spät seien Ehefrau und die beiden Kinder befragt worden.

Mannichl sagte dazu, es sei nur "professionelle Polizeiarbeit", wenn nach einem Verbrechen nun auch das Opfer genau unter die Lupe genommen werde. "Es ist normal, dass, wenn der Täter nicht schnell ermittelt wird, auch die andere Seite genau beleuchtet wird. Zum privaten Umfeld gehört alles dazu", so der 52-Jährige laut "Abendzeitung".

Mannichl erläuterte auch noch einmal, wie es dazu kam, dass er mit dem eigenen Küchenmesser von dem Täter schwer verletzt wurde. Drei Tage vor der Tat seien 60 bis 70 Nachbarn bei einer Adventsaktion vor seinem Reihenhaus gewesen. Dabei sei den Menschen im Freien Punsch und Lebkuchen serviert worden. Beim Aufräumen sei das dabei verwendete Messer runtergefallen. "Ich habe es auf die nächstbeste Ablage gelegt, das war die Fensterbank." Dort könne es der Täter dann weggenommen haben.

Laut "SZ" wurden an dem Messer bei ersten Untersuchungen keine DNA-Spuren von Fremden gefunden. Es gebe auch keine Wisch- oder Schleifspuren, die aber erkennbar sein müssten, wenn der Täter das Messer mit einem Handschuh angefasst hätte. Das Blatt zitierte den Leitenden Oberstaatsanwalt Helmut Walch mit den Worten, das sei "merkwürdig".

Der Staatsanwalt verteidigte zugleich das Vorgehen der Ermittler. Sie hätten aufgrund der Hinweise des Opfers vor allem die rechtsradikale Szene im Visier gehabt, doch werde von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt. Walch wies zudem Hinweise auf eine Beziehungstat zurück.

Gleichzeitig bekannte er, dass die bundesweit verbreiteten Phantombilder, die zwei mögliche Täter aus der rechtsradikalen Szene zeigten, unbrauchbar seien. Man zweifle mittlerweile an der Beobachtungsgabe der Zeugin. Auch klagte Walch über das Schweigen der Nachbarn, die Angaben zu dem Attentat machen könnten. Viele von ihnen seien erst auf eine "scharfe zweite Befragung" hin zu Aussagen bereit gewesen.

"Ich gehe durch ein tiefes Tal. Jeden Tag kommt ein Neues. Ich hoffe, dass das bald vorbei ist", so Mannichl. Mit Blick auf Spekulationen, er könnte gelogen oder nicht alles gesagt haben, betonte Mannichl: "Das sehe ich mit einer gewissen Gelassenheit. Es nutzt ja nichts." Er habe eigentlich gehofft, nach seiner Rückkehr in den Dienst am vergangenen Mittwoch wieder in Ruhe leben und arbeiten zu können. "Aber da muss ich jetzt durch."

jdl/dpa/ddp

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