Centennial - Ein halbes Jahr nach dem Massaker in einem Kinosaal in Aurora sind bei einer Anhörung vor Gericht weitere Details zur Tat bekannt geworden. So soll sich der mutmaßliche Schütze James Holmes akribisch vorbereitet haben. Monate vor der Tat, bei der zwölf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden, habe Holmes 6295 Patronen gekauft, sagte ein Agent der US-Waffenkontrollbehörde ATF bei der gerichtlichen Anhörung in Centennial im US-Bundesstaat Colorado. Zudem habe Holmes legal vier Schusswaffen erworben.
Auch zwei Kanister Tränengas habe der 25-Jährige gekauft. In seiner Wohnung hat er den Angaben zufolge mit Napalm und Glyzerin mehrere Sprengstoff-Fallen gelegt. "Das ganze Apartment wäre entweder in die Luft gegangen, oder es hätte in Flammen gestanden", sagte Ermittler Garrett Gumbinner laut "Denver Post".
Bei der Anhörung wurden auch Tonbänder mit telefonischen Notrufen abgespielt. Unter anderem habe dabei eine 13-Jährige unter Tränen berichtet, dass ihre sechs Jahre alte Cousine erschossen worden sei. Bei einem anderen Anruf seien nach Angaben des Senders CNN statt der Hilferufe nur rund 30 Schüsse innerhalb einer halben Minute zu hören gewesen.
Wenige Stunden nach der Tat habe Holmes sich nicht wie jemand benommen, der systematisch seinen Angriff auf das Publikum einer Mitternachtsvorstellung des neuen "Batman"-Films geplant habe, gab der Polizist an, der ihn verhört hatte. Holmes habe unter anderem mit Papiertüten gespielt, die zur Sicherung von Schmauchspuren über seine Hände gestülpt worden waren, und vorgegeben, diese seien Puppen, sagte Polizist Craig Appel. Anzeichen auf einen Drogenkonsum des Verdächtigen habe es nicht gegeben, deshalb sei auch kein Test durchgeführt worden.
Es ist das erste Mal, dass derartige Details der Tat offiziell bekannt werden. Der Richter hatte zuvor eine Nachrichtensperre verhängt.
Die Anhörung soll bis Ende der Woche dauern. Danach soll entschieden werden, ob genügend Beweise für einen Prozess gegen Holmes vorliegen und ob er zurechnungsfähig ist. Der erste Punkt ist höchstwahrscheinlich gegeben, der zweite ist noch unklar. Die Verteidiger wollen erreichen, dass Holmes für unzurechnungsfähig erklärt wird.
aar/dpa/dapd
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