Prozess um Augsburger Polizistenmord Verteidigung fordert Freispruch

Sein Bruder wurde bereits wegen Polizistenmordes verurteilt, nun steht in dem Fall auch das Urteil gegen einen 61-Jährigen an. Die Verteidigung überraschte mit einem ungewöhnlich kurzen Plädoyer - und forderte Freispruch.

Augsburger Stadtwald (Archiv): Großes Polizeiaufgebot nach tödlichen Schüssen auf Kollegen
DPA

Augsburger Stadtwald (Archiv): Großes Polizeiaufgebot nach tödlichen Schüssen auf Kollegen


Augsburg - Fast dreieinhalb Jahre ist es her, dass der Augsburger Polizist Mathias V. bei einer Verfolgungsjagd erschossen wurde. Jetzt steht der Mordprozess vor dem Abschluss. Das Landgericht Augsburg will noch am Nachmittag das Urteil sprechen.

Die Anwälte des angeklagten 61-Jährigen hatten am Vormittag darauf verzichtet, sich nochmals inhaltlich mit dem Fall auseinanderzusetzen. Stattdessen warfen sie der Strafkammer in einem ungewöhnlich kurzen Verteidigerplädoyer ein unfaires Verfahren vor.

Anwalt Werner Ruisinger verlangte kurz und knapp einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Sein Kollege Adam Ahmed sagte: "Das Verfahren war längst gelaufen, bevor wir hier angefangen haben." Dies bezog sich darauf, dass die Kammer im vergangenen Jahr bereits den jüngeren Bruder des Angeklagten wegen Mordes verurteilt und den 61-Jährigen damals einen Mittäter genannt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte im aktuellen Verfahren für den Angeklagten die höchstmögliche Strafe gefordert: lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, damit der Mann nicht bereits nach 15 Jahren auf Bewährung freikommen kann. Außerdem verlangte die Anklage die Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Diese Strafe hatte im vergangenen Jahr bereits der 59 Jahre alte Bruder des Angeklagten erhalten. Der Bundesgerichtshof bestätigte dieses Urteil. Im ersten Mordprozess war das Verfahren gegen den älteren Bruder abgetrennt worden, weil er wegen seiner Parkinson-Erkrankung zeitweise verhandlungsunfähig war.

Der Augsburger Polizistenmord gilt als einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. In einer nebligen Herbstnacht im Oktober 2011 wollten der Polizist Mathias V. und eine Streifenkollegin zwei Männer kontrollieren. Die Verdächtigen flüchteten auf einem Motorrad in den Augsburger Stadtwald. Es kam zu einer Schießerei - V. starb, seine Kollegin wurde verletzt.

wit/dpa

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