Attentäter von Toulouse: Polizeiaufsicht prangert Fehler an

Mohamed Merah tötete sieben Menschen und löste in Toulouse Angst und Schrecken aus. Polizeikontrolleure haben den französischen Sicherheitsbehörden nun Fehler vorgeworfen. Die Gefährlichkeit des Attentäters sei unterschätzt worden, heißt es in einem internen Bericht.

Spezialkräfte bei der Wohnung von Mohamed Merah (Archiv): Täter unterschätzt? Zur Großansicht
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Spezialkräfte bei der Wohnung von Mohamed Merah (Archiv): Täter unterschätzt?

Paris - Sieben Monate nach der Attentatserie von Toulouse hat die interne Polizeiaufsicht in Frankreich schwere Fehler bei den Sicherheitsbehörden angeprangert. In einem von Innenminister Manuel Valls in Auftrag gegebenen Bericht schreiben die Experten, dass "mehrere objektive Fehler" vor allem beim Inlandsgeheimdienst DCRI festzustellen seien. Im Vorfeld der Bluttaten sei die Gefährlichkeit des Attentäters Mohamed Merah falsch eingeschätzt worden.

Die Attentate des 23-Jährigen hatten im März in Frankreich Entsetzen ausgelöst. Bei drei Anschlägen im Großraum Toulouse erschoss der Islamist sieben Menschen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung wurde Merah am 22. März von Polizisten der Eliteeinheit Raid erschossen.

Merah hatten schon vor seinen Taten unter Beobachtung des Geheimdiensts gestanden - unter anderem, weil er sich in Afghanistan aufgehalten hatte.

Zwei Berichterstatter der internen Polizeikontrolle IGPN stellten nun in ihrem Bericht fest, dass die Fehler der Sicherheitsbehörden nicht unter "menschliches Versagen" fallen würden. Vielmehr seien eine "Verknüpfung von Versäumnissen und Fehlern bei der Einschätzung", "Probleme bei der Führung und Organisation der Dienste" sowie "eine Abschottung" verschiedener Sicherheitsbehörden untereinander festzustellen.

hut/AFP

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Chronologie
Zwölf Tage der Angst
Der Serienattentäter von Toulouse hat ganz Frankreich zwölf Tage lang in Atem gehalten. Die Ereignisse in der Übersicht:
11. März: Der erste Mord
Ein Fallschirmjäger in Zivil wird am Nachmittag in Toulouse auf offener Straße erschossen. Der Täter, der sein Opfer durch eine Internetanzeige aufspürte, flieht auf einem Motorroller.
15. März 2012: Zwei Soldaten getötet
Ebenfalls auf offener Straße werden zwei weitere Fallschirmjäger getötet, die gerade am Geldautomaten Geld abheben wollten. Ein dritter Soldat wird lebensgefährlich verletzt. Auch diesmal flieht der Täter auf einem Motorroller. Ort der Bluttat ist Montauban, rund 50 Kilometer nördlich von Toulouse.
19. März 2012: Drei Kinder und ein Lehrer werden erschossen
Vor Unterrichtsbeginn erschießt ein Mann vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer. Bei der Gewalttat, die weltweit Entsetzen auslöst, trägt der Täter eine Kamera um die Brust geschnallt. Präsident Nicolas Sarkozy ruft in Südfrankreich die höchste Terrorwarnstufe scharlachrot aus.
20. März 2012: Frankreich trauert
Frankreich gedenkt der Opfer in einer Schweigeminute.
21. März 2012: Fahnder entdecken das Versteck
Die Polizei spürt Mohammed Merah auf und umzingelt gegen 3 Uhr morgens dessen Haus im Osten von Toulouse. Der algerischstämmige Franzose verschanzt sich in dem Gebäude. In Israel werden die vier jüdischen Opfer begraben, in Frankreich findet eine Trauerfeier für die drei Fallschirmjäger statt.
22. März 2012: Scharfschützen töten Mohammed Merah
Nach rund 32 Stunden Belagerung dringt die Polizei am Vormittag in Merahs Wohnung vor. Er versteckt sich zunächst im Badezimmer und schießt dann wild um sich. Er wird von Scharfschützen getötet, als er aus dem Fenster flüchten will.

Quelle: AFP