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11. Juni 2012, 18:57 Uhr

Prozess gegen Oslo-Attentäter

Gutachterteam hält Breivik für zurechnungsfähig

In wenigen Wochen fällt in Oslo das Urteil gegen Anders Breivik. Jetzt haben sich norwegische Gutachter erneut für eine Zurechnungsfähigkeit des Attentäters ausgesprochen. Eine Psychose schlossen sie aus.

Oslo - Norwegische Psychologen haben vor Gericht ihre Einschätzung bekräftigt, dass der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik zurechnungsfähig und damit auch schuldfähig sei. Er fühle sich beim Anblick Breiviks an den Hollywood-Massenmörder Hannibal Lecter aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer" erinnert, sagte der klinische Psychologe Eirik Johannesen dem Osloer Amtsgericht. "Wenn man ihn trifft und weiß, was er getan hat, ist es fast als ob man Hannibal träfe."

Breivik habe eine Identität geschaffen, um "andere Rechtsextremisten und Faschisten zu überzeugen", sagte Johannesen. "Aber das stimmt nicht damit überein, wer er ist". Breivik zeige nicht viel Einfühlungsvermögen, doch er sei nicht völlig emotionslos, so der Psychologe. Vor dem Osloer Amtsgericht sagten Mitglieder eines 18-köpfigen Teams von Experten aus, die Breivik während der Untersuchungshaft regelmäßig beobachtet hatten. In einer geheimen Abstimmung am Ende des Beobachtungszeitraums seien 16 der Teammitglieder der Ansicht gewesen, Breivik leide nicht an einer Psychose, sagte die Teamleiterin Maria Sigurjonsdottir. Sie hätten den Eindruck gehabt, Breivik wisse genau, was um ihn herum vorgehe. Er war "fokussiert, organisiert und sprach immer kohärent", so die Psychiaterin.

Die Verteidigung hatte die Psychologen und Psychiater vorgeladen. Sie möchte die geistige Zurechnungsfähigkeit Breiviks beweisen. Der Frage nach der Zurechnungsfähigkeit wird in dem Verfahren eine entscheidende Bedeutung beigemessen. Das Gericht hatte ein zweites psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, nachdem ein erstes Expertenteam ihn als nicht zurechnungsfähig eingestuft hatte. Die Beobachtungen des Expertenteams gingen in das zweite Gutachten ein.

Das Urteil in dem seit Mitte April laufenden Verfahren wird im Juli erwartet. Kürzlich hatte das Gericht mitgeteilt, auch eine Verzögerung bis Ende August sei möglich, doch die Planung laufe weiterhin auf den 20. Juli hinaus. Zwei Tage später, am 22. Juli, jährt sich der Tag, and dem Breivik im Osloer Regierungsviertel und auf der Ferieninsel Utøya insgesamt 77 Menschen ermordete.

jbr/dpa

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